ISLAM: «Entscheidend ist, wie man den Koran liest»

Ist der Koran einer der Gründe für den Extremismus? Islamexperte Reinhard Schulze sagt, die Schrift müsse differenziert betrachtet werden. Auch von den Muslimen selber.

Interview Arno Renggli
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Es hängt von den Musliminnen und Muslimen selber ab, wie sie den Koran lesen und ob der Islam eine friedliebende Religion ist. (Bild: Keystone)

Es hängt von den Musliminnen und Muslimen selber ab, wie sie den Koran lesen und ob der Islam eine friedliebende Religion ist. (Bild: Keystone)

Interview Arno Renggli

Reinhard Schulze, was bedeutet der Koran für die Muslime?

Reinhard Schulze: Es ist das Wort Gottes und damit die Basis ihrer Frömmigkeit. Die Lektüre des Korans gilt als Akt spirituellen Erlebens.

Nun gibt es aber im Koran nebst vielen Stellen, die von der Beziehung zu Gott handeln, auch manches, was zumindest aus der Aussensicht irritiert. Etwa die Stellen, welche zu Gewalt gegen Andersgläubige aufrufen.

Schulze: Nach Auffassung der meisten gläubigen Muslime darf der Koran, ähnlich anderer religiöser Schriften wie zum Beispiel das Alte Testament, nicht als verbindliche allumfängliche Handlungsanweisung verstanden werden. Die koranischen Gebote beziehen sich für sie auf den Kult und auf gutes, moralisches Handeln. Der Koran sei kein Nachschlagewerk dafür, was in der heutigen Zeit zu tun sei. Stellvertretend etwa hat der Grossmufti von Ägypten formuliert: Der Koran sei kein Gesetzbuch, mit dem die konkrete Lebenssituation geregelt würde.

Doch gibt es im Koran immer wieder Stellen, die sich wie aus einem Gesetzbuch lesen, etwa über Erbregelungen.

Schulze: Ja, aber bei genauer Betrachtung betreffen sie primär Bereiche, die für den religiösen Kult relevant sind und diesen schützen. Generell trennt der Koran radikal Kultsphäre und Sozialsphäre.

Aber genau dies tun Extremisten oder islamistische Gesellschaften wie etwa in Saudi-Arabien nicht.

Schulze: Das stimmt, es ist ein Kennzeichen puritanischer und fundamentalistischer Gemeinschaften, zu behaupten, der Koran gebe die Regeln auch für die Sozialsphäre vor. Allerdings benötigen sie zur Ausgestaltung dieser Regeln immer die Prophetentradition, aus dem Koran allein gelingt es selbst ihnen nicht, eine Ordnung für die gesamte Lebensführung abzuleiten. Sie rechtfertigen dann diese Regeln mit Rückweisen auf den Koran.

Zum Beispiel auf gewisse Koranstellen über die Frauen.

Schulze: Wie in vielen Texten, die in einer patriarchalischen Kultur in der Spätantike entstanden sind, gibt es auch im Koran Stellen, die als Herabsetzung der Frau gelesen werden. Viele Muslime anerkennen heute diese historische Situation und begründen ihrerseits die Gleichheit von Frauen und Männern mit dem Verweis auf den Koran. So rechtfertigen sie moderne Werte wie den Vorrang der Vernunft, der Rechtsstaatlichkeit und der Menschenrechte durch den Koran.

Sie sagen, dass die meisten Muslime gegen eine wörtliche Auslegung des Korans im Sinne von konkreten Handlungsanweisungen sind. Gibt es denn so etwas wie einen gesamtmuslimischen Konsens? Zumal die islamische Welt doch sehr heterogen scheint.

Schulze: Bis vor wenigen Jahrzehnten gab es tatsächlich so etwas wie einen Konsens der Eliten darüber, was Islam sei. Doch dieser ist zerbrochen. Heute kann man drei Hauptrichtungen unterscheiden: Erstens ist da ein Islam mit einer sehr bürgerlichen Identität, welche dem Islam die Rolle einer Werteordnung zuweist, die zwar Regeln und Normen der Gesellschaft rechtfertigt, nicht aber begründet. Diese Richtung hat ein sehr breites Spektrum, das von liberalen, sogar linken bis hin zu wertkonservativen, ja rechtspopulistischen Positionen wie etwa der Muslimbrüder reicht. Zweitens gibt es ein wachsendes Feld von «Lifestyle-Muslimen», welche eine Art individuelle, konsumorientierte Erlebnisfrömmigkeit pflegen. Und dann gibt es drittens ultrareligiöse islamische Bünde, die den Islam allein als Normenordnung definieren.

