Türkei
Neue Erklärung für seine katastrophale Wirtschaftspolitik: Ist Erdogans Uni-Abschluss gar nicht echt?

Die Wirtschaftspolitik des türkischen Präsidenten versetzt das Land in Panik. Neue Gerüchte über seinen Werdegang machen die Runde.

Gerd Höhler, Athen
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Hat da einer geschummelt? Das Uni-Diplom des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan soll mutmasslich nicht echt sein.

Hat da einer geschummelt? Das Uni-Diplom des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan soll mutmasslich nicht echt sein.

AP

Die türkische Lira befindet sich weiter auf einer wilden Achterbahnfahrt. Jüngst gings steil aufwärts. Die Währung ist nach einem katastrophalen Absturz wieder auf dem Niveau von vor vier Wochen. Und Präsident Recep Tayyip Erdogan ist mächtig stolz.

Er führt die jüngste Kurskorrektur auf seine ureigene Finanzpolitik zurück, mit dem er die Wirtschaft seines gebeutelten Landes fitspritzen will. Stolz verkündet er:

«Wir senken die Zinsen. Erwarten Sie nicht anderes von mir. Als Muslim werde ich tun, was die islamische Lehre erfordert.»

Erdogan hängt weiterhin der von vielen Experten als Irrglauben erachteten Theorie an, tiefe Geldzinsen würden eine tiefe Inflation zur Folge haben. Er liess den türkischen Markt mit Lira schwemmen und polterte mächtig gegen die Kritiker, die ihm – aus traditioneller fiskalpolitischer Warte völlig zu recht – grobe Inkompetenz vorwarfen.

Als Erdogan abschloss, gabs die Fakultät noch gar nicht

Nicht geholfen hat dem 67-jährigen Politiker dabei die neu aufgeflammte Diskussion über sein vermeintlich nicht ganz lupenreines Uni-Diplom. Seit Jahren wird in der Türkei über die akademischen Weihen des Staatspräsidenten spekuliert.

Nach eigenen Angaben hat Erdogan in Istanbul Wirtschaftswissenschaften studiert und das Studium erfolgreich abgeschlossen. Daran gibt es Zweifel. Die Debatte kam erstmals 2014 auf, als Erdogan vom Premierminister zum Präsidenten aufstieg. Die Frage ist von Bedeutung, weil in der Türkei das höchste Staatsamt nur bekleiden kann, wer mindestens vier Jahre an einer Universität studiert und einen Abschluss vorzuweisen hat. So bestimmt es die Verfassung.

2016 präsentierte Erdogan der türkischen Öffentlichkeit deshalb ein Diplom der Fakultät für Ökonomie und Verwaltungswissenschaften der Istanbuler Marmara Universität aus dem Jahr 1981. Das Dokument habe aber einen Makel, sagen Kritiker: Die Fakultät, an der Erdogan 1981 seinen Abschluss gemacht haben will, existiere erst seit 1983.

Schuld am Zerfall? Natürlich die Ausländer

Wie auch immer: Das Studium scheint nicht viel gebracht zu haben. In seiner Geldpolitik folgt der strenggläubige Erdogan nicht der ökonomischen Lehre, sondern den Geboten des Koran. Für ihn sind Zinsen per se «der Vater und die Mutter allen Übels». Wozu das führt, spüren jetzt die Menschen in der Türkei seit Wochen.

Nun aber will der Präsident die Abwertungsspirale stoppen. Die Ersparnisse der Bürger sollen vor Wechselkursschwankungen geschützt werden. Die Regierung will auch Unternehmen helfen, sich gegen Wechselkursrisiken abzusichern. Als Reaktion auf Erdogans Ankündigungen schoss der Lirakurs am Montag um bis zu 20 Prozent nach oben. Am Dienstag setzte sich die Aufwertung fort.

Der türkische Staatschef sieht die Ursachen der wirtschaftlichen Schwierigkeiten in einer «Verschwörung ausländischer Geldbarone» und spricht von einem «wirtschaftlichen Unabhängigkeitskrieg», in dem sich die Türkei befinde.