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Japan fordert «Feuer frei» auf Wale

30 Jahre Walfangverbot stehen auf der Kippe. Umweltaktivisten sprechen von einem «dreisten Kuhhandel», sollte dereinst eine Jagderlaubnis im Gegenzug für touristische Schutzzonen eingeführt werden.
Angela Köhler, Tokio
Ein Bild der Umweltaktivisten des "Sea Shepherd" zeigt einen toten Minkwal auf dem japanischen Schiff Nisshin Maru in der antarktischen See. (Bild: Glenn Lockitch/EPA; 15. Januar 2017)

Ein Bild der Umweltaktivisten des "Sea Shepherd" zeigt einen toten Minkwal auf dem japanischen Schiff Nisshin Maru in der antarktischen See. (Bild: Glenn Lockitch/EPA; 15. Januar 2017)

Japans Walfänger wittern Morgenluft. Bei der heute im brasilianischen Florianopolis beginnenden Jahrestagung der Internationalen Walfangkommission IWC führt mit Joji Morishita erstmals ein Japaner den Vorsitz. Unter seiner Leitung könnte das seit ­ 30 Jahren existierende internationale Verbot des kommerziellen Walfangs kassiert werden.

Die bisher in zwei Parteien gespaltene IWC soll einer Fülle von vermeintlich harmlosen, Tierschützern entgegenkommenden Anträgen aus Tokio ins Netz gehen. Unter anderem will Japan ein «Komitee für nach­haltigen Walfang» einrichten. «Nachhaltig» soll auch dann gejagt werden, wenn eine Höchstfangmenge für Walarten festgelegt wird, «deren Bestände vom IWC als gesund angesehen werden», liess Hideki Moronuki von der Fischereibehörde in Tokio die «Japan Times» wissen. Dazu zählen etwa Minkwale. Die Umweltschutzorganisation WWF reagiert empört: «Japan will die IWC zu einem Walfänger-Club umbauen.»

Übertriebene Befürchtungen

Diese Befürchtung ist sicher übertrieben, aber in der Tat wäre es ein Paradigmenwechsel, wenn sich die Tokioter Walfang-Lobby mit ihren Vorschlägen durchsetzt. Bisher ist die Jagd auf Wale eigentlich nur unter Ausnutzung rechtlicher Schlupflöcher überhaupt möglich. Zum Beispiel, wenn Japan geltend macht, dass es die Meeressäuger lediglich zu wissenschaftlichen Zwecken harpuniert. Oder für Norwegen und Island, die formal Einspruch gegen das IWC-Moratorium von 1986 eingelegt haben und sich deshalb nicht an das Walfang­verbot gebunden fühlen. Aus der Ausnahme würde nun aber die Regel. Dabei sind es nur wenige Staaten, die an dieser Art Fischfang überhaupt interessiert sind.

Norwegische Fischer erlegen etwa 700 Wale pro Jahr, isländische 200. Die Fänge der japanischen Flotte werden von der ­Umweltschutzorganisation Pro Wildlife auf jährlich bis zu 450 Exemplare geschätzt, von denen jedoch nicht wenige statt auf dem Labortisch in speziellen Restaurants oder Supermärkten landen. In kleinerem Stil gehen auch noch indigene Völker in Russland, Grönland und den USA auf Walfang.

In der IWC sind die Gegner dieser Jagd noch in der Mehrheit, wenn auch knapp. Vor der Konferenz in Brasilien haben sich ­ 48 Mitgliedsstaaten gegen den Walfang ausgesprochen, 40 dafür. Wenn ihnen die Japaner mit ihrem «Feuer frei unter strengen Auflagen» die Jagd auf Wale wieder schmackhaft machen, könnten auch interessierte Länder wie Südkorea oder Russland wieder einsteigen. «Wird das Verbot ­gekippt, wäre das fatal», warnt Nicolas Entrup von der Meeresschutzorganisation OceanCare. Für ihn «ist kommerzieller Walfang nicht nachhaltig und wird es nie sein. Wale pflanzen sich nur selten fort und brauchen lange, ehe sie heranwachsen.»

Durchbruch ist noch nicht zu erwarten

Auch wenn es bei der Jahres­tagung in Florianopolis wahrscheinlich keinen Durchbruch zur industriellen Jagd geben wird, so ist ein gänzlich entgegengesetzter Industriezweig in Zusammenhang mit den Meeressäugern dennoch in Gefahr: der «Waltourismus». Vor allem im Südpazifik bringt dieser viel Geld ein. Schon 2016 war die Absicht gescheitert, Schutzgebiete für Walbeobachtungen einzurichten. Grund war das Fehlen der nötigen Dreiviertelmehrheit.

Die Japaner versuchen nun zum Beispiel den Gastgeber Brasilien mit der Idee zu ködern, dass künftig für Entscheidungen nur noch eine einfache Mehrheit ­nötig ist. Damit wäre ein touristisches Schutzgebiet leichter durchzusetzen, aber eben auch eine Aufhebung des Jagdmoratoriums.

Pro Wildlife nennt den Vorschlag einen «dreisten Kuhhandel». Es geht also am Ende um die prinzipielle Frage: Wird die IWC künftig nur noch den Walfang sanktionieren, maximal kontrollieren oder gelingt es den Jagdgegnern, dieses internationale Gremium zur einer echten Walschutz-Kommission umzuwandeln.

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