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Jagd auf Tigerin spaltet Indien

Das Tier soll in den vergangenen zwei Jahren 13 Dorfbewohner getötet haben. Ein Anwachsen der Tigerpopulation in Indien führt zu fatalen Konflikten zwischen Tier und Mensch.
Ulrike Putz, Singapur
Ein Tiger in einem Zoo im indischen Bundesstaat Madhya Pradesh. (Bild: Sanjeev Gupta/EPA; 11. August 2018)

Ein Tiger in einem Zoo im indischen Bundesstaat Madhya Pradesh. (Bild: Sanjeev Gupta/EPA; 11. August 2018)

Das erste Opfer war eine alte Frau, deren von Pfotenhieben zerfetzter Körper mit dem Gesicht nach unten in einem Baumwollfeld lag. Das nächste war ein gebrechlicher Bauer, der ohne sein linkes Bein gefunden wurde: Im zentralindischen Distrikt Pandharkawda treibt seit nunmehr zwei Jahren ein Tiger sein Unwesen, der Jagd auf Menschen macht. Seit dem Juni 2016 wurden insgesamt 13 Dorfbewohner in der Region um Borati Opfer eines Raubkatzenangriffs. Zuletzt wurden im August drei Menschen in schneller Folge gerissen.

Beamte der zuständigen Behörden gehen aufgrund von Fussabdrücken, DNA-Spuren und von durch Videofallen aufgenommenem Bildmaterial davon aus, dass es sich bei dem Angreifer jeweils um dasselbe Tier handelt: Eine etwa fünf Jahre alte Tigerin, die sie T 1 getauft haben, und die mit ihren zwei rund neun Monate alten Jungen in den Wäldern des Distrikts lebt.

Mit Knüppeln auf Patrouille

Die von der Tigerin ausgehende Gefahr hat das Leben in den Dörfern im Osten des Bundesstaats Maharashtra in den vergangenen zwei Jahren geprägt. Nachts trauen sich die Dorfbewohner kaum noch vor die Tür, junge Männer gehen mit Fackeln und Knüppeln auf Patrouille. Mehrfach kam es zu teils handgreiflichen Auseinandersetzungen mit Rangern und Lokalpolitikern.

Die Dorfbewohner werfen dem Staat vor, nicht beherzt genug gegen das Tier vorzugehen. Tatsächlich waren Versuche, die Tigerin zu fangen, mehrfach misslungen. Die Tigerin lebt in einem von dichtem Dschungel bewachsenen, etwa 155 Quadratkilometer grossen Areal.

Aufgeschreckt durch die jüngste Serie von Todesfällen hat die Regierung von Maharashtra nun beschlossen, gröbere Geschütze aufzufahren. Gestern Mittwoch begann eine gross angelegte Jagd auf T 1 und ihren Nachwuchs. Ein Team von auf Wildtiere spezialisierten Tierärzten will die Raubkatzen-Familie auf Elefanten reitend in die Enge treiben und sie mit Betäubungs-Gewehren unschädlich machen. Die Tiger sollen dann in einen Zoo gebracht werden. Sollte dieser Plan nicht funktionieren, könnten die Tiger das mit ihrem Leben büssen. Aus Hyderabad wurde ebenfalls der prominente Grosswildjäger Nawab Shafath Ali Khan eingeflogen: Die Regierung hat ihm die Sondererlaubnis erteilt, die Tigerin und ihre Jungen zu töten.

Gnadengesuch für T 1 abgeschmettert

Der Schiessbefehl hatte in Indien erhitzte Debatten ausgelöst. Naturschützer hatten am Dienstag den Obersten Gerichtshof in Neu-Delhi angerufen und ein Gnadengesuch für T 1 eingereicht. Der Gerichtstermin geriet zu einem Tribunal, in dem die Staatsanwaltschaft den Beweis führte, dass die Tigerin eine Vorliebe für Menschenfleisch entwickelt habe und deshalb getötet werden müsse, berichteten indische Medien. Naturschützer argumentierten, dass die Menschen in den Lebensraum der Tiere eingedrungen seien und man es ihnen kaum zum Vorwurf machen könne, dass sie ihrem Jagdinstinkt gehorchten. Artenschützer forderten, dass die Tiere eingefangen und in ein Tigerreservat gebracht werden sollten. Das Gesuch wurde jedoch abgeschmettert.

Etwa 70 Prozent der weltweiten Tigerpopulation lebt in Indien. Nachdem zu Beginn des 20. Jahrhunderts 40 000 Tiere gezählt wurden, brach die Zahl über Jahrzehnte drastisch ein. Nur die Einrichtung von Schutzzonen und ein striktes Jagdverbot bewahrte den Bengal-Tiger in letzter Minute vor dem Aussterben. Zwischen 2013 und 2017 wuchs die Population laut Regierungsangaben um 30 Prozent auf 2226 Tiere. Die wachsende Zahl der Raubkatzen bedeutet jedoch auch, dass sich Tiger und Menschen vermehrt in die Quere kommen – mit tödlichen Folgen für beide.

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