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Kanzlerkandidat Schulz: Zu wenig glaubwürdig

Christoph Reichmuth über die Parteirede von SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz.
Christoph Reichmuth, Dortmund
Christoph Reichmuth (Bild: Rudi-Renoir Appoldt, info@rrenoi)

Christoph Reichmuth (Bild: Rudi-Renoir Appoldt, info@rrenoi)

50 Minuten dauerte die Rede von SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz auf dem Parteitag, als er sich seines Sakkos entledigte. Die Geste hätte symbolisieren sollen, dass hier einer die Ärmel hochkrempelt, um das Unmögliche doch noch möglich zu machen: Kanzlerin Angela Merkel im September vom Sockel zu stossen.

Nur, wirklich überzeugend kam die Geste nicht rüber. Dafür war die Rede inhaltlich zu wenig elektrisierend, dafür sind die Konzepte, die Schulz gestern vorlegte, zu wenig überraschend. Und dafür wirkt der Versuch, sich nun in scharfen Tönen von Kanzlerin Merkel abzugrenzen, zu wenig glaubwürdig. Vier Jahre haben die Genossen recht geräuschlos mit Merkel zusammengearbeitet. Und nun betreibt diese Merkel in den Augen der Sozialdemokraten mit ihrer Politik «einen Anschlag auf die Demokratie», wie es Martin Schulz nannte?

Schulz wollte den Genossen Mut machen für die letzten 90 Tage bis zu den Bundestagswahlen. Dass eine mässige Parteitags­rede und ein Konzept für die mittleren und unteren Einkommen reichen sollen im Kampf gegen jene Frau, die als die Verteidigerin der freien Werte ausgerufen worden ist, darf bezweifelt werden. Trump und Co. stärken das Vertrauen in die Kanzlerin. Und viele Deutsche halten die eigene wirtschaftliche Situation für gut. Stimmungen können kippen, das haben jüngste Wahlen gezeigt. Ein Drittel der Wähler entscheidet sich am Tag der Wahl oder kurz davor. Schulz’ Chance liegt auch in einem TV-Duell gegen Merkel. Er ist der Kanzlerin rhetorisch überlegen, dort kann er sie inhaltlich in die Enge treiben. Ob das reichen wird? Der Glaube daran ist gestern nicht grösser geworden.

Christoph Reichmuth, Dortmund

christoph.reichmuth@luzernerzeitung.ch

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