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Japan hängt Sektenführer

23 Jahre nach dem mörderischen Giftgasanschlag auf Tokios U-Bahn wurden sieben Täter auf einen Schlag hingerichtet. Darunter befindet sich auch Shoko Asahara – der Gründer der japanischen Aum-Sekte.
Angela Köhler, Tokio
Fernsehbildschirme zeigen ein Bild des Sektenführers Shoko Asahara. Bild: AP (Urayasu, 6. Juli 2018)

Fernsehbildschirme zeigen ein Bild des Sektenführers Shoko Asahara.
Bild: AP (Urayasu, 6. Juli 2018)

Der Mörder Shoko Asahara ist tot. Mehr als zwei Jahrzehnte nach dem schockierenden Giftgasanschlag auf die Tokioter ­U-Bahn wurde der Chef der Endzeit-Sekte Aum Shinrikyo am Montagmorgen hingerichtet. Gleichzeitig vollstreckte die japanische Justiz gegen sechs weitere Mitglieder der neureligiösen Gruppierung die Todesstrafe. Sie wurden, wie Japans Regierungssprecher Yoshihide Suga mitteilte, gehängt.

Ist das gerecht? Justizministerin Yoko Kamikawa erklärte auf einer Pressekonferenz in Tokio, die Höchststrafe sei angesichts der abscheulichen Verbrechen «unvermeidbar» gewesen. Sie habe den Befehl zur Vollstreckung nach «gründlicher Abwägung» gegeben. Japans Regierung beruft sich bei solchen Entscheidungen auch darauf, dass rund drei Viertel der Bevölkerung die Todesstrafe für Kapitalverbrechen oder Terroranschläge für angemessen halten. Die Tokioter Polizei wurde in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt. Man fürchtet mögliche Vergeltungsmassnahmen der Aum-Nachfolge­organisation Aleph.

Sekte verübte mehrere Attentate

Asahara und seine Anhänger stehen für das Trauma eines Landes, das spätestens am 20. März 1995 den Glauben an eine sicher lebende Nation verlor. An diesem Tag hatten Sektenmitglieder im morgendlichen Berufsverkehr von Tokio an Metrostationen und in U-Bahn-Waggons Plastiktüten mit Sarin aufgestochen und damit das tödliche Nervengas freigesetzt. Dieser bislang grausamste Anschlag auf die japanische Öffentlichkeit traf vor allem das Regierungsviertel der Megametropole. Mit dem Anschlag wollte die Sekte offenbar eine geplante Polizeirazzia gegen ihr Hauptquartier verhindern. Die Bilder des Attentats gingen um die Welt. Betroffene kämpften mit tränenden Augen und Schaum vor dem Mund, rangen um Luft oder brachen zusammen. 13 Menschen kamen ums Leben, 6000 weitere Personen erkrankten zum Teil sehr schwer. Wie bei den Ermittlungen klar wurde, hatte die militante Sekte bereits zuvor Attentate verübt. So versprühten Aum-Anhänger im Juni 1984 Giftgas in der Stadt Matsumoto. Dabei waren acht Menschen ums Leben gekommen.

191 Aum-Mitglieder standen vor Gericht

Nach dem Tokioter Anschlag ging die Polizei massiv gegen Aum Shinrikyo vor. Im Mai 1995 wurde Shoko Asahara verhaftet und mit ihm weitere hochrangige Mitglieder dieser Sekte, die angeblich die Welt mit Gewalt «erlösen» wollte. In einem beispiellosen Prozessmarathon wurden der Gruppierung mindestens 13 Anschläge mit 29 Toten und Tausenden Verletzten nachgewiesen. Ein Tokioter Gericht verurteilte Shoko Asahara und zwölf seiner Anhänger 2006 wegen mehrfachen Mordes zum Tode.

Insgesamt standen 191 Aum-Mitglieder vor Gericht. Das letzte Verfahren ging nach mehreren Berufungen erst im Januar 2018 zu Ende. Im März wurden dann sieben Todeskandidaten aus ihrer Haftanstalt in Tokio in andere Gefängnisse verlegt. Das ist in Japan, das trotz Protesten auch im eigenen Land an der Todesstrafe festhält, ein Indiz dafür, das die Hinrichtung durch den Strang bevorsteht. Sieben Vollstreckungen auf einen Schlag sind jedoch auch in Japan eine Seltenheit, was weitere Diskussionen auslösen wird.

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