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JEMEN: Die Lebensadern abgeschnitten

20 Millionen Personen sind in dem Bürgerkriegsland auf Hilfslieferungen angewiesen. Der Bevölkerung im ärmsten arabischen Land droht eine Hungersnot. Doch für humanitäre Hilfe wollen nur wenige zahlen.
Michael Wrase, Limassol

Michael Wrase, Limassol

Es ist ein Schritt mit dramatischen Konsequenzen für die Bevölkerung des ärmsten arabischen Landes: Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) hat am Dienstag sämtliche Hilfslieferungen zum jemenitischen Rotmeerhafen Hodeida eingestellt. Weil die Kampfparteien den Hilfsorganisationen keine Sicherheitsgarantien mehr geben wollten, sei «die Lebensader des Landes jetzt abgeschnitten», es drohe eine Hungersnot, betonte der Regionaldirektor des IKRK für den Nahen Osten, Robert Mardini.

Das Land, warnte Mardini, zehre bereits von seinen Reserven. Da 90 Prozent aller Lebensmittel importiert werden müssten, sei der Tag, an dem die spärlichen Vorräte ganz aufgebraucht sind, nicht mehr fern.

Saudi-Arabien blockiert die Vereinten Nationen

Der von den schiitischen Huthi-Milizen kontrollierte Hafen von Hodeida war bereits Anfang Februar von der saudischen Luftwaffe teilweise zerstört worden. Versuche der UNO, fünf Kräne zur Entladung von Frachtschiffen auf den Kaianlagen zu installieren, scheiterten am Widerstand der Regierung in Riad. Seit fast genau zwei Jahren versucht sie vergeblich, die Huthis aus Jemens Hauptstadt Sanaa zu vertreiben und dort den von den Rebellen gestützten Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi einzusetzen.

Der verheerende Krieg hat zu einer Dreiteilung des Landes geführt: Die Huthis kontrollieren den Norden und Westen, die von den Saudis unterstützten Verbände den Süden. Im Osten des Landes entstanden Kaida-Enklaven. Auch der IS profitiert vom Chaos im Jemen. Obwohl eine militä­rische Lösung des Konfliktes ­unmöglich ist, wird verbissen weitergekämpft. Seit Beginn des Krieges seien mindestens 1476 Knaben unter 18 Jahren zum Dienst an der Waffe gezwungen worden, berichtete das UNO-Menschrechtsbüro am Dienstag in Genf. Mehr als 10000 Zivilisten kamen im jemenitischen Bürgerkrieg bereits ums Leben, die Hälfte von ihnen bei Angriffen der saudischen Luftwaffe. Durch den verheerenden Krieg ist die ­zivile Infrastruktur des Landes fast völlig zerstört worden. 20 der 27 Millionen Einwohner haben keinen Zugang zu sauberem ­Wasser mehr. Um zu überleben, sind sie auf Hilfsleistungen der UNO angewiesen. 3,3 Millionen Personen, unter ihnen 2,1 Millionen Kinder, sind bereits von Mangelernährung betroffen, an deren Folgen wiederum alle zehn Minuten ein Kleinkind stirbt.

Mehr Geld für Kriegswaffen als für humanitäre Hilfe

Schon im Januar dieses Jahres hatten die Vereinten Nationen um Lebensmittel und Medikamente für den Jemen gebeten. Der dramatische Appell der Weltorganisation verhallte fast ungehört: Lediglich 90 Millionen Dollar stünden für 2017 bislang zum Kauf von Überlebenshilfe zur Verfügung. Tatsächlich benötigt würden aber 2,1 Milliarden Dollar, erklärte UN-Generalsekretär Antonia Guterres. Mehr als 40-mal so viel gab allein Saudi-Arabien im vergangenen Jahr für den Import von Kriegswaffen aus.

In einem Gespräch mit Radio Vatikan beklagte der apostolische Vikar für Süd-Arabien, Paul Hinder: «Die Weltöffentlichkeit inter­essiert sich nicht sehr für diesen Konflikt, obwohl es einer der gefährlichsten in dieser Region ist und Auswirkungen auf andere Regionen der Welt hat.»

Das Hauptproblem sei das Denken in Stämmen und Gruppen, die ihre Einzelinteressen vor eine Gesamtlösung stellten, meinte der aus der Schweiz stammende Geistliche.

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