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Boris Johnson ist auf dem Weg in die Downing Street

Brexit-Vormann Boris Johnson geht als klarer Sieger aus dem erstem Wahlgang der Fraktion für Mays Nachfolge hervor. Einige seiner Konkurrenten könnten sich nun vorzeitig aus dem Rennen nehmen.
Sebastian Borger, London
Boris Johnson äussert sich vor seinem Zuhause in London zum ersten Wahlgang für Theresa Mays Nachfolge. (Frank Augstein/AP, 13. Juni 2019)

Boris Johnson äussert sich vor seinem Zuhause in London zum ersten Wahlgang für Theresa Mays Nachfolge. (Frank Augstein/AP, 13. Juni 2019)

Boris Johnsons Aufstieg zum britischen Premierminister scheint unaufhaltsam zu sein. Beim ersten Wahlgang der konservativen Unterhausfraktion belegte der frühere Aussenminister am Donnerstag mit weitem Abstand Platz eins. Drei Bewerber, darunter die beiden Frauen, schieden aus. Über das Wochenende dürfte sich der Druck auf einige der verbliebenen sechs Konkurrenten verstärken, vorzeitig aus dem Rennen um die Nachfolge der Parteivorsitzenden Theresa May auszuscheiden. Dem Parteistatut zufolge müssen sich Johnson und der zweitplatzierte Kandidat einer Urwahl durch die Mitglieder stellen.

Durch Sitzungssaal 14 des Londoner Unterhauses ging um kurz nach 13 Uhr Ortszeit ein Raunen, als die amtierende Leiterin des zuständigen 1922-Komitees das Ergebnis für Johnson bekanntgab. Von den 313 Tory-Parlamentariern hatten sich 114 und damit 36 Prozent für den Brexit-Vorkämpfer entschieden. Die beiden Nächstplatzierten, Johnsons Amtsnachfolger Jeremy Hunt ­sowie Umweltminister Michael Gove, brachten es gemeinsam gerade einmal auf 80 Stimmen.

Heftiges Werben um Stimmen

Die diesmal geltende Hürde fürs Weiterkommen von 16 Voten (fünf Prozent der Fraktionsmitglieder) erwies sich für zwei Bewerberinnen und einen Bewerber als zu hoch: Sie mussten mit elf, zehn und neun Stimmen das Feld räumen. Nicht nur um diese 30 Voten entbrannte unmittelbar nach Bekanntgabe des Ergebnisses ein heftiges Werben. Erfahrungsgemäss stimmen die politisch versierten Wahlberechtigten zunächst mit dem Herzen ab, ehe sie bei weiteren Urnengängen die Chancen der weit vorn Liegenden abwägen. Beim nächsten Wahlgang am Dienstag dürfte es darauf ankommen, welcher Bewerber den grössten Sprung nach vorn machen kann. Für vier Kandidaten wird dies zur existenziellen Frage: Sie lagen teilweise deutlich unter der dann geltenden Hürde von 32 Stimmen (zehn Prozent der Fraktion).

Am Donnerstag wurden erste Stimmen zugunsten einer Krönung des Brexit-Vormanns und früheren Londoner Bürgermeisters laut. «Beendet diese Farce und wählt jetzt Boris», schrieb Freddy Gray im einflussreichen Tory-Magazin «Spectator» mit Blick auf die knappe Zeit bis zur nächsten Brexit-Frist Ende Oktober. Hingegen geben sich die Mitbewerber einstweilen entschlossen, den Kampf bis zu Ende zu fechten. Er fühle sich «stark ermutigt», betonte Entwicklungshilfeminister Rory Stewart (19 Stimmen). Grundsätzlicher wurde seine Kabinettskollegin Amber Rudd, die prominenteste Unterstützerin von Aussen-Ressortchef Hunt: Anders als 2016, als Theresa May ausschliesslich von der Unterhausfraktion gewählt wurde, sollten sich die Kandidaten diesmal der genauen Prüfung durch die rund 160000 Mitglieder und die Medien stellen.

Johnson würde auch «No Deal» in Kauf nehmen

Offenkundig hofft Rudd, dass ihr Kandidat Hunt in den brutalen Kreuzverhören der britischen TV-Sender die Nerven behält, während dem Favoriten Johnson dessen bekanntermassen loses Mundwerk zum Verhängnis werden könnte. In den Londoner Medien besteht erheblicher Unmut über die Art und Weise, wie der einstige Berufskollege und wöchentliche Starkolumnist des «Daily Telegraph» bisher die Befragung zu seiner Vergangenheit und zu kontroversen Themen verweigert. Völlig unklar bleibt bei allen Kandidaten die Herangehensweise an das wichtigste Problem der britischen Politik, den bevorstehenden EU-Austritt. Anders als Hunt und Gove will Johnson den Brexit am 31. Oktober um jeden Preis, notfalls auch ohne Vereinbarung mit Brüssel (No Deal): Für die Unterhausabgeordneten gelte es jetzt, «unsere Pflicht gegenüber dem Volk zu tun». Eine Initiative der Labour-Opposition, No Deal gesetzlich auszuschliessen, schlug am Mittwoch fehl.

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