ISTANBUL: Berichte über Lynchjustiz an Putschisten in der Türkei

Während des Putschversuchs in der Nacht zu Samstag sollen nach unbestätigten Berichten womöglich Soldaten misshandelt oder sogar gelyncht worden sein.

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Türkische Polizisten bewachen Panzer nahe der Bosporus-Brücke in Istanbul nach dem Putschversuch in der Türkei. Es soll auch Selbstjustiz-Angriffe gegenüber Soldaten gegeben haben. (Bild: EPA/TOLGA BOZOGLU)

Türkische Polizisten bewachen Panzer nahe der Bosporus-Brücke in Istanbul nach dem Putschversuch in der Türkei. Es soll auch Selbstjustiz-Angriffe gegenüber Soldaten gegeben haben. (Bild: EPA/TOLGA BOZOGLU)

Auf einem Video, das offenbar auf einer der Bosporus-Brücken in Istanbul aufgenommen wurde, ist ein Soldat zu sehen, der blutüberströmt auf dem Boden liegt. Derjenige, der das Video aufnimmt, sagt auf Türkisch: «Vier haben wir umgebracht, jetzt sind wir beim fünften. Hund!» Schüsse sind zu hören.
 
Andere rufen «Gott ist gross», «Ungläubiger!» und «Krepier!». Mehrere treten auf den leblos wirkenden Körper ein. Das Video wurde via Twitter verbreitet.
 
Die dem Militär nahestehende Zeitung «Sözcü» berichtete am Samstag, ein aufgebrachter Mob habe einem Soldaten in Istanbul die Kehle durchgeschnitten. Regierungskreise bestätigten den Bericht zunächst nicht.
 
Auf weiteren Aufnahmen ist zu sehen, wie Putschgegner einen Panzer umzingeln. Ein Demonstrant steigt auf das Dach und tritt auf den Soldaten in der Luke ein. Stimmen sind zu hören, die auf Türkisch rufen: «Schlag ihn! Schlag ihn!» Andere flehen: «Das ist ein Soldat! Hört auf!» Ein Polizist eilt dem Soldaten schliesslich zur Hilfe.
 
Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte seine Anhänger in der Nacht zu Samstag dazu aufgerufen, auf die Strasse zu gehen und gegen den Putsch zu protestieren.

sda