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ITALIEN: Mit 31 Jahren italienischer Regierungschef?

Luigi Di Maio, der prominenteste Parlamentarier von Beppe Grillos Protestbewegung, wird Spitzenkandidat der «Grillini». Bis zu seiner Wahl ins Parlament 2013 hatte sich der heute 31-jährige Süditaliener noch mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser gehalten.
Politisch unbeschriebenes Blatt: Der 31-jährige «Cinque-Stelle»-Spitzenkandidat Luigi Di Maio. (Bild: Keystone)

Politisch unbeschriebenes Blatt: Der 31-jährige «Cinque-Stelle»-Spitzenkandidat Luigi Di Maio. (Bild: Keystone)

«Vollenden wir das Werk, gehen wir in den Palazzo Chigi und lassen wir Italien wieder auferstehen», postete Luigi Di Maio am Wochenende. Wobei mit dem «Palazzo Chigi» der Sitz des Ministerpräsidenten in Rom gemeint war und mit «wir» in erster Linie Di Maio selber. Dass sich der bisherige Vizepräsident der Abgeordnetenkammer als Spitzenkandidat des «Movimento 5 Stelle» («Fünf-Sterne-Bewegung», M5S) zur Verfügung stellt, galt schon lange als ausgemacht. Als genauso sicher gilt sein Sieg bei der M5S-internen Internet-Abstimmung von dieser Woche: Bisher hat sich noch kein Gegenkandidat gemeldet. Und selbst wenn sich bis zum Ablauf der Bewerbungsfrist heute um 12 Uhr noch ein Gegenkandidat aus der Deckung wagt, hätte er gegen den von Beppe Grillo favorisierten Di Maio kaum eine Chance.

Bis zu seiner Wahl im Frühjahr 2013 war Di Maio politisch ein unbeschriebenes Blatt. Auch sein Bildungs-Curriculum präsentiert sich übersichtlich; der politische Jungstar aus Pomigliano d’Arco in Kampanien hat keinen Beruf gelernt und auch kein Studium abgeschlossen. Vor seinem Einzug ins Parlament jobbte er unter anderem als Steward im Fussballstadion von Neapel, als Kurier und als «Webmaster». Gelegentlich blamiert sich Di Maio mit Bildungslücken. So bezeichnete er etwa Pinochet als Ex-Diktator von Venezuela statt von Chile. «Bevor er ins Parlament gewählt wurde, ging Di Maio noch mit Papas Taschengeld Pizza essen», spottete Kampaniens Regionalpräsident Vincenzo De Luca. Das trifft die Sache ziemlich gut – aber politische Kompetenz stand in der Fünf-Sterne-Truppe noch nie besonders hoch im Kurs.

Immerhin ist Di Maio einer der wenigen M5S-Mitglieder, die sich auch einmal eine Krawatte umbinden: Der adrette Süditaliener ist quasi das institutionelle Gesicht der Grillo-Populisten. Gleichzeitig gilt der Sohn aus postfaschistischem Elternhaus als Vertreter des rechten Flügels innerhalb der zwischen extrem links und extrem rechts oszillierenden Protestbewegung. Insgesamt gibt sich Di Maio als gemässigter Pragmatiker. Im April pilgerte er an das traditionelle Unternehmer-Symposium in Cernobbio am Comersee, wo er die Finanz- und Industriekapitäne mit der Aussage zu beruhigen versuchte, dass der von Übervater Grillo propagierte Euroaustritt für ihn nur «das letzte Mittel» sei.

Negativtrend in den Umfragen

Unlängst machte Di Maio auch an einem Umweltkongress im Vatikan seine Aufwartung. Seine Anbiederung an die «poteri forti» («starke Mächte», wie in Italien insbesondere die Banken, die Unternehmer und die Kirche genannt werden) löst beim orthodoxen und linken Flügel der Bewegung Argwohn aus. Die Spitzenkandidatur wird Di Maio, wie erwähnt, kaum noch zu nehmen sein. Ob der 31-Jährige aber bei den voraussichtlich im nächsten Frühjahr stattfindenden Parlamentswahlen auch in den Palazzo Chigi einzieht, steht auf einem anderen Blatt.

Zwar liegt das M5S in den meisten Umfragen noch knapp vor dem sozialdemokratischen PD von Paolo Gentiloni, doch der Trend ist negativ: Das Versagen der «Grillina» Virginia Raggi als Bürgermeisterin von Rom erweist sich zunehmend als ernstes Handicap für die Bewegung.

Dominik Straub, Rom

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