Wahlen
Katalonien: Absolute Mehrheit für die Separatisten – Puigdemont: «Der spanische Staat ist geschlagen»

Nach der Parlaments-Neuwahl in Katalonien ist kein Ende der seit Monaten andauernden Krise in Sicht. Die Separatisten kamen erneut auf eine absolute Mehrheit. Kataloniens abgesetzter Regierungschef Carles Puigdemont will sich noch am Freitag zu seinen Plänen äussern.

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Kataloniens abgesetzter Regierungschef Carles Puigdemont: «Der spanische Staat ist geschlagen.» Ousted Catalan leader Carles Puigdemont, center, speaks during a during a press conference at the Square Meeting Center in Brussels on Thursday, Dec. 21, 2017. The pro-secession bloc won a majority in Catalan regional elections, but the anti-independence Ciutadans (Citizens), led by 36-year-old lawyer Ines Arrimadas, won the highest number of votes for a single party. Several members of the ousted Cabinet, including Puigdemont, have campaigned from Brussels, where they sought refuge from Spanish justice. (AP Photo/Virginia Mayo)
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Carles Puigdemont sprach von Brüssel aus zu seinen Anhängern.
Die Separatisten kamen erneut auf eine absolute Mehrheit. Die Krise dauert damit an.
Im neuen katalanischen Regionalparlament gehen 70 von 135 Sitzen an jene drei Parteien, die für eine Abspaltung von Spanien eintreten. Bei der letzten Wahl 2015 hatten sie noch zwei Sitze mehr gehabt.
Selfie mit einen Anhänger: Puigdemont
Katalonien-Wahl (21.12.2017)

Kataloniens abgesetzter Regierungschef Carles Puigdemont: «Der spanische Staat ist geschlagen.» Ousted Catalan leader Carles Puigdemont, center, speaks during a during a press conference at the Square Meeting Center in Brussels on Thursday, Dec. 21, 2017. The pro-secession bloc won a majority in Catalan regional elections, but the anti-independence Ciutadans (Citizens), led by 36-year-old lawyer Ines Arrimadas, won the highest number of votes for a single party. Several members of the ousted Cabinet, including Puigdemont, have campaigned from Brussels, where they sought refuge from Spanish justice. (AP Photo/Virginia Mayo)

Virginia Mayo

Im neuen katalanischen Regionalparlament gehen 70 von 135 Sitzen an jene drei Parteien, die für eine Abspaltung von Spanien eintreten. Bei der letzten Wahl 2015 hatten sie noch zwei Sitze mehr gehabt.

Stärkste Kraft im Lager der Separatisten wurde die Partei des von Spanien als Staatsfeind betrachteten Puigdemont mit 34 Sitzen. Völlig unklar ist, wie eine neuerliche Regierungskoalition der Separatisten aussehen könnte: Ihre prominentesten Führer sind entweder im Gefängnis oder wie Puigdemont im Exil.

Die grösste Fraktion im Parlament von Barcelona wird künftig aber eine Partei stellen, die für den Verbleib im spanischen Staatsverbund eintritt: Die liberale Bürgerpartei gewann mit ihrer charismatischen Spitzenkandidatin Ines Arrimadas 37 Sitze.

Rekordbeteiligung

Die pro-spanischen Parteien gewannen bei der Wahl mit rund 52 Prozent mehr Stimmen als die Unabhängigkeitsbefürworter, die auf knapp 48 Prozent kamen. Dass letztere dennoch die absolute Mehrheit im Parlament haben, liegt an Besonderheiten des Wahlrechts, das Stimmen aus ländlichen Regionen stärker gewichtet. Dort haben die Separatisten ihre Hochburg, während in Kataloniens grossen Städten die pro-spanischen Parteien siegten. Die Wahlbeteiligung erreichte mit 82 Prozent einen Rekord.

Puigdemont sprach in Brüssel von einer "Ohrfeige" für Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy. "Der spanische Staat ist geschlagen. Rajoy und seine Verbündeten haben verloren", sagte Puigdemont. Er will sich am Freitag um 10.30 Uhr in Brüssel zu seinen weiteren Plänen äussern. Bei einer Rückkehr nach Spanien droht ihm die Festnahme, da ein Haftbefehl wegen Rebellion und anderer Delikte gegen ihn vorliegt.

Rajoys konservative Volkspartei wurde bei der Wahl besonders abgestraft: Sie verlor acht ihrer elf Parlamentsmandate. Die siegreiche Spitzenkandidatin der Cuidadanos, Arrimadas warnte die Separatisten in der Wahlnacht vor neuerlichen Alleingängen: "Die Nationalisten werden nie mehr im Namen von ganz Katalonien sprechen können. Wir sind alle Katalonien."

Unerwartet deutliches Ergebnis

Die Gegner der Unabhängigkeit verpassten die absolute Mehrheit überraschend deutlich - Umfragen hatten zuletzt hingegen immer ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit den Separatisten prognostiziert.

Wie sich das zerrüttete Verhältnis zwischen Barcelona und Madrid nach dem unerwartet deutlichen Wahlerfolg der von der Zentralregierung entmachteten Separatisten weiterentwickelt, war am Wahlabend völlig unklar. Beobachter gingen davon aus, dass die Separatisten zunächst keine weiteren Abspaltungsversuche planen, sondern auf Verhandlungen mit Madrid setzen.

Die EU-Kommission erklärte in einer ersten Stellungnahme, dass sich ihre Haltung in der Katalonien-Frage "nicht ändern" werde. "Es handelt sich um eine Regionalwahl, und das haben wir nicht zu kommentieren", sagte ein Kommissionssprecher in Brüssel. Die Kommission hatte wiederholt eine Einmischung in die Auseinandersetzung zwischen Madrid und Brüssel abgelehnt.

Ende Oktober rief das Parlament in Barcelona dann die Unabhängigkeit und die "Katalanische Republik" aus. Madrid übernahm daraufhin die direkte Kontrolle über die halbautonome Region, setzte Regionalpräsident Carles Puigdemont und dessen Regierung ab und schrieb Neuwahlen aus. Puigdemont setzte sich nach Brüssel ab, um einer Verhaftung zu entgehen.