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KATAR: Fordern wie einst Saddam Hussein

Die «arabische Koalition» hat Katar eine Liste mit Forderungen präsentiert, deren Erfüllung auf eine totale Kapitulation des Emirates hinauslaufen würde. Doch der kleine Staat hat mächtige Verbündete.
Michael Wrase, Doha
Marinesoldaten Katars bei einem Manöver mit Verbündeten der US-Marine vor einer Woche. (Bild: Karim Jaafar/AFP)

Marinesoldaten Katars bei einem Manöver mit Verbündeten der US-Marine vor einer Woche. (Bild: Karim Jaafar/AFP)

Michael Wrase, Doha

Sie sollten endlich «vernünftige und machbare» Forderungen an Katar richten, hatte Rex Tillerson die aus Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain und Ägypten bestehende «arabische Koalition» noch am Mittwoch gemahnt. Doch die Bitte des vom Streit am Persischen Golf frustrierten amerikanischen Aussenministers blieb ungehört. Anstatt den von Washington gewünschten guten Willen zu demonstrieren, verschärfte die «arabische Koalition» mit der Veröffentlichung eines für Katar völlig unannehmbaren Forderungskataloges die Krise in einem Masse, wie sie die Region seit der irakischen Kuwait-Invasion vor 27 Jahren nicht mehr erlebt hat.

Katar soll kritischen TV-Sender schliessen

Der irakische Diktator Saddam Hussein hatte damals von seinem südlichen Nachbarn Milliarden von Kompensationszahlungen sowie eine Änderung des Grenzverlaufs zu seinen Gunsten verlangt und seine Forderungen mit diversen Ultimaten verknüpft. Ein Zeitlimit setzte gestern auch die «arabische Koalition». Innerhalb von nur zehn Tagen müssten «die Brüder» in Katar 13 Bedingungen erfüllen.

Verlangt wird unter anderem die Schliessung von Al Jazeera, dem noch immer populärsten arabischen Fernsehsender, der auch vor Kritik an Regierungen nicht zurückschreckt. Katar müsse zudem sofort seine Unterstützung von Terroristen – genannt werden etwa die Muslimbruderschaft, Al Kaida und Hisbollah – einstellen sowie seine Beziehungen zum Nachbarn Iran beenden.

Damit nicht genug: Auch eine im Aufbau befindliche türkische Militärbasis in Katar müsse geschlossen werden. Für seine vielen Missetaten soll das schwerreiche Emirat ausserdem Kompensationszahlungen in unbekannter Höhe an die «Koalition» zahlen.

Katar will erst verhandeln, wenn Blockade beendet wird

Bereits vor der Veröffentlichung des Forderungskataloges, dessen Erfüllung auf die totale Kapitulation des Emirates hinauslaufen würde, hatte die Regierung in Doha klargestellt, dass «Verhandlungen» mit der «Koalition» erst nach der Aufhebung der gegen das Emirat verhängten wirtschaftlichen Sanktionen stattfinden könnten. Unter einem Blockadedruck, so die Botschaft der Katarer, könnten die Querelen nicht beigelegt werden.

Doch dieser an sich nachvollziehbaren Logik entzieht sich die «arabische Koalition». Warum soll das unermesslich reiche Saudi-Arabien, das mit Ägypten das bevölkerungsreichste arabische Land auf seiner Seite hat, mit einem Winzling am Persischen Golf überhaupt verhandeln? Mit Mohammed bin Salman als neuem Kronprinzen und Vordenker in Riad soll die arabische Welt unter saudischer Führung endlich wieder an einem Strang ziehen: Die Starken sagen ab sofort den Schwachen und Unwilligen, wo es langgeht.

Doch die Sache hat einen Haken. Katar ist zwar klein, aber sowohl wirtschaftlich als auch politisch-diplomatisch bestens vernetzt. Es sollte der «arabischen Koalition» eigentlich zu denken geben, dass sich mit Iran und der Türkei gleich zwei Regionalmächte an die Seite Katars gestellt haben. Ankara schickt Truppen nach Doha, Teheran liefert Lebensmittel.

Den Ultimaten der Iraker an Kuwait folgte bekanntlich die Invasion. Wie das «Endgame» der «arabischen Koalition» aussehen soll, ist bisher nicht bekannt. Sicher weiss man nur, dass Katar nicht kapitulieren wird. Warum sollte es auch?

Auf seinem Territorium befindet sich der grösste US-Stützpunkt im Nahen Osten. Der Versuch einer militärischen Lösung, wie vor 27 Jahren in Kuwait, ist damit wohl ausgeschlossen. Nachhaltig vergiftet ist das Klima auf der Arabischen Halbinsel – und weit darüber hinaus – nach der Präsentation des arabischen Forderungskataloges an Katar trotzdem.

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