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IRAK: Kampf um Mossul unterbrochen

Novum im Nahen Osten: Wegen der hohen zivilen Opferzahlen im Krieg um die IS-Hochburg Mossul wollen die angreifenden Parteien ihre militärische Strategie überdenken. Scharfe Kritik richtet sich gegen Donald Trump.
Michael Wrase, Limassol
Irakische Polizisten nahe der umkämpften Stadt Mossul. (Bild: Achmed Jalil/AP (20. März 2017))

Irakische Polizisten nahe der umkämpften Stadt Mossul. (Bild: Achmed Jalil/AP (20. März 2017))

Michael Wrase, Limassol

Nach fortgesetzten Berichten über extrem hohe zivile Opferzahlen bei amerikanischen und irakischen Luft – und Artillerie­angriffen auf den Westteil von ­Mossul hat sich die irakische Armeeführung dazu entschlossen, die geplante Rückeroberung der letzten IS-Hochburg für unbestimmte Zeit zu unterbrechen. Man werde die Vormarschpläne überarbeiten sowie neue Ideen und Taktiken zur Vertreibung der Dschihadisten entwickeln, sagte ein Armeesprecher. Dem US-­Militär warf die irakische Armeeführung vor, seit dem Amtsantritt von Donald Trump «die bislang strengen Einsatzregeln spürbar gelockert zu haben».

«Mögliche Fehler» haben inzwischen auch die USA eingeräumt. Zum wiederholten Male kündigten sie eine Untersuchung «der Vorfälle» an und versprachen deren «rasche Aufklärung». Was war geschehen? Laut einem Bericht der kurdischen Nachrichtenagentur Rudaw vom letzten Donnerstag sollen bei US-Luftangriffen auf drei Häuser im Stadtviertel al-Dschadida bis zu 230 Menschen ums Leben gekommen sein. Der irakische Armeekommandant Mohammed al-Dschaburi meldete am gleichen Tag die Bergung von 108 Toten. Vorausgegangen sei eine Explosion in einer Fabrik, in der der IS Sprengstofffallen hergestellt hätte. Vor dem Gebäude soll die Terrormiliz zwei Autobomben postiert haben, welche nach einem Luftangriff explodierten und so die Explosion in der Fabrik ausgelösten.

Sprecher der US-Koalition bestätigten diese Version der Ereignisse zumindest indirekt. Man habe auf Wunsch der irakischen Armeeführung Kämpfer und Ausrüstung des IS «an einem Ort» angegriffen. Dass dabei auf mögliche Kollateralschäden in Wohngebieten keine Rücksicht genommen wurde, liegt auf der Hand.

Zivilisten als menschliche Schutzschilder

Dennoch wäre es falsch, ausschliesslich die angreifenden Amerikaner und Iraker für die hohe Zahl an zivilen Opfern verantwortlich zu machen. Seit ­Jahren setzen der IS und andere Terrormilizen in Syrien und dem Irak Zivilisten als menschliche Schutzschilder ein. Spitäler und Schulen wurden in militärische Hauptquartiere verwandelt, um später den angreifenden Parteien Kriegsverbrechen vorwerfen zu können.

Seit Beginn der Offensive am 19. Februar haben etwa 140 000 Zivilisten den Westteil der Grossstadt am Tigris verlassen. Bis zu 400000 Familien sollen sich nach UNO-Erkenntnissen noch in Mossul aufhalten. In den noch vom IS beherrschten Vierteln gibt es kein sauberes Trinkwasser mehr. Lebensmittel und Medikamente erreichen seit Wochen nicht mehr die umzingelte Stadt. Nur die islamistische Terrormiliz hat sich auf eine lang andauernde Abwehrschlacht vorbereitet.

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