USA
Jetzt starten die Republikaner ihren Parteitag: Trumps Familie warnt vor der «Zerstörung der USA»

In Washington hat der Parteitag der Republikaner begonnen. Die Demokraten wollten das Land zerstören, behauptete die Lebenspartnerin von Donald Trump Junior, dem ältesten Sohn des Präsidenten. Heute geht das Spektakel weiter.

Renzo Ruf aus Washington
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Donald Trump Jr., der Sohn des US-Präsidenten.

Donald Trump Jr., der Sohn des US-Präsidenten.

Susan Walsh / AP

Kürzlich wurde ein altgedienter Berater hochrangiger republikanischer Politiker gefragt, für welche Ideen die Partei von Präsident Donald Trump denn eigentlich noch einstehe. Er sagte: Die moderne Republikanische Partei wolle die Massenmedien stinksauer machen und «die Linke zur Weissglut bringen». Owning the libs, heisst dies in der amerikanischen Alltagssprache.

Dies mag kindisch klingen, aber auf dem Nachrichtensender «Fox News Channel» sind (fast) jeden Abend Aushängeschilder der Präsidentenpartei zu sehen, die dieses Credo verkörpern. Figuren wie Charlie Kirk, der Anführer der konservativen Studentenbewegung «Turning Point USA», der Trump wie einen Vater verehrt; Donald Trump Junior, der älteste Sohn des Präsidenten; Kimberley Guilfoyle, Ex-Gattin des aktuellen Gouverneurs von Kalifornien und derzeit Partnerin von Don Jr.; der Abgeordnete Matt Gaetz aus Florida, der sich bereits als Erbe Trumps sieht; oder, seit einigen Wochen, das Ehepaar Mark und Patricia McCloskey aus St. Louis (Missouri), das für Schlagzeilen sorgte, weil die beiden wild mit ihren Waffen fuchtelten, als Demonstranten (mehr oder weniger friedlich) vor ihrer Villa vorbeizogen.

Am Montag bildeten die fünf den Kern des angriffigen Programms am ersten Abend des republikanischen Wahlparteitags. Sie sagten Dinge über den Präsidenten wie:

Donald Trump ist der Leibwächter der westlichen Zivilisation.

Das war ein Zitat von Charlie Kirk. Oder: Trump habe das Fundament für die beste Konjunktur aller Zeiten gelegt. «Die Demokraten aber bringen uns nichts als Zerstörung.» Diese Aussage stammte von den McCloskeys, die auch noch gleich behaupteten, dass ein Präsident Joe Biden die Agglomerationen «beseitigen» werde. Guilfoyle wiederum sagte – in einer Rede, in der Guilfoyle mit zunehmender Dauer zunehmend überdreht wirkte –, dass die Demokraten «dieses Land zerstören» wollten.

Mag sein, dass solche wilden Behauptungen an der Basis der Präsidentenpartei auf Zustimmung stossen werden. Die Organisatoren der «Republican National Convention» hatten aber angekündigt, dass der Tonfall am republikanischen Wahlparteitag «optimistischer» sein werde als in der vergangenen Woche, als die Demokraten Joe Biden nominierten. «Land of Promise» hiess das Motto des ersten Abends, wenigstens auf dem Papier.

Trump Junior spricht lieber über die Gegner

Wer an diesen Verheissungen interessiert war, die Amerika biete, musste aber die harsche Kritik am politischen Gegner ausblenden. Und ignorieren, dass selbst Don Junior lieber über die Demokraten («Peking-Biden») herzog, als eine persönliche Anekdote über seinen berühmten Vater zu erzählen.

Erst ganz am Schluss, nach zwei Stunden Lobgesängen auf den Präsidenten – ein Mann, der die Coronakrise angeblich von Beginn weg ernst genommen habe –, sprachen dann noch zwei talentierte Politiker aus South Carolina. Zuerst Nikki Haley, die Ex-Gouverneurin, die Amerika gegen die Attacke in Schutz nahm, dass das Land rassistisch sei. Dann Tim Scott, der einzige dunkelhäutige Senator der Republikaner. Der Republikaner erzählte dem Fernsehpublikum über seine einzigartige Karriere und wie er sich als Sohn einer alleinerziehenden Mutter durchs Leben geschlagen habe. Das war zwar nicht neu, aber dennoch inspirierend. So sagte der 54-Jährige: «Diese Wahl dreht sich nicht nur um Trump und Biden.» Vielmehr stehe die Zukunft des Landes auf dem Spiel.

Selbst Scott allerdings kam nicht darum herum, den politischen Gegner zu attackieren. Zuerst rief er in Erinnerung, dass Biden ein Berufspolitiker sei, der fast 50 Jahre in Washington verbracht habe. Dann schloss er seine 15 Minuten dauernde Rede mit der Behauptung ab, dass Biden und sein «Running Mate» Kamala Harris eine «kulturelle Revolution» anstrebten und das Land in eine «sozialistische Utopie» verwandeln wollten.

Eine Randbemerkung noch zur Inszenierung: Die meisten der Reden am ersten Abend des Parteitags wurden im Andrew Mellon Auditorium in Washington gehalten – fraglos eine prächtige Kulisse. Weil aber auch die Republikaner vor leeren Rängen sprechen mussten, wirkte der Kamera-Fokus auf das Podium und die amerikanischen Flaggen mit der Zeit etwas langweilig. Wahrscheinlich wollte die Regie den Eindruck erwecken, dass sich die Republikaner nicht von der Coronakrise beeindrucken lassen. Schliesslich hatten zahlreiche Redner zuvor behauptet, der Präsident habe die Lage weitgehend im Griff.