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KENIA: Kampf gegen Malaria: Der Erfolgsgeschichte droht ein Knicks

Im Kampf gegen Malaria wurden in den letzten Jahren massive Fortschritte erzielt. Nun steht man in der Behandlung der Tropenkrankheit jedoch vor einem neuen Problem: Die Parasiten werden resistent gegen das Medikament.
Yasmin Kunz, Nairobi
Moskitonetze sind ein wirksamer Schutz gegen Malaria: Demonstration eines Netzes in der kenianischen Hauptstadt Nairobi. (Bild: Wendy Stone/Getty)

Moskitonetze sind ein wirksamer Schutz gegen Malaria: Demonstration eines Netzes in der kenianischen Hauptstadt Nairobi. (Bild: Wendy Stone/Getty)

Yasmin Kunz, Nairobi

Modric trägt ein leuchtend gelbes T-Shirt und schaufelt mit seiner rechten Hand Bohnen und Reis in den Mund. An seinem kleinen Handrücken hat man ihm einen Zugang – eine Kanüle – gelegt. Der Bub ist 3,5 Jahre alt und befindet sich im Spital in Kombewa (Kisumu/Kenia), wo er wegen Malaria behandelt wird. Dass es ihm nicht gut geht, ist auf den ersten Blick erkenntlich. Mit ihm liegen sechs weitere Kinder im Zimmer. Die meisten sind aufgrund einer Malariaerkrankung hospitalisiert worden. Die von einer Mücke übertragene Infektionskrankheit fordert vor allem unter den Kleinsten zahlreiche Todesopfer. So stirbt in Afrika etwa alle zwei Minuten ein Kind an der Tropenkrankheit. Modric wird es überleben, denn seine Mutter hat ihn rechtzeitig ins Spital eingeliefert, wo ihm das wirkungsvolle Coartem – ein Kombinationspräparat – verabreicht wird. Dieses Arzneimittel ist im Kampf gegen die Krankheit die derzeit mächtigste Waffe. Das Medikament wird von Novartis seit 2001 in diverse Malariagebiete verteilt. Bis dato wurden 850 Millionen Behandlungseinheiten an Kranke abgegeben. Das Medikament wird in diesen Ländern im öffentlichen Sektor abgegeben, ohne Gewinn zu erzielen. Eine Behandlung einer erwachsenen Person kostet etwa rund 1.50 Franken. In der Schweiz belaufen sich die Kosten für dieselben Pillen auf 50 Franken.

2016 gab es gemäss Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation etwa 216 Millionen Malariafälle in 91 Ländern. 90 Prozent davon betreffen die Staaten unterhalb der Sahara wie etwa Kenia. Gegenüber dem Vorjahr ist das eine Zunahme von rund 5 Millionen. Die Zahl der Todesfälle stagnierte bei etwa 445000 jährlich.

Mangelndes Wissen in der Bevölkerung

Nathan Mulure (46), Leiter Social Business Novartis in Ost- und Südafrika mit Sitz in Nairobi, hat früher als Arzt gearbeitet. Seit 2006 steht er im Dienst der Novartis und ist zuständig für die Bekämpfung von Malaria in Ostafrika (siehe Nachgefragt). Grundsätzlich ist er zufrieden mit dem Fortschritt in der Malariabekämpfung. Dennoch seien weitere Anstrengungen nötig, um die Tropenkrankheit zurückzudrängen. Er appelliert an die Bildungsverantwortlichen: «Viele wissen kaum, wie sie sich vor dieser Krankheit schützen können. Wir müssen die Hebel unter anderem in der Schule ansetzen.»

Die fehlende Prävention ist jedoch nur eine Hürde in der Bekämpfung, wie Mulure sagt. In Zukunft dürfte ein weitaus grösseres Problem hinzukommen: die Resistenzen. In Südostasien beginnen die Parasiten bereits Resistenzen gegen Artemisinin-basierte Kombinationstherapien zu zeigen. «Würde dieses Szenario in Afrika eintreffen, wären wir in einer absolut misslichen Lage», sagt Nathan Mulure und fügt an: «Wir müssen darum dem Moskito mindestens einen Schritt voraus sein.» Aktuell wird in verschiedenen Labors weltweit und auch in Kenia im Kombewa Research Center ein neuer, vielversprechenden Wirkstoff mit dem Arbeitstitel KAF 156 getestet. Dieser hat gemäss Novartis das Potenzial, eine Malariaerkrankung zu verhindern, zu behandeln und die Übertragung zu blockieren. Derzeit befindet sich die Studie in der Phase 2 B. Übersetzt heisst das: Momentan werden die geeigneten Therapiedosen an Personen bestimmt.

