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ITALIEN: Benito Mussolinis Renaissance

Nach monatelanger rassistischer Hetze der rechtspopulistischen Lega ist der frühere Diktator Mussolini wieder salonfähig geworden. Dem Rechtsbündnis von Ex-Premier Silvio Berlusconi fehlen laut Umfragen nur wenige Direktmandate für eine absolute Mehrheit.

«Me ne frego!», ruft Lega-Chef Matteo Salvini von der Bühne in Latina. Seine Anhänger auf der Piazza johlen und rufen zurück: «Boia chi molla!» Die beiden Ausdrücke – der erste bedeutet «ich pfeif drauf», der zweite «zum Henker, wer aufgibt» – sind Klassiker aus der Zeit der Mus­solini-Diktatur und heute noch Bestandteile des neofaschistischen Vokabulars. «Me-ne-fre-go!», wiederholt Salvini und erklärt darauf mit breitem Grinsen, dass die linke Regierung ihn deswegen wohl verhaften werde. Immerhin hatte das Parlament erst vor einem halben Jahr ein Gesetz erlassen, das die Verherrlichung des Faschismus unter Strafe stellt.

Aber Salvini weiss, dass er von der Regierung oder der Justiz nichts zu befürchten hat. Nachdem der Neofaschist und Ex-Lega-Kandidat Luca Traini Anfang Februar in Macerata aus einem Auto auf dunkelhäutige Passanten geschossen und acht Menschen zum Teil schwer verletzt hatte, verzichteten der sozialdemokratische PD von Regierungschef Paolo Gentiloni und Parteichef Matteo Renzi sogar auf die Teilnahme an der Protestkundgebung, die in der Kleinstadt durchgeführt worden ist. Auch der ­Auftritt des Führers der neofaschistischen Forza Nuova in Bologna vom Freitag ist folgenlos geblieben – trotz «Duce, Duce»-Sprechchören, Mussolini-Transparenten und Faschistengruss.

Der Grund für die Zurück­haltung sind die in zwei Wochen anstehenden Wahlen – und eine Umfrage, die eine Renaissance des Diktators nahelegt. Laut der Erhebung bewerten 19 Prozent der Italiener die Ära Mussolinis, der Italien in eine Allianz mit Adolf Hitler, in den Zweiten Weltkrieg und in eine verheerende militärische Niederlage geführt hatte, als positiv.

Rechte profitieren vom neuen Wahlsystem

In Latina hatte Salvini, der die separatistische Lega Nord in eine rechtsnationale und rassistische Partei nach dem Vorbild des französischen Front National umgeformt hat, ein Heimspiel: Die rund 60 Kilometer südöstlich von Rom liegende 120000-Einwohner-Stadt war in den Dreissigerjahren von Mussolini gegründet worden. Der originale Stadtkern von «Littoria», wie Latina vor dem Krieg hiess, ist noch fast intakt und wird dominiert von monumentalen Mussolini-Bauten. Salvini hatte für seinen Auftritt eine passende Bühne gefunden.

Die nächste Bühne Salvinis könnte Rom sein – mit dem Lega-Chef als Innenminister. Umfragen prophezeien einen Durchmarsch des Rechtslagers: Dem Wahlbündnis aus Silvio Berlusconis Forza Italia (in den Umfragen bei 16,3 Prozent), der Lega Salvinis (13,2 Prozent) und den postfaschistischen «Brüdern Italiens» (4,8 Prozent) fehlen für eine absolute Mehrheit im Senat und im Abgeordnetenhaus nur eine Handvoll Sitze. Als stimmenstärkste Koalition profitiert das Rechtsbündnis vom neuen Wahlsystem, in dem ein Drittel der Sitze über Direktmandate vergeben wird.

Laut den Demoskopen wird Forza Italia dank den Direktmandaten mehr Sitze gewinnen als der PD, obwohl dieser in den Umfragen mit 22 Prozent deutlich mehr Stimmen erzielen wird. Selbst Grillos Protestbewegung, mit 28 Prozent die stärkste Partei, wird weniger Direktmandate als die Rechtskoalition erzielen. Auch in einem anderen Punkt sind sich die Demoskopen einig: Die Wahl wird im Süden Italiens entschieden werden, wo sich die meisten «Wackel-Wahlkreise» befinden. Nicht umsonst hat der Mailänder Salvini, der den Süden und seine Bewohner jahrelang als mafiös und arbeitsscheu verunglimpft hatte, seine letzten Wahlkampfauftritte vor Latina im Mezzogiorno absolviert. In Messina und Reggio Calabria war Salvini letzte Woche noch mit Pfiffen begrüsst worden.

Dies musste er in Latina nicht befürchten. Salvini sei der ein­zige Kandidat, der dafür sorgen werde, «dass die Neger wieder dorthin gebracht werden, wo sie hergekommen sind», betonte ein Anhänger. Eine alleinerziehende Mutter sagte, dass Salvini eine Garantie dafür wäre, dass man bei der Abwehr eines Einbrechers den Eindringling auch töten dürfe. Salvini formulierte seine Ansichten dazu so: «Wenn einer mein Haus betritt und es auf einer Totenbahre wieder verlässt, dann ist das sein Problem, nicht meines. Vielleicht sucht er sich in seinem nächsten Leben eine andere Arbeit.»

Dominik Straub, Latina

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