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KANADA: Brandkatastrophe von Lac-Mégantic bleibt ungesühnt

Im Sommer 2013 kamen in der Quebecer Stadt 47 Menschen ums Leben, als ein Zug mit Rohöl entgleiste und explodierte. Nun wurden drei Bahnmitarbeiter freigesprochen.

Eine der schlimmsten Katastrophen der jüngeren kanadischen Geschichte bleibt ungesühnt. Mit Freisprüchen endete am Freitag der Strafprozess um das Zug­unglück von Lac-Mégantic in der Provinz Quebec vom Juli 2013. Das Inferno durch explodierende Rohöltanks hatte 47 Menschen das Leben gekostet.

Nach einem mehrmonatigen Prozess sprach die Jury in der Stadt Sherbrooke die drei angeklagten früheren Mitarbeiter der Eisenbahngesellschaft Montreal, Maine and Atlantic Railway (MMA) vom Vorwurf frei, durch strafbare grobe Fahrlässigkeit den Tod dieser Menschen verursacht zu haben. Selbst in der betroffenen Gemeinde und im Kreis von Angehörigen der Opfer war dieses Urteil überwiegend erwartet worden. Denn für viele Menschen in Lac-Mégantic waren nicht die drei MMA-Mitarbeiter die eigentlich Schuldigen, sondern das Unternehmen, dem in einem Bericht der kanadischen Verkehrssicherheitsbehörde eine «schwache Sicherheitskultur» vorgeworfen worden war.

18 verschiedene Faktoren führten zum Unfall

Am frühen Morgen des 6. Juli 2013 hatte das Unglück das Zentrum von Lac-Mégantic, ein 6000 Einwohner zählendes Städtchen 200 Kilometer östlich von Montreal, zerstört. Ein wenige Kilometer ausserhalb der Gemeinde auf einer Gefällstrecke ohne Aufsicht abgestellter Güterzug der MMA hatte sich in Bewegung gesetzt. Der Zug mit 72 Waggons, die 7,7 Millionen Liter Rohöl geladen hatten, raste in die Stadt. In einer Kurve entgleisten mehrere Wagons und rissen auf. Das aus Nord-Dakota stammende Rohöl explodierte. Menschen, die sich in jener Sommernacht im Stadtzentrum in einer Musikbar in der Nähe des Unglücksorts aufhielten, hatten in dem Inferno keine Überlebenschance. Der Stadtkern brannte ab.

Eine entscheidende Unglücksursache war die geringe Zahl an Handbremsen, die der zugführende Ingenieur gezogen hatte, bevor er den Zug gegen Mitternacht verliess. Insgesamt stellte die Verkehrssicherheitsbehörde 18 Faktoren fest, die zusammenwirkten. Aus diesem Grund konnten sich die Geschworenen nicht dazu durchringen, die drei 53 bis 59 Jahre alten Männer als die Schuldigen zu bezeichnen. Auch der Vater einer jungen Frau, die bei dem Unglück ums Leben kam, sagte, dass andere vor Gericht hätten stehen müssen.

Die Staatsanwaltschaft hat noch nicht entschieden, ob sie Rechtsmittel gegen das Urteil einlegen will. Wegen des Unglücks sind noch einige weitere Verfahren anhängig.

Gerd Braune

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