Und die auf einer wörtlichen Auslegung des Korans beharren, etwa bei der Bekämpfung von Andersgläubigen.

Schulze: Ja, sie lesen den Koran als wortwörtliche Anleitung und lehnen das vorherrschende Verständnis ab, nach dem der Koran in erster Linie eine moralische Wertehaltung definiere. Mit ihrer Aussage «Es steht so im Text, basta» entziehen sie sich der Notwendigkeit, die Normen, die sie zu erkennen glauben, durch Werte zu rechtfertigen. Eine solche Abkoppelung ist in jeder Religion problematisch.

Aber der Islam scheint heute dafür besonders anfällig. Nicht auch wegen besagter Koranstellen?

Schulze: Wenn man die Geschichte anschaut, wurden im Namen des Christentums trotz des über weite Strecken pazifistischen und altruistischen Neuen Testaments die schlimmsten Verbrechen verübt. Auch für den Koran gilt: Es sind immer die Menschen, die mit ihrer Lesung entscheiden, was der Koran bedeutet; der Koran selbst definiert nicht, wie er gebraucht werden soll.

Das Christentum ging dann durch die Aufklärung, der Islam nicht.

Schulze: Nun, es brauchte jedenfalls einen langen Weg, bis das Christentum die Grundsätze akzeptiert hat, die uns heute wichtig sind: etwa die Menschenrechte, die Meinungsfreiheit oder die Trennung von Staat und Kirche. Heute werden diese Freiheitsrechte auch durch den Verweis auf die biblischen Schriften gerechtfertigt. Viele muslimische Denker sehen im Koran heute ebenfalls die Grundlage für diese Freiheitsrechte. Andere behaupten, der Koran stelle eine völlig eigenständige Werteordnung dar. Wieder andere lehnen jeglichen Bezug auf eine Werteordnung ab. Der Hintergrund dieser radikalen Einstellung aber ist nicht primär ein religiöses, sondern ein soziales Problem.

Inwiefern?

Schulze: Moderne Gesellschaften gründen auf einer Verbindung von Werten und Normen. Werte rechtfertigen die Regeln des Zusammenlebens. Normen können aus unterschiedlichen Traditionen begründet werden. Menschen, die einer solchen Ordnung zustimmen, fühlen sich in eine Gesellschaft integriert und erleben ihre Werte als etwas Positives. Sie werden in aller Regel nicht zu Extremisten. Das hängt auch stark von der integrativen Reichweite einer Gesellschaft ab, die zum Beispiel in der Schweiz immer noch sehr hoch ist. In Ländern wie Frankreich oder Grossbritannien bröckelt sie hingegen. Sobald sich die Zustimmung zu dieser Werte-Normen-Ordnung verliert, droht das Aufkommen eines Extremismus.

Sie meinen säkulare Werte?

Schulze: Es sind gesellschaftliche Werte, die nicht nur religiös begründet werden müssen. Sie können auch nur aufgrund von Vernunft oder Nützlichkeit gerechtfertigt werden. Ziel sollte es sein, dass religiöse Gemeinschaften die Trennung von Religion und Gesellschaft anerkennen, es ihnen aber auch ermöglicht wird, die Werte, die diese Trennung begründen, mit ihrer Religion zu rechtfertigen.

Wie erreicht man das?

Schulze: Integration, das heisst die Zustimmung, in einer solchen Ordnung zu leben, ist sicher ein wichtiges Stichwort. Auch hier steht die Schweiz im Vergleich mit anderen Ländern, die grosse separierte Subkulturen haben, immer noch gut da. Bildung ist hier besonders wichtig und bezieht sich nicht allein auf die Gesellschaft, sondern eben auch und gerade auf die Religion, also auch auf den Islam.

Wären Sie dafür, dass Imame in der Schweiz ausgebildet werden können?

