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Streit um Ölexporte: Iran droht mit Schliessung der Strasse von Hormus

Der Iran will auf das von den USA angestrebte Exportverbot für sein Rohöl mit Gegenmassnahmen reagieren. Hardliner liebäugeln mit der Sperrung der für den Ölhandel wichtigen Strasse von Hormus.
Michael Wrase, Limassol
Die Strasse von Hormus zwischen dem Golf von Oman und dem Persischen Golf. (Kamran Jebreili/AP, 19. Januar 2012)

Die Strasse von Hormus zwischen dem Golf von Oman und dem Persischen Golf. (Kamran Jebreili/AP, 19. Januar 2012)

Vermutlich zum ersten Mal in ­seiner Amtszeit hat Donald Trump dieser Tage den Iran ausdrücklich gelobt. «Die Fälle von iranischen Provokationen gegen amerikanische Kriegsschiffe sind 2018 auf null zurückgegangen», twitterte der amerikanische Präsident höchst erfreut. 2017, fügte er hinzu, sei die Navy dagegen 14- und 2016 gar 36-mal von den Persern bedrängt worden. Das vermeintliche iranische Wohlverhalten stellt Trump als erstes ­Resultat seiner aggressiven Iran-Politik dar, welche im Mai mit der Kündigung des Atomabkommens und der Verhängung von Sanktionen eingeleitet wurde.

Ziel der USA ist, die ganze Welt dazu zu zwingen, auf den Import von iranischem Rohöl zu verzichten. Ob dies gelingen wird, bleibt abzuwarten. Da die EU, die an der Nuklearvereinbarung festhalten will, offenbar nicht in der Lage ist, den «freien Handel» mit dem Iran zu garantieren, geschweige denn durchzusetzen, macht man sich in ­Teheran Gedanken darüber, wie man reagieren soll, wenn ab ­November womöglich kein Öl mehr exportiert werden kann.

20 Prozent des weltweiten Ölhandels

«Sollten Sie das tatsächlich bewerkstelligen, dann machen Sie es und schauen Sie sich dann das Ergebnis an», drohte Irans Staatspräsident Hassan Rohani letzte Woche im iranischen Staatsfernsehen in einer gewundenen Rede. Er habe den Eindruck, dass die USA nicht verstünden, was es ­bedeute, wenn sie ein «Exportverbot für unser Öl durchsetzen», betonte der Geistliche. Sein Land verfüge durchaus über die Mittel, um im Krisenfall «unangenehme Folgen» einzuleiten.

Deutlicher wollte sich Rohani nicht ausdrücken. Die «klare Sprache» überliess der für iranische Verhältnisse liberale Politiker Hardlinern wie Ismail Kusari. «Sollten die Amerikaner unseren Ölexport blockieren, dann werden wir verhindern, dass durch die Strasse von Hormus Rohöl in andere Länder ausgeführt wird», warnte der stellvertretende Kommandant der Revolutionsgardisten am letzten Wochenende. Durch die im Südosten des Per­sischen Golfs verlaufende Meerenge werden jeden Tag etwa 19 Milliarden Barrel Rohöl exportiert – mehr als 20 Prozent des globalen Ölhandels. Eine Sperrung der beiden 54 Kilometer ­langen «Einbahnstrassen» für Supertanker im sogenannten Verkehrstrennungsgebiet zwischen Oman und dem Iran lasse sich «problemlos bewerkstelligen».

Das behaupten zumindest die Revolutionsgardisten – und bestreiten die Amerikaner, die die 60 Meter tiefe Meerenge «im Krisenfall verteidigen würden». Militärexperten halten eine kurzzeitige Sperrung der Strasse von Hormus durch die Marine der Revolutionsgardisten für möglich. Der Iran würde sich damit ­allerdings ins eigene Fleisch schneiden. Massive amerikanische Vergeltungsmassnahmen wären die Folge. Zudem würde die Islamische Republik vermutlich ihren wichtigsten Verbündeten, China, das 25 Prozent des von Iran exportierten Rohöls kauft, verlieren.

Trump treibt Ölpreise selbst in die Höhe

Die Revolutionsgardisten dürften sich daher auf Drohungen beschränken und damit zum Ärger der USA den Rohölpreis in die Höhe treiben. Höhere Ölpreise könnten vor den Kongresswahlen im November den Aufschwung in den USA dämpfen. Trump hatte deshalb letzten Monat den saudischen König per Twitter aufge­fordert, seine Fördermenge um 2,5 Millionen Fass zu erhöhen, wenn der Iran in die gewünschten Schwierigkeiten gerate.

Die saudischen Zusatzkapazitäten, heisst es in einer Analyse der Commerzbank, würden zwar ausreichen, um iranische Ausfälle abzufedern. Zusätzliche Ausfälle, etwa durch Zwischenfälle in der Strasse von Hormus, könnten aber nicht kompensiert werden. Es sei an der Zeit, heisst es in der Analyse, dass der US-Präsident endlich begreife, dass vor allem seine Iran-Politik für steigende Rohölpreise verantwortlich sei.

Eine Lektion erhielt Donald Trump auch vom iranischen Opec-Gesandten Kazempour Ardebili, der dem US-Präsidenten in mehreren Twitter-Botschaften erläuterte, warum der Ölpreis seit dem Februar dieses Jahres um 15 Dollar gestiegen sei: «Es waren Ihre Tweets, die den Preis in die Höhe trieben. Bitte hören Sie auf damit, sonst geht es noch höher.»

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