Coronapandemie
Italien droht Massenarmut – und auch die Weihnachtskrippe des Vatikans vermag die Menschen nicht aufzuheitern

Eine futuristische Krippe erzürnt die Gemüter. Doch fast fünf Millionen Italiener haben ganz andere Sorgen.

Dominik Straub aus Rom
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Die Weihnachtskrippe im Vatikan: ein umstrittenes Werk in diesem Jahr.

Die Weihnachtskrippe im Vatikan: ein umstrittenes Werk in diesem Jahr.

Getty (Rom, 20. Dezember 2020

Jetzt muss sich auch der Papst der Pandemie beugen. Franziskus hat angekündigt, die Weihnachtsmesse im Petersdom von 22 auf 19.30 Uhr vorzuverlegen, damit die Gläubigen noch vor der nächtlichen Ausgangssperre ab 22 Uhr nach Hause zurückkehren können. Diese gilt seit November in ganz Italien. Das Land erlebt schon vor Heiligabend sehr stille Nächte.

Zu einem Symbol für die bedrückte Stimmung ist die Weihnachtskrippe auf dem Petersplatz geworden. Statt dem traditionellen Stall mit der Heiligen Familie besteht sie aus sonderbaren Figuren – darunter ein Astronaut und ein futuristischer Krieger –, die unter einem Stahlgerüst stehen. Die futuristisch-bizarre Krippe hat für viel Polemik gesorgt. «Gotteslästerung» wirft man den Krippenverantwortlichen vor. «Absolut grauenhaft» sei das Ganze.

Dafür funktioniert die christliche Nächstenliebe in Italien inmitten der Krise hervorragend: In Neapel spendiert der Gewerbeverband den Armen täglich 500 Pizza Margherita, in Reggio Calabria hat ein Spielzeugladen das «giocatolo sospeso» erfunden, das «aufgehobene Spielzeug»: Kunden können zusätzlich zu ihrem Einkauf ein weiteres Spielzeug bezahlen, das im Laden bleibt, bis es von einem Vater oder einer Mutter abgeholt wird, die selber zu wenig Geld haben für Kindergeschenke.

Für Junge ist die Situation besonders schlimm

Der Staat hat bisher 120 Milliarden Euro verteilt, um Private und Unternehmen vor dem Ruin zu retten. Doch für viele sind diese Hilfen nicht mehr als der berühmte Tropfen auf den heissen Stein. Wer infolge der Pandemie arbeitslos geworden ist, erhält 600 bis 800 Euro monatlich. Vor allem in Norditalien reichen diese Beträge nicht aus, um über die Runden zu kommen. Und viele Bedürftige fallen durch alle staatlichen Raster – etwa die 800000 arbeitslosen 18- bis 34-Jährigen, die schon vor dem Ausbruch der Pandemie auf Arbeitssuche waren und nun erst recht keinen Job finden.

Die Folge: Laut dem Statistikamt droht fünf Millionen Italienern bis Ende Jahr der Abstieg in die Armut. Die Armutsgrenze liegt bei 1094 Euro Monatsgehalt. 8,8 Millionen Italiener liegen schon heute darunter.