Ein Brite
«Jihadi John»: Wer ist der sadistische IS-Henker?

Mohammed Emwazi soll der Schlächter der Terrormiliz «Islamischer Staat» sein, der westliche Geiseln vor laufender Kamera geköpft hat. Als Junge liebte er Manchester United, später soll er einen Hochschulabschluss in Informatik gemacht haben.

Merken
Drucken
Teilen
«Jihadi John»: IS-Schlächter mit Informatik-Hochschulabschluss.

«Jihadi John»: IS-Schlächter mit Informatik-Hochschulabschluss.

Screenshot TYT Network

Als «Jihadi John» wurde der Henker der Terrormiliz «Islamischer Staat» (IS) berühmt-berüchtigt: Er soll mehrere westliche Geiseln vor laufender Kamera enthauptet haben, wie US-Medien berichteten. Doch wer steckt hinter «Jihad John» – wer ist dieser Schlächter?

Er heisst Mohammed Emwazi, wurde 1988 in Kuwait geboren, wo sein Vater Taxi-Fahrer war. Als er sechs Jahre alt war, kam seine Familie nach Grossbritannien, wie einstige Klassenkameraden der englischen «Daily Mail» erzählen.

Emwazi, heute etwa 27 Jahre alt, ist britischer Staatsbürger und in West-London aufgewachsen. Der Vater war auch dort als Taxi-Fahrer tätig, die Mutter Hausfrau. Mohammed hat fünf Geschwister, die jüngeren drei kamen in England zur Welt. Die Familienbande waren stark, die Eltern holten ihre Kinder jeden Tag von der Schule ab.

Einziger Muslim in der Klasse

Er sei ein ruhiger, beliebter Junge gewesen, der mehr an Fussball denn am Islam interessiert gewesen sein soll, sagen ehemalige Nachbarn. Manchester United war das Team, für das sein Herz schlug. «Er spielte in jeder Mittagspause und nach der Schule», sagt einer seiner damaligen Klassenkameraden von der «St Mary Magdalene Church of England»-Schule. Mohammed war der einzige Muslim in der Klasse.

Gemäss einem Eintrag in einem Jahrbuch der Schule war «Duke Nukem: Time To Kill» sein liebstes Computerspiel und «How To Kill A Monster» sein liebstes Buch. Blau war seine Lieblingsfarbe, der Affe sein Lieblingstier. Die US-Zeichentrickserie «Die Simpsons» war seine bevorzugste TV-Serie.

Erwachtes Interesse für den Islam

Als junger Erwachsener begann er sich mehr, für Religion zu interessieren, er trug nun traditionelle islamische Kleider. Er soll gemäss Lehrern während seiner Zeit an der Universität hart gearbeitet haben. Die Frucht davon ware ein Hochschulabschluss in Informatik.

Das klingt nach einer geglückten Integration. Doch das täuscht. Zwölf Mal standen der britische Geheimdienst MI5 und die britische Polizei in Kontakt mit Emwazi. Zweimal hat er ihn verhaftet. Einmal, als er mit anderen nach Tansania hatte reisen wollen. Die Behörden hielten ihn in Daressalam fest und wiesen ihn aus. Ihm wurde laut der «Washington Post» vorgeworfen, dass er sich den mit Al-Kaida verbündeten Al Shabaab-Milizen habe anschliessen wollen. Das verneinte er – er habe nur auf Safari gehen wollen.

An Ausreise gehindert

Später erzählte er, dass der MI5 ihn habe anwerben wollen. Auch weil er von diesem beobachtet wurde und sich wie in einem Gefängnis gefühlt habe, wollte er zurück nach Kuwait und dort heiraten. Anfang 2010 hinderten die Behörden ihn an der Ausreise.

Doch diese gelang ihm schliesslich 2012. Er fand einen Weg nach Syrien und schloss sich die Dschihadisten an und wurde zum sadistischen IS-Schlächter «Jihad John». Westliche Geiseln, die freikamen, meinen ihn erkannt zu haben. Ehemalige Klassenkameraden konnten das kaum fassen. Gegenüber dem «Telegraph» reagierten sie geschockt auf die Nachricht, dass der Mohammed Emwazi, den sie kennengelernt hatten, der berüchtigte «Jijad John» sein soll. (pz)