Barack Obama

Indonesiens verlorener Sohn kehrt zurück

«Barry» Obama reist in den islamischen Staat, in dem er seine Kindheit verbrachte. Indonesien feierte Obama wie einen verlorenen Sohn, der zurückkehrt.

Daniel Kestenholz, Bangkok
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Nach dem Feelgood-Gipfel mit viel Lokalkolorit in Indien, wo US-Präsident Barack Obama und Gastgeber Premier Manmohan Singh auf eine «unersetzliche Partnerschaft» anstiessen, ist Obama gestern zu einem Kurzbesuch in seiner alten Heimat Indonesien eingetroffen, wo er im Alter von sechs bis zehn Jahren mit seiner Mutter und dem indonesischen Stiefvater lebte.

Indonesien feierte Obama wie einen verlorenen Sohn, der zurückkehrt. Das Land dürfte aber auch die Antwort auf die Frage sein, weshalb viele in den USA ihren Präsidenten mit dem zweiten Vornamen «Hussein» für einen Muslim halten. Obamas Stiefvater war Muslim, brachte ihm auch den Koran nahe und nahm ihn mit in die nahe Moschee.

Obama ist Christ, doch seine islamische «Vergangenheit» ist auf dieser Reise wieder Thema. Indische Medien wussten, dass Obama den geplanten Besuch des höchsten Heiligtums der Sikh in Indien ablehnte, weil der Goldene Tempel in Amritsar nur mit bedecktem Haupt zu betreten ist und er dann wie ein Muslim ausschaue.

Obama verbringt weniger als 24 Stunden in der bevölkerungsreichsten Muslimnation der Welt, bevor er weiter nach Seoul und Japan zu den G-20- und Apec-Wirtschaftsgipfeln eilt. Wie letztes Jahr in Kairo wird Obama auch in Jakarta eine Grundsatzrede zu Amerikas Beziehungen zur islamischen Welt halten. Nicht Muslime, sondern Terroristen sind unsere Feinde, so die Botschaft.

Ein Besuch der Istqlal-Moschee, der grössten Moschee in Südostasien, sowie eine Kranzniederlegung auf Jakartas Heldenfriedhof runden den Kurzbesuch ab.

Im Schatten der Vulkanwolke

Auch Obamas dritter Anlauf, nach Jakarta zu reisen, zu diesem treuen Partner im Anti-Terror-Krieg, scheiterte beinahe. Die Aschewolken von Vulkan Merapi lähmten noch am Sonntag Jakartas Flugverkehr. Zuvor hatte der US-Präsident zwei Indonesien-Reisen wegen innenpolitischer Probleme in letzter Minute abgesagt, erst wegen der Gesundheitsreform, dann wegen der Ölpest im Golf von Mexiko.

Dank seinen indonesischen Wurzeln verfügt der US-Präsident über eine riesige Fangemeinde im Land, die ihm in einem Park von Jakarta sogar eine kleine Statue errichtete. Doch Nationalisten wollten einen indonesischen Helden auf dem Sockel. Klein Obama gehörte abmontiert.

Unter den Fans des US-Präsidenten wartet auch die 61-jährige Katarina Fermina Sinaga auf «Barry», wie sie den Knaben damals nannten. «Als Weltführer hat er wohl keine Zeit», sagte sie Reportern. «Doch ich will ihn unbedingt treffen. Er darf uns auf keinen Fall vergessen.»

Ehrenlieder für «unseren Obama»

Als Obama erst im März und dann im Juni kommen wollte, war die Nation schon ganz nervös. Bücher und Filme über «unseren Obama» erschienen, allenthalben waren Feste und Ausstellungen geplant.

Jetzt trüben der Tsunami und Merapi die Volksseele. Immerhin hoffen die Kinder der kleinen Schule, die er damals besuchte, auf eine Kurzvisite des berühmten Schülers, der im Garten zu Hause weisse Krokodile und einen Affen besass. Schulkinder übten noch gestern früh ein Lied zu Ehren Obamas. Sagte ein älterer Mann: «Wir müssen ihn begrüssen wie einen Bruder, der zurückkehrt.»

Alles hing es auch an Merapi. Sollten die Winde drehen und Vulkanstaub nach Jakarta bringen, wird Obama mitsamt Reisetross notfallmässig Richtung Seoul ausgeflogen.