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ISLAMISTEN: Europa im Fadenkreuz des Terrors

El Kaida soll Anschläge auf Züge in Europa planen. Terror-Experte Rolf Tophoven warnt vor Panik. Doch neue Gefahr lauert in Syrien und Ägypten.
Interview Christoph Reichmuth
Rund 5,5 Millionen Kunden befördert die Deutsche Bahn am Tag. Im Fokus von El Kaida stehen Schnellzüge wie der ICE im Bild. (Bild: AP/Mario Vedder)

Rund 5,5 Millionen Kunden befördert die Deutsche Bahn am Tag. Im Fokus von El Kaida stehen Schnellzüge wie der ICE im Bild. (Bild: AP/Mario Vedder)

Laut dem US-Geheimdienst NSA plant el Kaida Anschläge auf Schnellzüge und Bahninfrastruktur in ganz Europa. Wie ernst sind die Drohungen?

Rolf Tophoven*: Sicherheitsbehörden müssen solche Drohungen grundsätzlich immer ernst nehmen. Allerdings: Überbewerten darf man diese Hinweise nicht. El Kaida hat Angriffsziele auf die Bahninfrastruktur in Europa schon lange zu einer ihrer Prioritäten erklärt. 2010 hat der damalige – und inzwischen inhaftierte – El-Kaida-Operationschef Younis al-Mauritani ein 17 Seiten umfassendes Dokument zuhanden des damals noch lebenden El-Kaida-Führers Osama Bin Laden verfasst: In diesem Papier erklärt El Kaida Angriffe und Anschläge auf Schnellzüge, Bahnhöfe, Tunnels, Brücken und Grossveranstaltungen zu ihrer Hauptstrategie. Bin Laden hat die Strategie bestätigt und die El-Kaida-Ableger in Nordafrika und im Jemen dazu angewiesen, mit al-Mauritani zusammenzuarbeiten. Was ich damit sagen will: Die nun publik gewordene Terrorwarnung ist inhaltlich und substanziell nicht neu. Panik ist nicht angebracht. Anschläge auf öffentliche Infrastrukturen sind wichtiger Teil der El-Kaida-Strategie: Denken Sie nur an die Anschläge auf die Vorortszüge in Madrid 2004, die Anschläge in London ein Jahr später.

Das heisst, die Sicherheitsbehörden haben die Bahninfrastruktur inzwischen so weit gesichert, dass Anschläge schwer umzusetzen sind?

Tophoven: Das habe ich nicht behauptet. Zu Deutschland: Unser Land ist nach wie vor im Fadenkreuz des internationalen Terrorismus. Und: Gerade die Bahninfrastruktur ist schwer zu schützen. Der Pendler- und Berufsverkehr an den grossen Bahnhöfen überall in Europa ist gewaltig. Tausende von Menschen halten sich an den Bahnhöfen auf. Wie wollen Sie hier sämtliche Pendler unter Kontrolle halten? Wie sollen Schienenabschnitte über Hunderte von Kilometern permanent überwacht werden können? Das Risiko geht ja nicht nur von den bekannten Islamisten-Zellen aus. Die grösste Gefahr heutzutage geht von den radikalisierten Einzeltätern aus. Das sind Menschen, die sich im Privaten via Internet und Audiobotschaften radikalisieren. Das Zubehör zum Bombenbau finden diese Menschen in Super- und in Baumärkten. Eine Einzeltat lässt sich nie ganz verhindern. Ich plädiere für eine bessere und flächendeckendere Videoüberwachung von Flughäfen und Bahnhöfen.

Die jüngste NSA-Warnung könnte man auch als PR-Coup des wegen des Abhörskandals in der Kritik stehenden Geheimdienstes verstehen. Nach dem Credo: Schaut her, was wir tun, nützt eurer Sicherheit.

Tophoven: Ich halte die jüngste Warnung genauso wenig für Teil einer PR-Strategie wie die nicht näher spezifizierte Warnung der US-Geheimdienste vor Anschlägen vor zwei Wochen. Das ist definitiv kein Ablenkungsmanöver. Die USA fürchten nichts mehr als eine Wiederholung von 9/11. Damals hatten die Geheimdienste Hinweise, dass ein grösserer Anschlag gegen die USA geplant war. Nur konnte diese Hinweise niemand einordnen. Deshalb halte ich es für ausgeschlossen, dass die USA mit Terrorhinweisen PR-Strategien verfolgen.

Das hiesse: Es liegt doch etwas in der Luft. Plant el Kaida einen grösseren Anschlag gegen den Westen?

Tophoven: Es ist nicht sicher, dass ein grosser Anschlag unmittelbar geplant ist. Aber offenbar ist es der NSA gelungen, ein Gespräch des El-Kaida-Topkaders abzuhören – dabei handelte es sich quasi um eine Konferenzschaltung zwischen den El-Kaida-Ablegern von Nigeria über Somalia, Nordafrika, Jemen bis nach Pakistan. Die USA verfolgen heute die Strategie, dass sie zur Abschreckung offensiv bekannt geben, wenn sie von Plänen Wind bekommen haben. Denn grundsätzlich wissen wir nie, wo die Terroristen zuschlagen werden. Es ist wie im Schach: Der Westen reagiert meist erst dann, wenn der Terrorist den ersten Zug gespielt hat. Das war in London so, in Madrid und auch beim Anschlag auf den Boston-Marathon. Das heisst: Bei allem Hightech, bei aller Abhörtechnik – die Geheimdienste brauchen Human Intelligence, um die Flut von Informationen einzuordnen.

Solche Terrorwarnungen verunsichern die Bevölkerung – radikale Islamisten jubeln jetzt in einschlägigen Foren über die Macht von el Kaida.

Tophoven: Knicken wir jedes Mal ein, wenn die Terroristen Warnungen aussprechen, ja, dann kann man von einem Erfolg für die Terroristen sprechen. Aber so ist es ja nicht. Die Sensibilisierung der Bevölkerung ist höher. Herumstehende Taschen an Flughäfen und Bahnhöfen werden heute gemeldet.

Durch den Arabischen Frühling ist die Welt in vielen Teilen Nordafrikas und des Nahen Ostens aus den Fugen geraten. Wie gefährlich ist die Lage?

Tophoven: Zu Syrien: Wir wissen, dass sich 500 bis 700 militante Islamisten aus ganz Europa unter die Rebellen gemischt haben, allein aus Deutschland sind 60 Personen in den syrischen Bürgerkrieg gezogen, etwa 20 von ihnen sind zurückgekehrt. Niemand weiss, wie sich diese kampferprobten Menschen in Deutschland verhalten werden. El Kaida unternimmt alles, um in Syrien eine gewichtige Rolle zu spielen.

* Rolf Tophoven (Bild) ist Direktor des Instituts für Krisenprävention (Iftus) in Essen. Er beschäftigt sich seit mehr als 30 Jahren mit dem Terrorismus.

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