Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

ISRAEL: Avi Gabai – das neue Rezept für die Arbeiterpartei

Avi Gabai, der neue Chef der Arbeiterpartei, will staatliche Investitionen für isolierte Siedlungen stoppen. Seine Zeit als Chef einer Telekomfirma beurteilt er kritisch.
Susanne Knaul, Jerusalem
Avi Gabai am Tag seiner Wahl zum Parteivorsitzenden. (Bild: Tsafrir Abayov/AP)

Avi Gabai am Tag seiner Wahl zum Parteivorsitzenden. (Bild: Tsafrir Abayov/AP)

Die Genossen der israelischen Arbeiterpartei haben den alten Hasen eine Absage erteilt. Am Montagabend haben sie Avi Gabai in einer Stichwahl mit 52,4 Prozent zu ihrem neuen Chef erkoren. Die Wahl des 50-jährigen Wirtschaftswissenschafters, der sich erst vor sechs Monaten den Sozialdemokraten anschloss, überrascht. Im Mai 2016 verliess er seinen Posten als Umweltminister wegen des Rechtsrutsches der Regierung, in welcher der rechtsnationale Avigdor Lieberman Verteidigungsminister wurde. Gabai verabschiedete sich gleichfalls aus der Mittepartei Kulanu, was ihm deren Chef Mosche Kachlon bis heute nicht verzeiht. Er beschimpfte Gabai als «hinterhältigen Verräter».

Die liberale Tageszeitung «Haa­retz» kommentierte die Wahl wohlwollend. Gabai sei «Israels neue demokratische Hoffnung auf Veränderung». Als Sohn marokkanischer Einwanderer wuchs er zusammen mit sieben Geschwistern in einem Übergangslager auf, entpuppte sich als begabter Schüler und machte sein Abitur an einem Jerusalemer Elitegymnasium. Nach der Militärzeit, die er beim Nachrichtendienst leistete, und dem Wirtschaftsstudium begann er seine berufliche Laufbahn zunächst beim Finanzministerium.

Kurz darauf wechselte er zur grössten Telekommunikationsgesellschaft des Landes, wo er es bis zum Generaldirektor schaffte. In einem Fernsehinterview gab er Jahre später offen zu, dass die umgerechnet knapp 50 000 Franken, die er bei Beseq monatlich verdiente, für das, was er für das Unternehmen leistete, zu hoch bemessen waren. Heute lebt er mit seiner Frau Ajelet, der nachgesagt wird, dass sie ihn politisch auf die linke Seite zieht, und den gemeinsamen drei Kindern im gediegenen Norden Tel Avivs.

Auf den Spuren von Izchak Rabin

Anders als Gewerkschafter Amir Peretz, sein Gegner in der Stichwahl, ist Gabai kein berufener Sozialdemokrat. Und anders als sein Vorgänger Izchak Herzog, der wiederholt eine grosse Koalition mit dem Likud von Premierminister Benjamin Netanjahu in Erwägung zog, will Gabai die Regierung ablösen, anstatt sich ihr anzuschliessen. «Politisch bin ich wie Izchak Rabin», sagt Gabai. Er sieht sich selbst also auf den Spuren des 1995 ermordeten Regierungschefs und verspricht, umgehend Friedensgespräche mit den Palästinensern aufzunehmen, sollte die Arbeitspartei unter seiner Führung die nächsten Parlamentswahlen für sich entscheiden. Als Erstes will er dann die staatlichen Investitionen für isolierte Siedlungen stoppen und arabische Wohnviertel in Ostjerusalem unter die Kontrolle der Palästinensischen Autonomiebehörde stellen.

Susanne Knaul, Jerusalem

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.