Reiche Volksvertreter
Jeder zweite US-Parlamentarier ist Millionär

Mitglieder des amerikanischen Kongresses waren schon immer reicher als die US-Durchschnittsbürger. Jetzt erreicht das Phänomen einen neuen Höhepunkt: Zum ersten Mal in der Geschichte sind mehr als die Hälfte der Parlamentarier Vermögensmillionäre.

Merken
Drucken
Teilen
Die Mitglieder des US-Kongresses bei der Vereidigung: Der Politikerberuf lohnt sich in den USA.

Die Mitglieder des US-Kongresses bei der Vereidigung: Der Politikerberuf lohnt sich in den USA.

KEYSTONE

Die meisten Mitglieder des amerikanischen Kongresses sind Millionäre. Zu diesem Ergebnis kommt das Center for Responsive Politics in einer Analyse der persönlichen Finanzdaten, die Kongressmitglieder offenlegen müssen.

Mindestens 268 der 534 Kongressmitglieder hatten danach im Jahr 2012 ein Vermögen von einer Million Dollar und mehr, wie die «Frankfurter Allgemeine» berichtet.

Der mittlere Vermögenswert betrug 1,009 Millionen Dollar, ein Plus von 4,4 Prozent.

Die Unterschiede zwischen Demokraten und Republikanern sind dabei minimal. Abgeordnete (vergleichbar mit den Nationalräten in der Schweiz) hatten im Mittel ein Vermögen von 896’000 Dollar, Senatoren (vergleichbar mit Ständeräten) von 2,7 Millionen Dollar.

Der ärmste Parlamentarier hat 12,1 Millionen Schulden

Das reichste Kongressmitglied ist Darrell Issa, der republikanische Abgeordnete eines wichtigen Ausschusses, mit 424 Millionen Dollar.

Er hat sein Geld im Geschäft mit Alarmanlagen für Autos gemacht. Das ärmste Mitglied des Kongresses ist der republikanische Abgeordnete David Valadao aus Kalifornien, der aufgrund von Krediten für die Milchfarm seiner Familie ein negatives Vermögen von 12,1 Millionen Dollar angab.

Der reichste US-Parlamentarier Darrell Issa

Der reichste US-Parlamentarier Darrell Issa

Keystone

Gemäss der Studie ist das Interesse der Abgeordneten und Senatoren an Anlagen in Aktien im Jahr 2012 wieder gestiegen, nachdem es in den Jahren zuvor zurückgegangen war. Konkret besonders beliebt waren General Electric, die Bank Wells Fargo und Microsoft.

Lukratives Geschäft

Die Analyse bestätigt die generelle Einsicht, dass die Abgeordneten und Senatoren zu den reicheren Mitgliedern der amerikanischen Gesellschaft gehören.

Das Center for Responsive Politics führt das unter anderem darauf zurück, dass die Politiker viel Geld brauchten, um erfolgreiche Wahlkampagnen zu finanzieren.

Andere Studien zeigten in den vergangenen Jahren, dass die Tätigkeit im Kongress sich oft finanziell sehr vorteilhaft für die Mitglieder auswirkt.

Politiker auch der Regierung legen in den Vereinigten Staaten Jahr für Jahr recht umfangreich ihre Vermögens- und Einkommenslage offen, um mögliche Interessenkonflikte zu offenbaren.

In der Schweiz wäre eine solche Analyse der Parlamentariervermögen nicht möglich. Die Transparenz diesbezüglich ist hierzulande viel schlechter als in anderen Ländern.