Schulze: Ja, es ist wichtig, dass Imame über eine gute, zeitgemässe islamische Bildung verfügen, die sich nicht allein im Bewahren islamischer Tradition erschöpft.

Ist auch Wohlstand etwas, was Extremismus verhindert?

Schulze: Da die Teilnahme am sozialen Leben ein Stück weit auch von Wohlstand abhängig sein kann, ist er möglicherweise ein wichtiger Faktor. In den USA etwa sind die Muslime im Schnitt wohlhabender und konsumfreudiger als der Rest der Bevölkerung. Und zeigen wenig Neigung zu Extremismus. In manchen Grosswohnsiedlungen im reichen Schweden zeigt sich, dass Arbeitslosigkeit und mangelnde Aussicht, am Wohlstand teilzuhaben, die Deutung des Islams als rigorose Normenordnung begünstigen.

Können Bildung und gesellschaftlicher Konsens über Werte Attentate von Einzelnen verhindern?

Schulze: Einzelne biografische Brüche kann man nie ganz verhindern. Aber eine kritische islamische Bildung kann erschweren, dass sich Leute durch einen Bezug auf islamische Texte zu Gewalt selbst ermächtigen. Dazu müssen islamische Autoritäten klar Stellung nehmen, wie mit solchen Texten umzugehen ist.

Doch welche islamischen Autoritäten?

Schulze: Tatsächlich gibt es ja keine Autorität wie etwa den Papst, der theoretisch für alle Katholiken sprechen kann. Umso mehr sind bei den Muslimen Gemeindeautoritäten gefragt. Allerdings spielt das Internet hier eine problematische Rolle, weil es krude, diffuse «Autoritäten» hervorbringt und weil sich damit jeder einen eigenen Islam zusammenzimmern kann.

Zurück zum Koran. Wenn man von den problematischen, nicht wörtlich zu nehmenden Stellen mal absieht: Was ist aus Ihrer Sicht seine Stärke?

Schulze: Zunächst muss man konstatieren, dass der Koran für sehr viele Menschen eine sinnstiftende Wirkung hat. Das zeigt, dass er heute noch ein ausserordentlich leistungsfähiger Text ist. Erwähnenswert finde ich überdies, dass der Koran eine Tugendlehre vertritt, in der auch das soziale Engagement, etwa in Form der Mildtätigkeit gegenüber den Armen, eine grosse Rolle spielt. Als Tugenden werden etwa greifbar: das Masshalten, die Bescheidenheit, mithin ein goldener Mittelweg. Es sind die Tugenden, die von modernen muslimischen Korankommentatoren ins Zentrum gerückt werden.

Hinweis

Reinhard Schulze (61) ist seit 1995 Professor für Islamwissenschaft an der Universität Bern.

Das steht im Koran

Koran red. Die Heilige Schrift des Islams ist gemäss dem Glauben der Muslime die wörtliche Offenbarung Gottes an den Propheten Mohammed (ca. 570–632 n. Chr.), vermittelt durch den Engel Gabriel. Sie entstand mutmasslich über einen Zeitraum von rund 20 Jahren.

Der Koran weist 114 Suren auf, diese bestehen wiederum aus einer unterschiedlichen Anzahl an Versen. Mit Ausnahme der ersten sind die Suren in etwa der Länge nach geordnet, wobei die zweite Sure die längste ist und die letzten Suren die kürzesten sind.

Bei den nachfolgenden Zitierungen handelt es sich um ausgewählte Stellen aus dem Koran. Wir sind uns bewusst, dass sie jeweils ohne Gesamtzusammenhang wiedergegeben werden. Zudem hängt die deutsche Wortwahl stets auch von der Übersetzung ab, von denen es viele gibt. Wir wählten eine neuere des deutschen Islamwissenschaftlers Hartmut Bobzin (erschienen im Verlag C. H. Beck).

Die erste Sure

«Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen.

Lobpreis sei Gott, dem Herrn der Weltbewohner, dem Erbarmer, dem Barmherzigen, dem Erbauer des Gerichtstags.

Dir dienen wir, dich rufen wir um Hilfe an. Leite uns den rechten Weg, den Weg derer, denen du gnädig bist, nicht derer, über die gezürnt wird, noch derer, welche irregehen.»

Mit diesen Worten beginnt der Koran.

