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INDIEN: Internationale Fahndung wegen Milliardenbetrugs

Nirav Modis Geschmeide waren von Hollywood bis Bollywood heiss begehrt. Nun fahndet Interpol nach dem Schmuckhändler, der Indiens zweitgrösste staatliche Bank um ein wahres Vermögen gebracht haben soll.
Ulrike Putz, Singapur
Juwelier Nirav Modi.Bild: Getty (Bild: Getty)

Juwelier Nirav Modi.Bild: Getty (Bild: Getty)

Nirav Modi hat viele Talente: Der Inder fertigt nicht nur Schmuckstücke, die die Hälse und Hände von Royals, Oligarchengattinnen und Schauspielerinnen zieren. Der 47-Jährige, der in eine Juwelierfamilie hineingeboren wurde und in der belgischen Diamantenstadt Antwerpen aufwuchs, ist auch dafür bekannt, dass er schöne Wort schmiedet.

«Schmuck ist nicht Prahlerei, kein Auftrumpfen. Es geht darum, die Wertschätzungen von Schönheit zu teilen», diktierte er der «Financial Times». Wer an der von Modi entworfenen Schönheit teilhaben will, muss allerdings tief in die Tasche greifen. Da kostet ein Armreif schnell einmal 50 000 Franken, ein Diamant-Collier kann mit 1,2 Mil­lionen zu Buche schlagen. Wie sich nun herausstellt, scheint Modi noch ein weiteres Talent zu haben: das des gewieften Betrügers. Der Schmuck-Magnat ist wegen milliardenschweren Bankbetrugs in Indien international zur Fahndung ausgeschrieben.

Die Bundespolizeibehörde CBI hat Interpol letzten Freitag um Hilfe gebeten, den prominenten Juwelier aufzuspüren und festnehmen zu lassen. Modis Reisepass wurde für ungültig erklärt. Er hatte sich Anfang des Jahres ins Ausland abgesetzt. Bei Durchsuchungen der Wohnungen und Büros seiner Familie in Mumbai wurden Edelsteine im Wert von um­gerechnet rund 730 Millionen Franken sichergestellt. Die Masche, mit der Modi Indiens zweitgrösste staatliche Bank, die Punjab National Bank (PNB), um ein Vermögen erleichtert haben soll, ist reichlich simpel. 2010 gründete Modi – der mit Indiens Premier Narendra Modi weder verwandt noch verschwägert ist – seine nach ihm benannte Juwelierkette. Ab 2011 scheint er sich regelmässig grosse Summen von der PNB geliehen zu haben. Als die Kredite jeweils fällig wurden, lieh er sich immer wieder mehr, um sie und die Zinsen zu tilgen. Teile des Geldes sollen ins Ausland ge­wandert sein. Möglich gemacht wurden die faulen Kredite den Ermittlern zufolge durch einen Manager einer PNB-Filiale im Süden Mumbais. Zuletzt soll Modi dem Geldhaus 1,6 Milliarden Franken geschuldet haben.

Es dürfte nur noch eine Fra­- ge der Zeit sein, bis Modi, der sich gern mit diamantenbehängten Schauspielerinnen wie Kate Winslet, Naomi Watts oder Bollywood-Superstar Priyanka Chopra fotografieren liess, auf dem Weg in ein indisches Gericht abgelichtet wird. Ohne Pass wird es der Multimillionär, der teure Hi-Fi-Anlagen und Schweizer Uhren sammelt, nicht weit bringen. Reuig zeigte sich der Familienvater bisher nicht: Er schulde der PNB «nur» 720 Millionen Franken, teilte er aus seinem Versteck mit. Die Vorwürfe gegen ihn hätten seine Marke und sein Geschäft zerstört. Wenn die Bank die von ihm geschuldeten Millionen nun nie wieder sehe, sei das gewissermassen ihre eigene Schuld.

Im indischen Bankenwesen steckt der Wurm drin

Der Skandal schürt die Sorge, dass im indischen Bankenwesen der Wurm drin steckt. Vor allem die Geldhäuser im Staatsbesitz scheinen keine funktionierenden Kontrollinstanzen zu haben. Mehrfach ist es in den vergan­genen Jahren zu grossen Kreditausfällen gekommen. Einem Report des ­Finanzministeriums ­zufolge lag die Ausfallrate der staat­lichen Banken im September 2017 bei durchschnittlich 13,5 Prozent, am schlechtesten schnitt die PNB ab. Zwischen 2012 und 2017 wurden danach Firmenkredite in Höhe von 36 Milliarden Franken nicht zurückgezahlt. Um seine Banken liquide zu halten, muss der in­dische Staat ihnen regelmässig Finanzspritzen verab­reichen.

Einer Berechnung der «Times of India» zufolge soll Neu-Delhi seine Banken in den vergangenen 11 Jahren mit 37 Milliarden Franken gestützt haben.

Ulrike Putz, Singapur

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