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Kalt, kalkuliert, knallhart: Ayelet Shaked will zur mächtigsten Frau im Nahen Osten aufsteigen

Die 39-Jährige politisiert mit ihrer Partei "Yemina" in Israel am äussersten rechten Rand – und lässt sich kaum noch bremsen.
Joëlle Weil aus Tel Aviv
High-Tech-Profi, Justizministerin und bald vielleicht irgendwann Israels Regierungschefin? Ayelet Shaked, 39, würde sich selber alles zutrauen. (Bild: Reuters/27. Januar 2019.)

High-Tech-Profi, Justizministerin und bald vielleicht irgendwann Israels Regierungschefin? Ayelet Shaked, 39, würde sich selber alles zutrauen. (Bild: Reuters/27. Januar 2019.)

Ihre Freunde nennen sie «Roboter». Die israelische Presse nennt sie «die eiserne Lady». Und die Israelis finden, sie sei «die attraktivste Politikerin der Knesset». Alldiese Beschreibungen treffen auf Ayelet Shaked zu. Die 39-Jährige befindet sich auf dem Höhepunkt ihrer politischen Karriere. Als Vorsitzende der neuen rechten Partei «Yemina» (Hebräisch für «Rechts») kann sie sich bei den Wahlen am 17. September auf ein gutes Wahlergebnis verlassen. «Wir geben dem israelischen Volk die rechte Politik, die es will und nicht bekommt», lautet ihr Schlachtruf.

Der kommt vielen Israelis wie gerufen. Zwar hat Shaked dieses Jahr keine Chance, Premierministerin zu werden. Wenn jedoch Benjamin Netanyahus «Likud» erneut gewählt wird – und die Chancen stehen gut –, wird «Yemina» deren wichtigster Koalitionspartner und Shaked eine der einflussreichsten Frauen im Nahen Osten.

Dabei hätte bei Shaked alles anders kommen können. Als säkulare Frau im liberalen Tel Aviv aufgewachsen, hat sie eher das Profil einer linken Politikerin. Ihre Nachbarschaft im Norden der hippen Mittelmeer-Stadt hat sie bis heute nicht verlassen. Dort lebt sie mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern. Ihr Privatleben hält Shaked allerdings lieber aus der Öffentlichkeit heraus. Manchmal zeigt sie die beiden Kinder trotzdem auf ihrem Instagram-Account. Auch ein Schnappschuss der letzten Familienferien findet man dort. Shaked weiss sehr wohl, dass die Israelis persönliche Einblicke schätzen und dass sie sich auf diesem Weg die Sympathiepunkte holt, die sie sonst nicht eintreiben kann.

Als das israelische Fernseher sie diesen Sommer begleitete, wie sie in der «Likud»-Hochburg Netanya mit den Einwohnern auf Tuchfühlung geht, sah man ihr an, dass Selfies und Umarmungen der Bevölkerung nicht zu ihren Stärken zählt. «Wer mich kennt, der weiss, dass ich auch warm sein kann», sagte sie dem Reporter.

Ihre Reserviertheit ist in Israel legendär. In einem Interview erzählte sie einst, ihr Mann sage ihr manchmal, dass sie gewisse Sachen nicht verstehen könne, weil ihr schlicht die Sensibilität fehle. Man könnte meinen, dass diese Kälte ihr ein Bein stellen würde, dabei ist das Gegenteil der Fall: Sie überzeugt mit klarer Haltung und gilt als glaubwürdige und fleissige Politikerin.

Sie setzte den Militärdienst für Ultra-Orthodoxe durch

Shaked begann ihre politische Karriere 2006 als Büroleiterin Netanyahus. 2011 gründete sie zusammen mit Naftali Bennett die zionistisch-religiöse Partei «Das jüdische Heim». Nach den Wahlen 2015 wurde die Partei Teil von Netanyahus Koalition und Shaked zur Justizministerin. Letztes Jahr verliess sie ihre Partei, um «Die neue Rechte» zu gründen. Ihre aktuelle «Yemina» ist ein Zusammenschluss zwischen dieser beiden Gruppierungen und der ultra-rechten «Die nationale Union».

Shakeds Hauptinteresse war während ihrer gesamten politischen Aktivität klar: Die jüdische Identität Israels stärken. An der Durchsetzung des umstrittenen Nationalgesetzes, das Israel als jüdischen Staat charakterisiert, war sie im letzten Jahr massgeblich beteiligt. Dass sie als nichtreligiöse Frau einen rechten Block anführt, der auch für religiöse und gar orthodoxe Anliegen einsteht, ist für sie kein Widerspruch. Shaked setzt sich aktuell dafür ein, dass der Oberste Gerichtshof in Israel seinen ersten ultra-orthodoxen Richter erhält.

Obwohl die Stärkung der Ultra-Orthodoxen in Israel zu ihren grossen Themen gehört, ist ihr Verhältnis mit der Gemeinschaft angespannt. Shaked will, dass sich die ultra-orthodoxen Juden in Israel besser in die israelische Gemeinschaft integrieren. Das betrifft einerseits die Wirtschaft, aber auch den obligatorischen Militärdienst. Dass auch Orthodoxe Militärdienst leisten müssen, setzte sie 2014 durch und löste damit Massenproteste aus. Vom Widerstand liess sie sich nicht beirren. Shaked handelt nicht, um zu gefallen – und das schätzen ihre Anhänger.

Verhandeln mit Palästina: «Zeitverschwendung»

Klare Worte findet sie auch, wenn es um das Thema «Zweistaatenlösung» geht. Shaked befürwortet eine Ausweitung der völkerrechtlich illegalen jüdischen Siedlungen im palästinensischen Westjordanland. Alle Diskussionen zur Zweistaatenlösung sieht sie als «Zeitverschwendung», da die Kluft zwischen Palästinensern und Israelis «zu gross» sei. Shaked ist gegen die Gründung eines palästinensischen Staates im Westjordanland und schlägt dafür vor, das Gebeit zu annektieren und den darin lebenden Palästinensern die Israelische Staatbürgerschaft zu geben.

Mit radikalen Inhalten und kantigen Worten hat sich Shaked einen festen Platz in der israelischen Politik erkämpft. Dass die 39-Jährige vor allem zu Beginn ihrer Karriere auf ihr Äusseres reduziert wurde, hat sie selber nie wirklich gestört. Sie ist es gewohnt, sich als Frau in einer Männerdomäne behaupten zu müssen: Vor ihrer politischen Karriere arbeitete sie erfolgreich in der High-Tech-Branche.

Letzten Monat wurde sie vom bekannten Rabbiner Schlomo Aviner öffentlich angegriffen, als der ihre politische Rolle im Zusammenhang mit ihrem Geschlecht in Frage stellte. «Frauen können alles», war ihre Reaktion auf die Kritik. «Frauen können Parteien führen, Firmen führen und sogar Premierminister werden.»

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