Die Gewalt

Wie sieht es nun mit Aufrufen zu Gewalt gegen Andersgläubige aus, wie in den Diskussionen nach den Anschlägen in Paris immer wieder hervorgehoben. In der Sure 9, Vers 29, heisst es:

«Kämpft gegen die, die nicht an Gott glauben ... die das, was Gott und sein Gesandter verboten haben, nicht verbieten, und die nicht der Religion der Wahrheit gehören.»

Der Anspruch alleiniger Wahrheit ist klar formuliert, wobei offen ist, mit welchen Mitteln dieser Kampf zu führen sei. Dies indes wird davor in Vers 5 konkreter:

«Sind die heiligen Monate abgelaufen, dann tötet ihr die Ungläubigen, wo immer ihr sie findet, ergreift sie, belagert sie und lauert ihnen auf aus jedem Hinterhalt! Doch wenn sie sich bekehren, das Gebet verrichten und die Armensteuer geben, dann lasst sie laufen. Siehe, Gott ist bereit, zu vergeben.»

Über die Sure 9, Vers 111, wird oft diskutiert, ob sie Selbstmordattentate begünstigt:

«Gott kauft den Gläubigen ihr Leben und ihre Güter ab, dafür, dass sie in den Paradiesgarten kommen, indem sie auf dem Wege Gottes kämpfen, töten und getötet werden.»

Um den Kampf geht es auch in Sure 2, Vers 216:

«Das Kämpfen ist euch vorgeschrieben, ihr aber findet es abscheulich. Vielleicht aber verabscheut ihr etwas, das gut für euch ist. Und vielleicht liebt ihr etwas, das schlecht für euch ist. Gott hat Wissen, ihr aber habt kein Wissen.»

Wobei an dieser Stelle zunächst offen bleibt, was «kämpfen» bedeutet. Ein Vers später ist dann aber doch von «Töten» die Rede.

Religiöse Intoleranz

Der Anspruch, dass der Islam die alleinige Wahrheit sei, kommt oft vor. Die Konsequenzen für «Ungläubige» geschehen primär im Jenseits, etwa laut Sure 3, Vers 85:

«Wer eine andere Religion begehrt als den Islam, so wird die von ihm nicht angenommen werden. Im Jenseits gehört er dann zu den Verlierern.»

Drastischer ist etwa Sure 98, Vers 6, über Juden und Christen («Buchbesitzer»):

«Siehe, jene von den Buchbesitzern und den Beigesellern, die nicht glauben, sind im Feuer der Hölle. Ewig bleiben sie darin.»

Eine Negativaussage zu Juden und Christen enthält etwa auch Sure 5, Vers 51:

«Oh ihr, die glaubt! Nehmt euch die Juden und die Christen nicht zu Freunden. Sie sind untereinander Freunde. Wer sich ihnen anschliesst, der gehört zu ihnen.»

Das Ziel religiöser Alleinherrschaft könnte aus Sure 8, Vers 39 abgeleitet werden:

«Kämpft gegen sie (die Ungläubigen), kämpft, bis es keine Versuchung mehr gibt und die Verehrung insgesamt dem einen Gott gilt.»

Eine der allerletzten (109) könnte aber auch als Aufruf zu Toleranz gesehen werden:

«Sprich: ‹O ihr Ungläubigen! Ich verehre nicht, was verehrt, und ihr verehrt nicht, was ich verehre. (...) Euch eure Religion und mir die meine.›»

Religiöse Toleranz liesse sich auch aus Sure 2, Vers 256, ableiten:

«Kein Zwang ist in der Religion.»

Allerdings geht die Textstelle weiter:

«Der rechte Weg ist klar geworden gegenüber dem Irrweg. (...) Doch die nicht glauben, deren Freunde sind die Götzen. (...)Die werden Bewohner des Höllenfeuers sein.»

Die Stellung der Frau

Zu den aus westlicher Sicht irritierendsten Passagen gehören diejenigen über die Frauen. Auch wenn der Koran immer wieder auch Wertschätzung für sie ausdrückt, werden sie als dem Mann unterlegen dargestellt und in mancher Hinsicht, etwa beim Erbrecht und bei einer Scheidung, benachteiligt. Als besonders frauenfeindlich wird etwa Sure 4, Vers 34, taxiert, wo es auch ums Schlagen geht:

«Die Männer stehen für die Frauen ein, deshalb, weil Gott den einen von ihnen den Vorzug vor den anderen gewährte und weil sie etwas von ihrem Vermögen aufgewendet haben.

