Indiens Präsident kehrt heute nach Bern zurück – und hofft auf ein fades Staatsbankett

Ram Nath Kovind gehört zur Kaste der Unberührbaren. Trotzdem hat ers im zweitgrössten Land der Welt ganz nach oben geschafft.

Samuel Schumacher
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Ram Nath Kovind kurz nach seiner Wahl zum indischen Staatspräsidenten. (Bild: Keystone, 20. Juli 2017.)

Ram Nath Kovind kurz nach seiner Wahl zum indischen Staatspräsidenten. (Bild: Keystone, 20. Juli 2017.)

Die Anreise war mühsamer als gedacht, weil Pakistan ihm wegen des schwelenden Kaschmir-Konflikts den Überflug verbot. Am Dienstag dann landete Ram Nath Kovind, der indische Staatspräsident, schliesslich doch noch in Island. Er rückte sich die rote Sindhi-Mütze zurecht, zog den Schal enger und lauschte lächelnd den Klängen der isländischen Militärmusik. «Von Herzen gefallen» habe ihm die Musik, versicherte der 73-Jährige und machte einen Knicks.

Harmonisch fing sie also an, die erste Europa-Reise des indischen Staatsoberhaupts, die ihn heute Nachmittag nach Bern führen wird. Dort empfängt man den hohen Gast mit militärischen Ehren auf dem Münsterplatz und hat hernach wohl allerlei zu besprechen. Schliesslich ist Indien ein wichtiger Handelspartner für die Schweiz (wir exportieren jährlich Waren im Wert von gut 18 Milliarden Franken ins Riesenland). Und auch sonst sind die Beziehungen zwischen den beiden Ländern «eng und dynamisch», wie das Aussendepartement schreibt.

Ram Nath Kovind weiss das aus eigener Erfahrung. Er war während seiner zwölfjährigen Amtszeit als Parlamentsabgeordneter des indischen Bundesstaates Uttar Pradesh schon mal auf einer Parlamentarier-Reise in der Schweiz.

Viel Weisheit, wenig Salz

Als Regierungsberater, Uno-Gesandter und Parlamentarier hat er sich stets für soziale Gerechtigkeit, Emanzipation und die Rechte der «unberührbaren» Dalits stark gemacht. Die Nachfahren der indischen Ureinwohner, zu denen auch Kovind selber gehört, stehen in der indischen Kastenordnung ganz zuunterst.

Totzdem wurde Kovind 2017 mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit des Wahlkomitees ins Staatspräsidentenamt gewählt. Er ist erst der zweite «Unberührbare» im hohen Amt.

Das alleine zeigt schon: Dem freundlichen Mann mit den mächtigen Brauen sind die gebratenen Tauben nicht in den Mund geflogen. Als jüngstes von sieben Kindern musste er sich früh gegen die Widrigkeiten des indischen Landlebens durchringen. Bei der Prüfung, die alle zukünftigen Beamten in Indien ablegen müssen, fiel er zweimal durch. Erst im dritten Anlauf hats geklappt. Doch Kovind entschied sich als junger Mann, sein Glück ausserhalb des Staatsapparates der 1,3-Milliarden-Nation zu versuchen und kämpfte jahrelang als Anwalt für die Rechte der Schwachen.

Heute, als indisches Staatsoberhaupt – ein Amt, das bei Kovinds Geburt 1947 noch vom englischen König ausgeführt wurde –, ist er Oberbefehlshaber über 1,3 Millionen Soldaten, kann jederzeit Neuwahlen einberufen und Kriminelle begnadigen. Daneben zeigt er sich bei seinen Ansprachen gerne als moderner Denker. Kürzlich sagte er mit Blick auf Indiens nahe Zukunft: «Es wäre doch angebracht, dass Buddhas Heimatland die Welt bei der Suche ökologischer Balance anführt.»

Doch auf seiner Europareise, die ihn nach der Schweiz auch noch nach Slowenien führen wird, stehen andere Dinge im Vordergrund. Heute Abend zum Beispiel das Staats-Dinner mit Vertretern des Bundesrats.

Bleibt zu hoffen, dass die Schweizer Spitzenköche Kovinds Vorlieben kennen. Nach seinem Einzug in den Präsidentenpalast in Delhi veranlasste er seine eigenen Küchenchefs, ausschliesslich vegetarisch zu kochen, keine Desserts aufzutischen und wenig Salz zu verwenden. Könnte fad werden in Bern heute Abend, rein kulinarisch betrachtet.