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JEMEN: Saudis blockieren Nothilfe

Die Schweiz gibt bis 2020 über 40 Millionen Franken zum Wiederaufbau des Jemen. Doch Geld allein kann die Not in dem arabischen Land nicht lindern. Vor allem die Seeblockade müsste beendet werden.
Michael Wrase, Limassol
Vertriebene Frauen in einem Flüchtlingscamp nahe der jemenitischen Hauptstadt Sanaa. (Bild: Khaled Abdullah/Reuters (25. April 2017))

Vertriebene Frauen in einem Flüchtlingscamp nahe der jemenitischen Hauptstadt Sanaa. (Bild: Khaled Abdullah/Reuters (25. April 2017))

Michael Wrase, Limassol

Seit Monaten machen internationale Organisationen auf die humanitäre Katastrophe im Jemen aufmerksam. Mit immer drastischeren Worten wird das entsetzliche Leid der Zivilbevölkerung beschrieben. Doch was in Syrien ein internationales Echo findet, stösst, wenn es um den Jemen geht, meist auf taube Ohren. «Die grösste humanitäre Katastrophe der Welt», so UNO-Sprecher vor einigen Tagen, wird achselzuckend zur Kenntnis genommen.

Das hat auch damit zu tun, dass noch keine Jemeniten vor den Toren Europas stehen. Die 27 Millionen Einwohner des südarabischen Landes kämpfen zu Hause um ihr Überleben. Zwei Drittel von ihnen sind auf Nothilfe angewiesen. Alle zehn Minuten stirbt ein Kind an vermeidbaren Krankheiten. 1,2 Millionen jemenitische Kinder sind unterernährt und in akuter Lebensgefahr.

Saudische Luftwaffe blockiert Nothilfe

Doch finanzielle Hilfspakete reichen nicht aus. Selbst wenn bei der gestern in Genf abgehaltenen «Geberkonferenz» die zur Versorgung der Bevölkerung benötigten 2,1 Milliarden US-Dollar zusammengekommen wären, hätte man damit den Jemeniten noch nicht geholfen. Die Nothilfe muss das Land auch erreichen.

Die Kaianlagen am Hafen von Hodeida, dem grössten des Landes, sind verwüstet. Die sechs Ladekräne sind von der saudischen Luftwaffe zerstört worden. Sie verhindert auch, dass neue, von der UNO schon bereitgestellte Ladekräne Hodeida erreichen. Davon würden dann die schiitischen Huthis profitieren, argumentiert die Militärführung in Riad, der nicht nur Care-Sprecher Marten Mylius vorwirft, «Hunger als Waffe billigend in Kauf zu nehmen».

Dass weit mehr als die Hälfte der Bevölkerung von Hilfslieferungen über Hodeida angewiesen ist, wird nicht nur ignoriert. Nach arabischen Presseberichten planen die von den Armeen Saudi-Arabiens und der Vereinigten Arabischen Emirate unterstützten Regierungsstreitkräfte des Jemen die Eroberung von Hodeida. Die Huthis, so die Hoffnung, würden dann zusammenbrechen.

Militärexperten bezweifeln dies. Trotz der dritthöchsten Militärausgaben weltweit habe es Saudi-Arabien in den letzten 25 Monaten nicht geschafft, das ärmste arabische Land zu besiegen, stellt Michael Horton von der Jamestown Foundation fest. Wie andere Interventionsmächte zuvor versinke auch Saudi-Arabien im Morast des Jemens. Pläne zur Beendigung des Krieges seien nicht erkennbar. Stattdessen habe der Krieg inzwischen auf Saudi-Arabien selbst übergegriffen, betont der amerikanische Jemen-Experte Bruce Riedel.

Das wahhabitische Königreich wird im laufenden Jahr mehr als 51 Milliarden Dollar für die Rüstung ausgeben, 6,7 Prozent mehr als 2016.

Bei seinem Besuch in Riad wies US-Verteidigungsminister James Mattis zwar darauf hin, dass der Krieg im Jemen nicht militärisch gewonnen werden kann. Echten Druck auf seinen arabischen Partner will Washington aber vorerst nicht ausüben. Vielmehr soll Riad auch weiterhin mit Waffen und Geheimdienstinformationen versorgt werden. Dass damit die humanitäre Katastrophe im Jemen weiter verschärft wird, blendet man aus.

Jemen liegt südlich von Saudi-Arabien. (Bild: mlu)

Jemen liegt südlich von Saudi-Arabien. (Bild: mlu)

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