IS-TERROR: Eine grauenhafte «Warnung an Obama»

Gotteskrieger demonstrieren auf grässliche Weise ihr Machtgebaren. In einem Video zeigen sie angeblich die Enthauptung eines US-Entwicklungshelfers.

Michael Wrase, Limassol
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Das Archivbild zeigt den 26-jährigen Peter Kassig vor einem Auto mit Hilfsgütern in Syrien. IS-Dschihadisten behaupten, sie hätten den US-Bürger enthauptet. (Bild: EPA)

Das Archivbild zeigt den 26-jährigen Peter Kassig vor einem Auto mit Hilfsgütern in Syrien. IS-Dschihadisten behaupten, sie hätten den US-Bürger enthauptet. (Bild: EPA)

Nach einer Serie militärischer Rückschläge hat die Terrormiliz Islamischer Staat am Wochenende eine weitere westliche Geisel sowie 16 syrische Soldaten enthauptet. Bei der ermordeten Geisel handelt es sich wahrscheinlich um den 26-jährigen amerikanischen Entwicklungshelfer Peter Kassig. Sein abgeschlagener Kopf wurde vom vermutlich aus Grossbritannien stammenden Chefhenker der Dschi­ha­dis­ten in einem Internetvideo präsentiert.

Kassig, der bis 2007 als US-Soldat im Irak gekämpft hatte, war vor 13 Monaten im Osten Syriens verschleppt worden.Während der Gefangenschaft konvertierte er zum Islam. Er setzte sich zuvor für die Opfer des Bürgerkrieges ein und gründete eine eigene kleine Hilfsorganisation. Sein humanitäres Engagement wurde von den Dschihadisten nicht gewürdigt. «Peter, der als Soldat der US-Armee gegen die Muslime im Irak gekämpft hat, hat nicht viel zu sagen», verhöhnte der vermummte Chefhenker der Terroristen sein Opfer.

Unverhohlene Morddrohungen

Im Gegensatz zu Kassig wurden am Wochenende 16 syrische Soldaten vor laufender Kamera ermordet. Es sei eine bisher noch nie erlebte Dokumentation des Grauens, welche die IS-Terrormiliz in dieser Form noch nie veröffentlicht habe, erklärte ein schockierter westlicher Beobachter. Das Schicksal der syrischen Soldaten drohe auch den Männern Obamas, verkündete der IS-Henker. Auch sie würden «mit Allahs Erlaubnis schon morgen abgeschlachtet».

Amerikanische Terrorismusexperten, die ungenannt bleiben wollen, interpretieren das rund 15 Minuten dauernde Horrorvideo der IS-Dschihadisten indessen als ein Zeichen der Schwäche. Nach einer Serie von militärischen Rückschlägen und Niederlagen im Irak habe es die Terrormiliz offenbar für nötig empfunden, ihren Anhängern Stärke zu demonstrieren. Dabei vergreife sie sich aber an wehrlosen und unschuldigen Menschen.

US-Generalstabschef besucht Irak

Der Präsentation des Horrorvideos im Internet war am Samstag ein Über­raschungsbesuch von US-Generalstabschef John Dempsey in Bagdad vorausgegangen. Dort beriet er mit Vertretern der irakischen Regierung und der irakischen Armee über die «nächste Phase» im Kampf gegen die IS-Terroristen. Diese bezeichnete der Amerikaner als «Zwerge». Man habe in der Schlacht gegen die Dschihadisten einen Wendepunkt erreicht und an «Stosskraft» gewonnen. Gleichwohl könnte es noch Jahre dauern, bis der IS geschlagen sei.

Die USA haben nach den Worten von Geheimdienstkoordinator James Clapper keine Hinweise auf ein Bündnis zwischen dem Islamischen Staat (IS) und dem Terrornetzwerk el Kaida. Es habe in der Vergangenheit zwar taktische Abstimmungen zwischen den Islamisten-Gruppierungen gegeben, zum jetzigen Zeitpunkt sehe er aber keinen Zusammenschluss, sagte Clapper gegenüber dem US-Fernsehsender CBS. Die US-Nachrichtenwebsite «The Daily Beast» hatte zuvor berichtet, dass eine El-Kaida-Splittergruppe versuche, zwischen dem IS und dem El-Kaida-Ableger in Syrien, der Al-Nusra-Front, eine Einigung zu vermitteln.

Ölraffinerie zurückerobert

Die irakischen Truppen konnten am Wochenende die Stadt Baidschi sowie die Ölraffinerie dieser zentralirakischen Stadt zurückerobern. Eine Offensive gegen die vom IS gehaltene Millionenstadt Mossul oder die Wiederherstellung der Grenze zu Syrien würde aber komplexere Einsätze verlangen. Die Zahl der im Irak stationierten US-Soldaten soll daher in den kommenden Wochen von 1600 auf 3100 erhöht werden.

Die USA haben sich mit der Türkei auf die Ausbildung von sogenannten moderaten syrischen Rebellen auf türkischem Territorium geeinigt. Noch diesen Monat soll laut der Zeitung «Hürriyet» das Training von 2000 Kämpfern der Freien Syrischen Armee (FSA) beginnen.