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Iran sagt Buchmesse ab - wegen Salman Rushdie

Der Iran boykottiert die Frankfurter Buchmesse wegen des Autors der «Satanischen Verse».

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Salman Rushdie polarisiert die Gemüter.

Salman Rushdie polarisiert die Gemüter.

Keystone

27 Jahre nach der Veröffentlichung der «Satanischen Verse» von Salman Rushdie droht sich der Konflikt um das Buch neu zu entzünden. In einer spektakulären Geste kündigte der Iran an, die diesjährige Frankfurter Buchmesse zu boykottieren, weil Rushdie die Rede auf der Eröffnungspressekonferenz halten soll.

«Dies überschreitet die roten Linien unseres Systems», erklärte Vizekulturminister Abbas Salehi, der offenbar die Rückendeckung von Revolutionsführer Ali Chamenei hat. Buchmessen-Direktor Juergen Boos dagegen verteidigte den geplanten Auftritt Rushdies.

«Seine Biografie und sein literarisches Werk verleihen ihm eine gewichtige Stimme in der weltweiten Diskussion über Meinungsfreiheit im Publizieren», erklärte er.

In seinem neuen Buch «Zwei Jahre, acht Monate und achtundzwanzig Nächte» befasst sich der 1947 geborene Schriftsteller erneut mit religiösem Fanatismus und der Frage, was das Geschichtenerzählen dagegen ausrichten kann.

Irans früherer Revolutionsführer Ajatollah Ruhollah Chomeini hatte 1989 wegen der «Satanischen Verse» zum Mord an dem indisch-britischen Autor aufgerufen, der danach jahrelang an geheimen Orten unter Polizeischutz leben musste.

Erst 1998 nach der Wahl des reformoffenen Präsidenten Mohamed Chatami wurde der Skandal politisch aus der Welt geschafft, ohne jedoch das religiöse Verdikt für nichtig zu erklären. Und so bekräftigte Vizekulturminister Salehi jetzt erneut die Gültigkeit der Chomeini-Fatwa und erklärte, sie «spiegelt unsere Religion wider und wird niemals verschwinden».

Anders als der Vizekulturminister jedoch schweigt sich die Regierungsspitze der Islamischen Republik, Präsident Hassan Rohani und Aussenminister Mohammad Dschawad Sarif, bisher aus. Auffällig ist auch das Schweigen des eigentlich zuständigen Kulturministers Ali Jannati.

Der 66-Jährige ist Sohn des ultrakonservativen Wächterratschefs Achmed Jannati, vertritt persönlich jedoch sehr liberale Ansichten. So wurden unter seiner Regie wieder Konzerte, Modeschauen und Kabarettveranstaltungen zugelassen.

Die Affäre um die Buchmesse veranschaulicht das Gezerre zwischen Hardlinern und Reformern innerhalb des iranischen Machtgefüges.(GEH)