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IRAK: Die Eroberung des Westteils von Mossul wird «noch blutiger und härter»

Die Schlacht um Mossul geht in die entscheidende Phase. Die irakische Regierung hat eine Offensive auf den vom IS gehaltenen Westteil der Stadt gestartet. Die humanitäre Krise in der Millionenstadt am Tigris wird sich weiter verschärfen.
Michael Wrase, Limassol
Wer hat keine Angst vor mir? - Mitglied der irakischen Antiterror-Eliteeinheit, die am Sturm auf Mossul beteiligt ist. (Bild: KEYSTONE/AP/KHALID MOHAMMED)

Wer hat keine Angst vor mir? - Mitglied der irakischen Antiterror-Eliteeinheit, die am Sturm auf Mossul beteiligt ist. (Bild: KEYSTONE/AP/KHALID MOHAMMED)

In einer pathetischen Fernsehbotschaft hat der irakische Premierminister Haider al-Abadi in der Nacht auf gestern den Beginn der Offensive auf den westlichen Teil von Mossul verkündet. Bei ihrer Mission zur «Befreiung vom islamistischen Terrorismus» hätten die «tapferen und heldenhaften Streitkräfte» den ausdrücklichen Befehl erhalten, das «Leben von Zivilisten vorrangig zu schützen». Wie dies gegen eine Terrororganisation, der bei der Verteidigung ihrer Bastionen buchstäblich jedes Mittel recht ist, gelingen soll, sagte al-Abadi nicht.

Der Westen von Mossul ist die letzte Hochburg des sogenannten Islamischen Staats (IS) im Nordirak. In der Grossstadt am Tigris leben nach UNO-Schätzungen noch bis zu 800000 Zivilisten, welche zu einem grossen Teil als menschliche Schutzschilde eingesetzt werden könnten. Bereits vor dem Beginn der Offensive kämpften viele Einwohner ums nackte Überleben. «Eltern haben Schwierigkeiten, ihre Kinder zu ernähren und ihre Häuser zu heizen», betonte die UN-Koordinatorin für Irak, Lise Grande. Schon vor dem Beginn des Kampfes gebe es eine humanitäre Katastrophe, welche sich in den kommenden Wochen dramatisch verschärfen werde. In der seit zwei Monaten umzingelten Stadt gingen Essens- und Benzinvorräte zur Neige. 60 Prozent der Bevölkerung hätten keinen Zugang zu Trinkwasser mehr, weil die Aufbereitungsanlagen defekt seien, warnte Unicef. Das Kinderhilfswerk hat sich zusammen mit anderen Organisationen auf die Aufnahme von bis zu 400 000 Flüchtlingen vorbereitet. Für sie wird eine Zeltstadt im Süden der Tigrismetropole errichtet.

Monatelanger Häuserkampf

Der Kampf um Mossul wird vermutlich mehrere Monate andauern. Der für das Beratungsunternehmen Soufan Group arbeitende Sicherheitsexperte Patrick Skinner rechnet mit einem «Häuserkampf», der noch blutiger und härter geführt werde als im Anfang des Jahres zurückeroberten Osten der Stadt. Für die Kämpfer der Terrormiliz von grossem Vorteil seien dabei die engen Gassen im historischen Zentrum von West-Mossul, welche Militärfahrzeuge häufig nicht passieren könnten. Der IS verfüge in dieser Region noch über einen grossen Rückhalt in der Bevölkerung, glaubt die Irak-Expertin Emily Anagnostos vom Institute for the Study of War in Washington. Wie viele westliche Experten analysiert sie die Geschehnisse allerdings am Schreibtisch und hat den Irak noch nicht besucht.

Von dieser Zeitung befragte Flüchtlinge im Osten von Mossul betonten dagegen, dass die Bevölkerung mit unvorstellbarem Terror zur Zusammenarbeit gezwungen werde und schon lange nicht mehr an die Visionen des IS glaube. Das sei im Sommer 2014, als die Terrormiliz Mossul im Handstreich eroberte und IS-Führer Abu Bakr al-Baghdadi dort das Kalifat proklamierte, noch anders gewesen.

Zeitgleich mit der Fortsetzung der Mossul-Offensive haben auch die Vorbereitungen für einen neuen Vorstoss zur Vertreibung des IS aus dem syrischen Rakka begonnen. Nach In­for­ma­ti­onen der türkischen Zeitung «Hürriyet» hat die türkische Armeeführung vorgeschlagen, die «IS-Hauptstadt» gemeinsam mit der US-Armee und einigen befreundeten arabischen Milizen zu erobern. Mevlüt Cavusoglu, türkischer Aussenminister, kritisierte, es sei falsch, sich auf die kurdischen Volksverteidigungsmilizen (YPG) zu verlassen, welche das US-Militär weiterhin als seinen schlagkräftigsten Partner in der Region betrachtet.

Michael Wrase, Limassol

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