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ISRAEL: Im Spital sind alle gleich

Im Hadassah-Spital in Jerusalem ist die Zusammenarbeit zwischen Juden und Arabern Normalität – trotz der Gewalt, der sie täglich begegnen.
Susanne Knaul, Jerusalem
Unter den Angestellten wie auch unter den Patienten im Hadassah-Spital sind sowohl Juden als auch Araber. (Bild Susanne Knaul)

Unter den Angestellten wie auch unter den Patienten im Hadassah-Spital sind sowohl Juden als auch Araber. (Bild Susanne Knaul)

Susanne Knaul, Jerusalem

Zwei Krankenpfleger schieben einen Wäschewagen in den Lift und drücken auf die 3. Die beiden jungen Männer tragen eine hellblaue Uniform mit kurzen Ärmeln und unterhalten sich auf Arabisch. Im 3. Stock des Hadassah-Spitals auf dem Berg Skopus in Jerusalem ist die Chirurgie untergebracht. Professor Ahmed Eid, ein muslimischer Araber, der unweit vom Berg Tabor in Galiläa aufwuchs, ist Chefarzt der chirurgischen Abteilung.

«Fifty-fifty», sagt Eid, sei die Verteilung von Juden und Arabern beim Spitalpersonal. «Ausschlaggebend bei der Einstellung ist, wer seinen Beruf gut macht.» Auch die Patienten setzen sich mehr oder weniger je zur Hälfte aus Juden und Arabern zusammen. «Es kommen Leute aus Ostjerusalem, aus den umliegenden palästinensischen Vierteln Beit Chanina oder Issawijah, aber auch aus den Siedlungen im Westjordanland und Beduinen.» Ungeschriebenes Gebot ist, stets den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Herkunft und Religion spielen keine Rolle.

Kippas und Hidschabs

Hadassah ist das älteste Spital Israels, und es gilt bis heute als das wichtigste. Schon 1939, lange vor der Staatsgründung, fand die Eröffnung auf dem Berg Skopus im Nordosten Jerusalems statt. Während des Unabhängigkeitskrieges und nach dem Tod von 77 Ärzten und Krankenschwestern bei einem Überfall arabischer Widerstandskämpfer wurde das Spital geschlossen. Das Haupthaus liegt heute in Ein Karem, im Westen der Stadt. Auf dem Skopus ging der Betrieb erst wieder nach dem Sechstagekrieg und Israels Eroberung von Ostjerusalem los. Als «Mikrokosmos» bezeichnet Eid das Hadassah-Spital. «Man sieht fromme Juden mit Kippa und muslimische Frauen mit Hidschab.»

Die Patienten scheinen den Völkermischmasch wie selbstverständlich hinzunehmen. Für die meisten spiele es weder eine Rolle, ob ein Jude oder ein Araber im Spitalbett nebenan liegt, noch, welcher Religion das medizinische Personal angehört. «Mir ist es noch nie passiert, dass ein Patient nicht von mir behandelt werden wollte, weil ich Araber bin», berichtet der arabische Chirurg.

Seit Beginn der Unruhen auf dem Tempelberg in der Altstadt Anfang Oktober und der anschliessenden Serie von Messerattacken kommen verstärkt wieder Terroropfer in die Aufnahme. Ein 13-jähriger Knabe musste über Tage im künstlichen Koma gehalten werden, nachdem ihn der gleichaltrige Palästinenser Ahmed Manasra überfallen hatte. «Ein Ahmed hat dich verletzt, und ein Ahmed hat dich gerettet», sagte Ahmed Eid, als der junge Jude aus dem Koma erwachte.

Seit 40 Jahren schon kennen sich Eid und sein Kollege Yochanan Schiffmann, Chef der Anästhesisten von Hadassah. Die beiden Männer gehörten zum gleichen Jahrgang am Medizinischen Institut der Hebräischen Universität. Die Ärzte standen nebeneinander am Operationstisch, um dem 13-jährigen Israeli das Leben zu retten.

Auch Terroristen werden behandelt

«Noch nie» habe es aufgrund der unterschiedlichen Volks- und Religionszugehörigkeiten unter den Angestellten Probleme gegeben, meint Schiffmann. Und niemals werde im Hadassah ein Unterschied gemacht, ob ein Patient Jude oder Araber ist, noch nicht einmal, «ob einer Opfer oder Terrorist ist». Schiffmann berichtet über eine OP, an der «sechs Chirurgen und sechs Anästhesisten über vier Stunden lang an einem Mann operierten, der mit über 20 Einschüssen im Körper eingeliefert worden war». Der Palästinenser hatte israelische Sicherheitsleute mit einem Messer angegriffen und war von mehreren Beamten gleichzeitig niedergestreckt worden.

Viele der Messerangriffe ereignen sich in unmittelbarer Umgebung des Spitals, das dicht an der sogenannten Grünen Linie liegt, die den früheren jordanisch-israelischen Grenzverlauf markiert. Schiffmann erinnert sich an einen Tag, an dem fünf Verletzte eingeliefert wurden, «vier Terroropfer und eine palästinensische Angreiferin». Alle fünf ­mussten umgehend behandelt werden. «Sobald du das Tor zum Spital durchschreitest», resümiert der Sohn ungarischer Holocaust-Überlebender, «spielt es keine Rolle, woher du kommst oder zu welchem Gott du betest.»

Fünf Tote bei Angriffen

sda. In Tel Aviv hat ein Palästinenser gestern zwei Israelis in einem Bürogebäude erstochen. Kurze Zeit später töteten mehrere Palästinenser im Westjordanland einen Israeli, einen US-Bürger und einen Palästinenser. Laut Polizei schossen sie nahe der Siedlung Gusch Ezion aus einem Fahrzeug auf Passanten. Danach rasten sie mit dem Auto in eine Gruppe von Fussgängern.

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