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Israels Ex-Minister vor Gericht: Vom Drogenhändler zum höchstrangigen Spion

Der ehemalige israelische Minister für Energie und Infrastruktur, Gonen Segev, muss sich vor einem Gericht in Jerusalem verantworten. Dem 62-Jährigen wird vorgeworfen, Israels Erzfeind Iran mit Geheiminformationen versorgt zu haben.
Susanne Knaul, Jerusalem
Gonen Segev wird von Polizisten aus einem Jerusalemer Gericht geführt. (Ronen Zvulun/AP, 5. Juli 2018)

Gonen Segev wird von Polizisten aus einem Jerusalemer Gericht geführt. (Ronen Zvulun/AP, 5. Juli 2018)

Spionage für das Regime in Teheran wird Gonen Segev, dem ehemaligen Minister für Energie und Infrastruktur, zur Last gelegt. Der studierte Kinderarzt muss sich seit Donnerstag vor einem Gericht in Jerusalem verantworten. «Der Angeklagte agierte als iranischer Geheimagent», behauptet die Staatsanwaltschaft. Sein Tun «zielte darauf ab, dem Iran beim Krieg gegen Israel zu helfen», heisst es in der Anklageschrift.

Der heute 62-jährige Segev gehörte von 1995 bis 1996 zum Sicherheitskabinett der Regierungskoalition Jitzchak Rabins, der im November 1995 von einem jüdischen Attentäter erschossen wurde. Wie der inländische Geheimdienst Shin Beth Mitte Juni bekanntgab, war Segev bereits im Mai von den Behörden in Äquatorialguinea ausgeliefert und anschliessend verhaftet worden. Der Prozess findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Mit 30000 Ecstasy-Pillen im Gepäck erwischt

Dass Segev kein Unschuldsengel ist, weiss man in Israel seit den frühen Nullerjahren. Damals verurteilte ihn ein Gericht zu fünf Jahren Haft wegen Drogenhandels. Sicherheitsbeamte hatten ihn auf der Rückreise aus den Niederlanden am Flughafen Ben Gurion mit 30000 Ecstasy-Pillen im Gepäck erwischt. Sollten ihn die Richter im aktuellen Spionagefall für schuldig halten, dürfte Segev auf absehbare Zeit hinter Gittern landen. Analysten ziehen Vergleiche zum Atomspion Mordechai Vanunu, der 18 Jahre überwiegend in Einzelhaft verbringen musste, und zu Asmi Bishara, Ex-Abgeordneter der arabisch-israelischen Partei Balad, der sich ins Ausland absetzte, als er in den Verdacht der Spionage für die libanesische Hisbollah geriet.

Für Israel besonders schockierend ist die Tatsache, dass diesmal ein Ex-Minister auf der Anklagebank sitzt, und dass er die Informationen an den Iran verkauft haben soll, der als gefährlichster Feind des jüdischen ­Staates gilt. Unter der Überschrift ­«Israels höchstrangiger Spion» kommentierte der Journalist Joav Limor in dem regierungsnahen Blatt «Israel Hayom» den Skandal dennoch unaufgeregt. Man könne davon ausgehen, dass Segev zwei Jahrzehnte nach Ablauf seiner politischen Karriere «kaum noch geheime Informationen hatte, die den Iranern von besonderem Nutzen waren». Gleichzeitig warnt Limor indes davor, dass «noch weitere Gonen Segevs da draussen sein könnten».

Segev: «Wollte den Iran in die Irre führen»

Der angeklagte Ex-Minister schloss sich mit seiner national-weltlichen Tsomet-Partei Anfang 1995 der Koalition Rabins an und zog selbst unmittelbar in die Regierung ein. Den Posten des Energie- und Infrastrukturministers hielt er bis zu den Wahlen im Sommer 1996. Den Vorwurf des Shin Beth, Teheran mit «Dutzenden Geheimberichten» sowie Informationen über Entscheidungsträger im Energiebereich und im Sicherheitsapparat versorgt zu haben, um «der nationalen Sicherheit zu schaden», streitet er ab. Keineswegs habe er für den Iran Spionage betrieben. Vielmehr sei es seine Absicht gewesen, die Iraner in die Irre zu führen. Laut Shin Beth stand Segev seit sechs Jahren im Dienst der iranischen Regierung. Der Kontakt sei in Nigeria entstanden. Dorthin war Segev infolge seiner Verurteilung in der Ecstasy-Affäre und seines Berufsverbots ausgewandert.

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