Unterstützt werden die Forschungen vor Ort von der Bill & Melinda Gates Foundation und dem Pharmakonzern Novartis, der seit langer Zeit bezüglich Malariabekämpfung die Nase vorn hat. Bevor das neue Medikament allerdings auf den Markt kommt, werden noch mindestens drei Jahre vergehen. Mulure: «Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, und wir hoffen, dass wir gewinnen.» In der dritten Phase der klinischen Studie wird die Therapie dann voraussichtlich für den Markt zugelassen.

Unzuverlässige Probanden erschweren Studie

Ein Besuch im Research Center in Kisumu – der drittgrössten Stadt Kenias – zeigt, wie vor Ort geforscht wird. Die gesunden 30 Studienteilnehmer werden von Hand registriert und geben eine Blutprobe ab. Im Anschluss wird den einen Probanden ein Placebo, den anderen ein richtiges Medikament verabreicht. Für den Fall, dass eine Person mit Komplikationen reagiert, steht auf dem Regal im spärlich eingerichteten Untersuchungsraum eine Glocke. Sobald diese geläutet wird, wird das Experiment unterbrochen. Ist dies nicht der Fall, gelangen die Proben – nach der Medikamenteneinnahme – erneut ins Labor, wo sie unter dem Mikroskop analysiert werden. Dieser Vorgang dauert ungefähr zehn Minuten. Dann ist klar, welches Medikament gegen welchen Parasiten wirkt.

Lucas Otieno ist seit 19 Jahren Direktor des Research Center und hat bis dato zahlreiche Studien durchgeführt. Für ihn sei das Ungewisse manchmal schwer zu ertragen. «Nie zu wissen, was letztlich bei einer Studie rauskommt, ist eine tägliche Herausforderung.» Ausserdem habe man hin und wieder auch Probleme mit den Probanden. «Es kann passieren, dass die Patienten plötzlich keine Lust mehr haben, an der Studie teilzunehmen, und mittendrin aussteigen. Das ist sehr ungünstig.» Jetzt – mit rund einem Monat Verspätung – wird das neue Medikament erstmals bei an Malaria erkrankten Patienten eingesetzt.

Hinweis
Dieser Artikel entstand im Rahmen einer Reise nach Kenia auf Einladung von Novartis.

Die Blutanalysen werden akribisch handschriftlich dokumentiert. (Bild: Yasmin Kunz (Kombewa, Kenia, 30. November 2017))

Die Blutanalysen werden akribisch handschriftlich dokumentiert. (Bild: Yasmin Kunz (Kombewa, Kenia, 30. November 2017))

Diverse Maschinen im Labor liefern erste Ergebnisse, wie die Parasiten auf gewisse Medikamente reagieren. (Bild: Yasmin Kunz (Kombewa, Kenia, 30. November 2017))

Diverse Maschinen im Labor liefern erste Ergebnisse, wie die Parasiten auf gewisse Medikamente reagieren. (Bild: Yasmin Kunz (Kombewa, Kenia, 30. November 2017))

Im Kombewa-Forschungszenter konnen sich die Probanden auch ausruhen. (Bild: Yasmin Kunz (Kombewa, Kenia, 30. November 2017))

Im Kombewa-Forschungszenter konnen sich die Probanden auch ausruhen. (Bild: Yasmin Kunz (Kombewa, Kenia, 30. November 2017))

So viel kostet die diversen Behandlungen im Spital von Kombewa. 100 kenianische Schilling entsprechen etwa einem Franken. (Bild: Yasmin Kunz (Kombewa, Kenia, 30. November 2017))

So viel kostet die diversen Behandlungen im Spital von Kombewa. 100 kenianische Schilling entsprechen etwa einem Franken. (Bild: Yasmin Kunz (Kombewa, Kenia, 30. November 2017))

Spital in Kombewa, wo der junge Modrik gegen Malaria behandelt wurde. (Bild: Yasmin Kunz (Kombewa, Kenia, 30. November 2017))

Spital in Kombewa, wo der junge Modrik gegen Malaria behandelt wurde. (Bild: Yasmin Kunz (Kombewa, Kenia, 30. November 2017))

Wird die Glocke auf dem Regal gelautet, wird das Experiment sofort unterbrochen. (Bild: Yasmin Kunz (Kombewa, Kenia, 30. November 2017))

Wird die Glocke auf dem Regal gelautet, wird das Experiment sofort unterbrochen. (Bild: Yasmin Kunz (Kombewa, Kenia, 30. November 2017))

Ein Untersuchungsraum im Forschungszenter in Kombewa. (Bild: Yasmin Kunz (Kombewa, Kenia, 30. November 2017))

Ein Untersuchungsraum im Forschungszenter in Kombewa. (Bild: Yasmin Kunz (Kombewa, Kenia, 30. November 2017))

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