IOWA: Amerika steht vor langem Vorwahlkampf

Bei der Wahlversammlung der Demokraten in Iowa liegen die frühere Aussenministerin Hillary Clinton und der Senator Bernie Sanders praktisch gleichauf. Die erste Vorwahl der US-Republikaner hat Ted Cruz für sich entschieden.

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Freude über das gute Abschneiden in Iowa: Die Demokratin Hillary Clinton (rechts), in Begleitung ihres Mannes, des frühreren US-Präsidenten Bill Clinton, und Tochter Chelsea. (Bild: AP/Andrew Hamik)

Freude über das gute Abschneiden in Iowa: Die Demokratin Hillary Clinton (rechts), in Begleitung ihres Mannes, des frühreren US-Präsidenten Bill Clinton, und Tochter Chelsea. (Bild: AP/Andrew Hamik)

Renzo Ruf, Des Moines (Iowa)

Die Kandidatin sagte: Mir fällt ein Stein vom Herzen. Und: Danke Iowa. Dann machte sich Hillary Clinton so schnell wie möglich auf dem Weg zum Flughafen, ohne sich zur Siegerin zu erklären. Mit gutem Grund. Denn selbst fünf Stunden nach dem Ende der Wahlversammlungen (Caucuses) stand das Schlussresultat der demokratischen Ausmarchung nicht fest.

Clinton brachte es gemäss den Zwischenergebnissen auf 696 Delegierte, ihr Kontrahent Bernie Sanders auf 692 Delegierte. (Die Demokratische Partei in Iowa gibt traditionellerweise nicht bekannt, wie viele Wählerinnen und Wähler für die jeweiligen Kandidaten gestimmt haben.)

Der Senator aus Vermont erklärte vor seinen begeisterten Anhängern deshalb, er und Clinton seien in einem «virtuellen Patt».

Beide Lager können mit diesem Unentschieden zufrieden sein. Clinton, lange Monate Favoritin, bewies, dass ihre Stammwählerschaft zu ihr hält. Iowa, darf man nicht vergessen, war den Clintons noch nie sehr freundlich gesinnt. So rangierte Hillary Clinton im Jahr 2008 bloss auf dem dritten Platz, hinter Barack Obama und John Edwards.

Bernie Sanders wiederum bewies, dass mit ihm zu rechnen ist – auch wenn das Parteiestablishment mit dem selbsternannten «demokratischen Sozialisten» wenig anfangen kann.

Trump hinter Cruz aber vor Rubio

Bei den Republikanern siegte, entgegen der letzten Meinungsumfrage, der texanische Senator Ted Cruz. Donald Trump, Baulöwe aus New York, rangierte auf Platz zwei, knapp vor Marco Rubio, dem Senator aus Florida.

Die drei Kandidaten repräsentieren verschiedene politische Lager: Cruz vertritt evangelische und staatskritische Wähler. Während seines letzten Wahlkampfauftrittes in Jefferson (Iowa) zitierte Cruz am Montag mehrmals aus der Bibel, und in seiner Siegesrede dankte er Gott.

Trump ist ein Populist, der den Wählerinnen und Wählern das Blaue vom Himmel verspricht. Und damit Erfolg hat, obwohl er über keine politische Erfahrung verfügt. Immerhin stimmten am Montag mehr als 45'000 Republikaner für Trump. In einer kurzen Ansprache gab er sich deshalb siegessicher, was die nächsten Auseinandersetzungen anging.

Rubio wiederum ist ein sicherheitspolitischer Falke, der sich aber auch religiösen und staatskritischen Wählern als Alternative anbieten.

Gemeinsam ist den drei Kandidaten, dass sie über ausreichend finanzielle Mittel verfügen, um bis mindestens am Super Tuesday (1. März) Wahlkampf zu machen.

Für drei weitere Kandidaten – Jeb Bush, Gouverneur Chris Christie aus New Jersey und Gouverneur John Kasich aus Ohio – benötigen einen Erfolg bei den Vorwahlen in New Hampshire, die am nächsten Dienstag stattfinden.