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Kaiserfamilie will zurück ins Schloss

Die Hohenzollern fordern vom deutschen Staat verlorene Güter zurück. Das stösst auf Widerstand.
Birgit Baumann aus Berlin
Schloss Cecilienhof in Potsdam gehörte einst den Hohenzollern. Jetzt will es die Familie zurück. Bild: Clemens Bilan/EPA (18. Juli 2019)

Schloss Cecilienhof in Potsdam gehörte einst den Hohenzollern. Jetzt will es die Familie zurück. Bild: Clemens Bilan/EPA (18. Juli 2019)

Im Schloss Cecilienhof wird gross geplant. Nächstes Jahr will die Stiftung Preussische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg daran erinnern, dass dort – in Potsdam unweit des Jungfernsees – 1945 Weltgeschichte geschrieben wurde.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges trafen sich dort die «grossen Drei» – für die USA-­Präsident Harry S. Truman, für die UdSSR Josef Stalin und für Grossbritannien Premier Winston Churchill –, um über die Zukunft des besiegten Deutschland und ganz Europas zu beraten.

Geht es nach Prinz Georg Friedrich von Preussen, dann muss in dem Bau, der zu den Besuchermagneten für Touristen zählt, schon bald ein wenig umgestellt werden. Er ist der Ururenkel des letzten deutschen Kaisers, Wilhelm II, somit Chef des Hauses Hohenzollern und hat einen Wunsch: Seine Familie möge in Cecilienhof oder zwei anderen, kleineren Schlössern ein unentgeltliches Wohnrecht bekommen.

Verhandlungen laufen seit Jahren

Völlig unmöglich, möchte man meinen. Doch die Forderung der Deutschen hat einen ernsten Hintergrund. Wie kürzlich bekannt wurde, verhandelt die Familie der Hohenzollern bereits seit dem Jahr 2013 mit der deutschen Regierung sowie den Ländern Berlin und Brandenburg, die einst das preussische Kernland ausmachten.

Und es geht nicht nur um das Wohnrecht in einem Schloss vor den Toren Berlins. Die Royals fordern auch Tausende wertvolle Gemälde, Möbel, Keramiken und Skulpturen zurück, die sich derzeit in öffentlichen Museen in Berlin und Brandenburg befinden. Auf der Liste steht etwa jener Sessel, auf dem Friedrich II (der Grosse) im August 1786 in Potsdam verstorben ist.

Eigentlich hätte die Angelegenheit schon längst erledigt sein sollen. Wie in Österreich wurde 1918 auch in Deutschland die Monarchie abgeschafft. Doch die Fragen, die sich um Ent­eignung und Entschädigung drehen, sind kompliziert. Und Prinz Georg Friedrich ist der Meinung, es seien immer noch ein paar Rechnungen offen, was ziemliche Empörung auslöst.

«Das Land Brandenburg achtet darauf, dass die Schlösser öffentlich zugänglich sind und bleiben», sagt Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) und spricht von «Volksschlössern». Auch das Kanzleramt sieht «keine geeignete Grundlage für erfolgsversprechende Verhandlungen». Das steht in einem Brief, den die zuständige Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) dem Prinzen geschickt hat und aus dem der «Tagesspiegel» zitiert.

Historische Reinwaschung?

Samuel Wittwer, Direktor der Stiftung Preussischer Schlösser und Gärten, erklärt im «Spiegel», das Berliner Jagdschloss Grunewald und der Neue Pavillon im Park des Berliner Schlosses Charlottenburg müssten schliessen, wenn die Hohen­zollern das bekämen, was sie verlangen. Es gäbe dann schlicht nichts mehr herzu­zeigen.

Die staatliche Seite will einen langen und kostspieligen Rechtsstreit vermeiden, auch der Anwalt der Hohenzollern betont, man sei an gütlicher Einigung interessiert – vielleicht auch im Lichte der jüngsten Gerichtsentscheidung.

Gerade hat das Landgericht Koblenz entschieden, dass der Prinz Schloss Rheinfels in St. Goar (Rheinland-Pfalz) nicht zurückbekommt, weil es nicht zum Privatvermögen der Hohenzollern gehört hatte, sondern zum 1918 beschlagnahmten Sondervermögen.

Zu hören ist, dass die Hohenzollern ihre Forderungen deutlich einschränken könnten, wenn im Gegenzug ein neues Hohenzollern-Museum gegründet wird und die Familien bei Ausstellungen Mitspracherecht bekommt.

Das jedoch stösst auf Widerstand, nach dem Motto: In einer Demokratie lasse man sich nicht von einem ehemaligen Herrscherhaus dreinreden. Und man werde auch nicht zusehen, wie dieses sich in bestem Licht darstellen wolle, schliesslich trage der letzte Kaiser Mitschuld am Ersten Weltkrieg.

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