Kommentar

Jetzt also: Biden gegen Trump. Wegen Corona fängt das Rennen völlig neu an

Mit seinem Rückzug macht Bernie Sanders, 78, seinen innerparteilichen Rivalen Joe Biden, 77, zum Kandidaten der Demokraten für das US-Präsidentenamt. Ob Biden eine Chance hat gegen Donald Trump, hängt fast nur von einem Punkt ab. Ein Kommentar.

Patrik Müller
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Patrik Müller.

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Bernie Sanders, die linke Kämpfernatur, hat kapituliert. Denn er sieht in der Coronakrise keine Chance mehr, den Rückstand auf den gemässigten Establishment-Vertreter Joe Biden aufzuholen. Öffentliche Auftritte gibt es wegen der Pandemie keine mehr. Und nur auf der Bühne, vor seinen vielen jungen, feurigen Fans, hätte Sanders noch eine  minime Chance gehabt, das Blatt zu wenden. 

Biden gegen Trump, 73, heisst nun also das Duell. Die beiden Männer sind schon so lange im Polit- und Show-Geschäft, dass fast jeder Amerikaner eine Meinung über sie hat. Und doch: Das Rennen fängt jetzt neu an.

Bernie Sanders (rechts) gibt auf - und macht den Weg frei für Joe Biden, der nun für die Demokraten so gut wie sicher ins Rennen gegen den Republikaner Donald Trump geschickt wird.

Bernie Sanders (rechts) gibt auf - und macht den Weg frei für Joe Biden, der nun für die Demokraten so gut wie sicher ins Rennen gegen den Republikaner Donald Trump geschickt wird. 

Evan Vucci / AP

Was Trump in den ersten drei Jahren gemacht hat, ist auf einmal unwichtig

Seit das Coronavirus in den USA wütet, ist nichts mehr, wie es war. In keinem Land der Welt forderte es so viele Todesopfer wie in Amerika. Vor diesem Hintergrund erscheinen selbst Trumps beispiellose Tabubrüche und seine aussenpolitischen Wagnisse in Iran und Nordkorea nur noch als kleine Fussnoten der Geschichte. Seine Verdienste und seine Flops aus der bisherigen gut dreijährigen Amtszeit: Sie sind nicht mehr entscheidend.

Entscheidend ist jetzt etwas anderes. Ob Trump wiedergewählt wird, hängt fast ausschliesslich davon ab, wie er die Pandemie managt. Bisher überzeugte er als Krisenmanager nicht. Doch abgerechnet wird erst am Ende dieser Krise - beziehungsweise am Wahltag, dem 3. November. Bis dahin wird noch viel passieren.

Und Biden? Der ist dazu verdammt, aus seinem Wohnzimmer zuzuschauen und zu kommentieren, was Trump tut. Er muss hoffen, dass Trump Fehler macht  – und die Gesetzmässigkeit diesmal nicht gilt, dass sich das Volk in Krisen hinter den Amtsinhaber schart. 

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