Kampfzone Dijon: Paris schickt Polizeikompanie ins Burgund

Tschetschenische und maghrebinische Gruppen lieferten sich in der schmucken französischen Stadt Strassenschlachten.

Stefan Brändle aus Paris
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Reisende kennen Dijon als malerischen Ort mit Weinkellern und schmucken Fachwerkhäusern. Jetzt aber flimmern ganz andere Bilder aus dem Burgund über den Schirm: Bilder von nächtlichen Krawallen, Schüssen aus Kalaschnikows und von durch die Luft fliegenden Autos.

Begonnen hatte alles mit einem Streit im Einwandererviertel Les Grésilles, wo Drogenhändler einen tschetschenischen Jugendlichen spitalreif schlugen. Familienangehörige des Verletzten trommelten daraufhin in Frankreich, Deutschland und Belgien Landsleute zusammen. Mit Schlagstöcken und anderen Waffen ausgerüstet, suchte die Hundertschaft am Wochenende die Wohnsiedlung auf und lieferte sich dort mit den maghrebinischen Dealern eine veritable Strassenschlacht.

Erst nach der dritten Gewaltnacht schickte Innenminister Christophe Castaner Verstärkung. Eine Polizeikompanie sicherte Dijon ab, während Vertreter der tschetschenischen Gemeinschaft zur Ruhe aufriefen.

In Frankreich leben schätzungsweise 25'000 Tschetschenen. Das Bild der stolzen, solidarischen Diaspora, die für ihren Ehrenkodex einsteht, wo sich die Polizei nicht hinwagt, blendet allerdings einige Schattenzonen aus. Ein Geheimdienstbericht hält fest, dass Tschetschenen in Frankreich unter anderem auch Mafiamethoden anwendeten, um sich im Nachtklubbereich festzusetzen. Mehrere Mitglieder gehörten «kriminellen Organisationen» an. Aus diesem Grund übernahm die Polizeibehörde gegen das organisierte Verbrechen die Ermittlungen in Dijon.

Der Geheimdienstbericht verweist auch auf die Nähe einzelner Tschetschenen zum islamistischen Terrorismus. Frankreich war sich dessen im Mai 2018 bewusst geworden, als ein 20-jähriger tschetschenischer Islamist namens Khamzat Azimov bei einer Messerattacke in Paris eine Person erstach und fünf weitere verletzte.

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