Die frommen Frauen sind demütig ergeben, hüten das Verborgene, weil auch Gott es hütet. Die aber, deren Widerspenstigkeit ihr befürchtet, die ermahnt, haltet euch fern von ihnen auf dem Lager, und schlagt sie. Wenn sie euch gehorchen, dann unternehmet nichts weiter gegen sie.»

Auch Sure 2, Vers 223, stösst auf Kritik, wenn man sie als Verfügbarkeit interpretiert:

«Eure Frauen sind für euch ein Saatfeld. So geht zu eurem Saatfeld, wann ihr wollt.»

Bei solchen Stellen ist auf die patriarchalische Gesellschaft hinzuweisen, in der sie entstanden. Und die es auch in nichtmuslimischen Kulturen gab und gibt. Zu erwarten ist aber, dass ein moderner Islam sich vom wörtlichen Verständnis distanziert.

Immerhin ist in Sure 3, Vers 195, Gottes Wort wohl so zu verstehen, dass in Bezug auf die Belohnung von Frömmigkeit Mann und Frau gleichgestellt sind.

«Ich lasse keine Tat verloren gehen, die einer von euch tut, ob Mann, ob Frau.»

Und in der Sure 33 ab Vers 35 wird detailliert dargelegt, dass die Frauen und Männer in ihren religiösen Rechten und Pflichten gleichgestellt sind.

Jesus im Koran

Die gemeinsame kulturelle Tradition, welche der Koran etwa mit dem Christentum aufweist, zeigt sich nicht zuletzt im Auftreten von Jesus. Er gilt im Koran als Empfänger von göttlichen Offenbarungen. Er wird aber nicht als Sohn Gottes gesehen, wie auch die Dreifaltigkeit abgelehnt wird, wie Sure 4, Vers 171, zeigt:

«Ihr Buchbesitzer! Geht nicht zu weit in eurer Religion und sagt nur die Wahrheit über Gott. Siehe, Christus Jesus, Marias Sohn, ist der Gesandte Gottes und ist Geist von ihm. So glaubt an Gott und seine Gesandten und sagt nicht ‹Drei!› ... Siehe, Gott ist EIN Gott, fern sei es, dass er einen Sohn habe.»

Laut Koran sollte Jesus zwar am Kreuz sterben, wurde aber von Allah gerettet und an einen sicheren Ort geführt, wo er in hohem Alter eines natürlichen Todes starb.

Wie man leben soll

Der Koran enthält zahlreiche Anweisungen, Gebote und Verbote. Dabei gibt es auch Parallelen zu den Zehn Geboten aus der Bibel, wobei sie nicht auf gleiche Weise kompakt versammelt sind. In der Sure 17, Vers 23, heisst es zum Beispiel, vergleichbar mit den Geboten der exklusiven Position Gottes und der Ehrung der Eltern:

«Beschlossen hat dein Herr, dass ihr ihm alleine dienen sollt und dass ihr eure Eltern gut behandelt, wenn sie alt geworden sind bei dir, gleichviel ob einer oder zwei, so sag nicht ‹pfui!› zu ihnen (...). Gebrauche nur edle Worte.»

Auch Barmherzigkeit wird in vielen Versen verlangt, etwa in Sure 17, Vers 29:

«Sei nicht knauserig, doch öffne deine Hand auch nicht zu weit! Du sitzt sonst da, getadelt und verarmt.»

Masshalten in jeder Beziehung ist ein Postulat, das im Koran häufig vorkommt.

Die letzten Suren des Korans handeln aber wieder stark von der Beziehung zwischen Gott und Mensch. In der allerletzten Sure etwa mit der Aufforderung:

«Sprich: ‹Ich nehme meine Zuflucht zum Herrn der Menschen, dem König der Menschen, dem Gott der Menschen.›»

Was die Auffassung unterstreicht, dass der Koran trotz der problematischen Stellen in erster Linie ein spirituelles Werk ist, das durchaus mit demokratischen, rechtsstaatlichen und friedliebenden Überzeugungen in Einklang zu bringen ist.