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IRAN-DEAL: Die Kriegsangst geht um

Nach dem Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen triumphieren die religiösen Hardliner im Iran. Die Bürger sind wütend und fassungslos. Viele befürchten einen neuerlichen Krieg.
Demonstranten verbrennen die US-Flagge vor dem Gelände der ehemaligen amerikanischen Botschaft in Teheran. (Bild: Majid Saeedi/Getty (9. Mai 2018))

Demonstranten verbrennen die US-Flagge vor dem Gelände der ehemaligen amerikanischen Botschaft in Teheran. (Bild: Majid Saeedi/Getty (9. Mai 2018))

Michael Wrase, Yasd

Seit dem Ende des von Saddam Hussein gestarteten achtjährigen Kriegs mit dem Irak (1980–1988) sei es klar gewesen, dass die USA versuchen würden, die Islamische Republik mit anderen Mitteln zu bekämpfen, echauffierte sich der stellvertretende Kommandant der iranischen Revolutionsgardisten, Hossein Salami, in der Nacht zum Mittwoch. Dazu gehörte auch das Atomabkommen, welches von Anfang an zum Scheitern verurteilt gewesen wäre, sagte er.

Gemeinsam mit anderen Hardlinern sieht sich Salami «in der konsequenten Ablehnung des schändlichen Deals» jetzt bestätigt, den Staatspräsident Hassan Rohani «gegen den Willen des Volkes» geschlossen habe. Zu Beunruhigung bestände jedoch kein Anlass, da man sich auch «auf die gefährlichsten aller Szenarien» hervorragend vorbereitet habe.

Hardliner fühlen sich bestätigt

Salamis Durchhalteparolen sind keine Überraschung. Trotz Wut und spürbarer Verunsicherung heisst das iranische Gebot der Stunde zunächst einmal Gelassenheit. Auch die iranischen Hardliner haben verstanden, dass sie jetzt nicht überstürzt reagieren müssen. Sie glauben die Zeit auf ihrer Seite. Fast schon gönnerhaft will man daher Rohani Zeit und Handlungsspielraum geben, den «schlechten Deal» mit dem Westen doch noch zu retten.

Ob eine von Hassan Rohani nach der «beleidigenden Trump-Rede» angekündigte konstruktive Zusammenarbeit mit den Befürwortern der Abkommen zu «einer Win-win-Situation für alle» führen wird, will der iranische Staatspräsident allerdings nicht garantieren. Niemand könne sicher sein, dass die europäischen Unterzeichner des Abkommens ihre Versprechen erfüllen würden, orakelte der iranische Parlamentspräsident Ali Laridschani. Falls sich die ohnehin spärlichen Gegenleistungen jedoch weiter vermindern sollten, gebe es freilich keinen Grund, an dem Abkommen festzuhalten, glaubt der iranische Architekt des Atomabkommens, Mohammed Dschawad Zarif.

Bürger haben resigniert

Der grösste Teil der iranischen Bevölkerung hat das Atomabkommen dagegen längst abgeschrieben. Voller Euphorie hatten die Bürger auf die mit dem Deal angeblich verknüpften Aufschwungversprechen des iranischen Staatspräsidenten Rohani gesetzt. Nach Trumps brüskem Ausstieg stünde man nun endgültig vor einem «Scherbenhaufen», betont Alireza im Basar der zentraliranischen Grossstadt Yasd. Er wisse noch nicht, gesteht der arbeitslose Computerfachmann, ob er «nun Trump oder den Mullahs die Schuld für unser Elend» geben soll.

Rohani, der aus Yasd stammt, habe sicherlich «sein Bestes gegeben», erklärt Feresched, die im sechsten Semester Biologie studiert und von Reisen nach Amerika träumt. «Ganz realistisch betrachtet müssen wir aber feststellen, dass unsere Regierung gescheitert ist», analysiert die junge Frau mit leiser Stimme. Trump, fügt sie flüsternd hinzu, habe in seiner «abartigen Rede» nicht nur den Atomdeal, sondern auch das Regime in Teheran «beerdigt». Das Land müsse jetzt «neue Wege» finden.

«Ein weiter so wie bisher», glaubt auch Mohammed Amidpour, der in Yasd als Zahnarzt arbeitet, «kann es jetzt nicht mehr geben.» So wie Mohammed denken viele im Iran. Die Strategiediskussionen in Teheran und Europa nach der als «Kriegserklärung» empfundenen Brandrede des US-Präsidenten lassen sie kalt. «Europa», befürchtet die Biologiestudentin Feresched, «wird sich trotz all seiner guten Absichtserklärungen gegen die USA nicht durchsetzen können.» Am Ende werde der Deal scheitern. Mit einem Neustart des Atomprogramms würden die Hardliner in Teheran dann «ihre Konfrontationsstrategie durchziehen», welche zwangsläufig zu einem neuen Krieg in der Region führen werde.

Parlamentspräsident will Gewalt anwenden

Es fällt schwer, dieser Tage im Iran optimistische Stimmen zu finden. An den Laternenmasten entlang der Stadtautobahnen von Yasd wurden dieser Tage die Bilder jener blutjungen Märtyrer angebracht, die im Krieg gegen den Irak gefallen sind. Weit mehr als 1000 waren es allein in Yasd. Ihr Blut, verheissen allgegenwärtige Parolen, sei nicht umsonst geflossen. Genau 30 Jahre sind seither vergangen.

Die Islamische Republik Iran, unterstreichen Hardliner wie der Revolutionsgardistenkommandant Hossein Salami, habe diesen Krieg «siegreich» beendet, obwohl fast die ganze Welt damals Saddam Hussein unterstützt habe. Der extrem hohe Blutzoll wurde damals in Kauf genommen. Für einen neuen Krieg sieht sich Salami bestens gerüstet. «Einer wie Trump, der nicht über die mentalen Fähigkeiten zur Problembewältigung verfügt, versteht nur die Sprache der Gewalt», sagte Parlamentspräsident Laridschani, nachdem einige Abgeordnete in Teheran die Fahne der USA verbrannt hatten.

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