Rohstoffe
Kanada will mit einer neuen Autobahn den Abbau von Rohstoff erleichtern

Seit das arktische Eis wegen der Klimaerwärmung immer rascher schmilzt, ist um die Rohstoffe am Polarkreis ein Wettlauf ausgebrochen. Jetzt will Kanada reagieren und mit dem Bau einer neuen Autobahn den Abbau von Rohstoff erleichtern.

Jörg Michel, Edmonton
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Eisige Stürme, klirrende Kälte: Strassen in Kanada sind extremen Bedingungen ausgesetzt. Sie sind unentbehrlich für die Rohstoffgewinnung.Alamy

Eisige Stürme, klirrende Kälte: Strassen in Kanada sind extremen Bedingungen ausgesetzt. Sie sind unentbehrlich für die Rohstoffgewinnung.Alamy

Alamy

Seit das arktische Eis wegen der Klimaerwärmung immer rascher schmilzt, ist um die Rohstoffe am Polarkreis ein Wettlauf ausgebrochen. Die Anrainer sind scharf auf die Erdölvorräte, die Erdgase, Mineralien und Edelmetalle, die in der arktischen Tundra und in den Tiefen des Eismeeres vermutet werden.

Mit einem neuen Highway will Kanada die Ausbeutung der Rohstoffe nun vorantreiben. Der kanadische Premierminister Stephen Harper markierte am Donnerstag mit einem symbolischen ersten Spatenstich den Baubeginn für eine neue Allwetter-Strasse, die den industriellen Süden des Landes erstmals im Sommer und Winter mit dem Eismeer verbinden soll.

«Die Strasse wird Wohlstand für viele zukünftige Generationen bringen», versprach Harper bei einer feierlichen Zeremonie in Inuvik, einer kleinen Arktisgemeinde nördlich des Polarkreises. Die geplante Verbindung soll von dort in das Örtchen Tuktoyaktuk in der Arktis führen.

Ersatz für Schotterpiste

Einmal fertiggestellt, wird der Highway die nördlichste Strasse in Kanada sein – und eine der entlegensten Verkehrsverbindungen der Welt.

Die in Kanada «Road to Resources» (Strasse zu den Rohstoffen) genannte Strecke soll sich auf einer Länge von 140 Kilometern durch die Tundra schlängeln, bis 2018 fertig sein und 300 Millionen Dollar kosten.

Der neue Abschnitt steht seit den 60er-Jahren auf der politischen Agenda – wurde aber immer wieder verschoben.

Er ersetzt eine saisonale Eisstrasse, die nur wenige Monate des Jahres befahrbar ist, und knüpft an das nördliche Ende des legendären Dempster-Highways an, eine raue Schotterpiste, die auf 736 einsamen Kilometern durch das Goldgräberterritorium Yukon führt.

Bei der nun geplanten Anschlussstrecke stehen die Strassenbauingenieure vor besonderen Herausforderungen: Die Route führt fast auf der gesamten Länge über Permafrostboden.

Dessen obere Schichten tauen immer häufiger auf und verwandeln die ganze Region im Sommer in eine von Moskitos verseuchte Sumpflandschaft. Gebaut wird deshalb nur im Winter, wenn die Temperaturen auf bis zu minus 40 Grad fallen. An 70 Stellen müssen die Ingenieure Flüsse, Bäche oder Seen überwinden.

Zu den Profiteuren der Route gehören Öl- und Gasfirmen wie Shell, die schon seit den 70er-Jahren im Flussdelta des Mackenzie tätig sind.

Im Herbst bewarb sich ausserdem ein internationales Konsortium, an dem Imperial Oil, Exxon und British Petrol (BP) beteiligt sind, um Bohrlizenzen vor der Küste von Tuktoyaktuk. Die ersten Bohrungen im Eismeer sind für 2020 geplant.

Tiefere Nahrungsmittelpreise

Auch der Arktis-Tourismus soll von der Strasse profitieren. Sie ermöglicht es Besuchern erstmals, ohne Flugzeug an das kanadische Eismeer zu gelangen. Einer Studie zufolge kann die Region mit zusätzlichen Einnahmen in Millionenhöhe im Jahr rechnen.

Der Dempster-Highway ist besonders bei abenteuerlustigen Wohnmobilfahrern aus Europa beliebt. Schliesslich erhoffen sich die 950 Bewohner von Tuktoyaktuk, viele davon Ureinwohner, eine finanzielle Entlastung. In der Region sind Lebensmittel und Alltagsgegenstände wegen der hohen Frachtkosten doppelt so teuer wie im Rest Kanadas.

Die Regierung verspricht, dass die Haushaltsausgaben pro Person und Jahr dank der Strasse um 1500 Dollar im Jahr sinken werden.