KAPSTADT: Südafrikaner wegen Mord an Schweizerin verurteilt

Der Mörder einer jungen Schweizerin erhält lebenslänglich. Die Familie leidet noch immer.

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Eine Schweizerin wurde in Kapstadt ermordet. Im Bild: Eine Demonstrantin in Kapstadt hält ein Schild mit dem Satz "Stoppt die Gewalt gegen Frauen" hoch. (Bild: EPA/ Nic Bothma)

Eine Schweizerin wurde in Kapstadt ermordet. Im Bild: Eine Demonstrantin in Kapstadt hält ein Schild mit dem Satz "Stoppt die Gewalt gegen Frauen" hoch. (Bild: EPA/ Nic Bothma)

«Wie ein Wolf über ein Lamm» sei der Täter über das Mädchen hergefallen, urteilte der Richter im Mordfall einer jungen Schweizerin in Südafrika. Am Donnerstag wurde der Mörder von Franziska B. in Kapstadt zu zwei lebenslangen Haftstrafen und zusätzlich 15 Jahren Gefängnis verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte für den Mörder eine lebenslange Freiheitsstrafe gefordert.

Das Schicksal der 16-jährigen Franziska B. beschäftigte in den letzten Wochen ganz Südafrika. Beinahe täglich berichtete die lokale Presse aus dem Gerichtssaal, wo sich Howard O. wegen Diebstahl, Vergewaltigung und Mord verantworten musste. Im März vergangenen Jahres war Franziska B. mit ihrer südafrikanischen Mutter und dem Familienhund im Tokai Forest, einem Wald bei Kapstadt, unterwegs gewesen. Als sie vorauslief, witterte der 28-Jährige seine Chance auf schnelles Geld, mit dem er die Krippengebühren seiner Kinder abbezahlen wollte.

Ein Jahr lang beharrte O., er habe das Mobiltelefon samt Headset, einen Ring und die Uhr des Mädchens gestohlen. Mit dem Mord an der Doppelstaatsbürgerin habe er nichts zu tun. Mitte Mai dann die Wende: O.’s Anwalt legt «aus ethischen Gründen» sein Mandat nieder. Kurz danach gesteht der Angeklagte unter Tränen, Franziska B. in die Büsche verschleppt, vergewaltigt und bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt zu haben. «So hätte es nicht enden sollen. Ich wollte nur ihr Handy. Keine Ahnung, welcher böse Geist mich hier befallen hat», sagte O. durch seinen Anwalt.

Franziskas schweizerischer Vater und die südafrikanische Mutter sind immer noch geschockt. «Zu wissen, dass dein Kind dich gebraucht hat und du nicht bei ihm warst, ist niederschmetternd.»
In einem emotionalen Brief beschrieben die Eltern dem Gericht ihr Leben ein Jahr nach dem Mord. «Wir sind umgezogen, haben die Schule gewechselt, erlitten Albträume und Schlaflosigkeit, kämpften mit unserer Ehe und unseren Schuldgefühlen, unser Glaube an Gott wurde auf die Probe gestellt. Auch unsere Tochter Sophia hat täglich mit dem Verlust ihrer Schwester zu kämpfen», so die Eltern. Schmerz, Traurigkeit und Kummer seien ständige Begleiter. Den grausamen Tod ihrer Tochter zu akzeptieren, sei am schwierigsten.


Markus Schönherr, Kapstadt