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Saudis schweigen sich im Mordfall Khashoggi über wichtigste Fragen aus

Während Riad im Mordfall des Journalisten Khashoggi am liebsten zur Tagesordnung übergehen würde, erhöht Ankara den Druck auf das saudische Königshaus.
Michael Wrase, Limassol
Der saudi-arabische Generalstaatsanwalt Saud al-Muajab. (Bild: Can Erok/AP (Istanbul, 30. Oktober 2018)

Der saudi-arabische Generalstaatsanwalt Saud al-Muajab. (Bild: Can Erok/AP (Istanbul, 30. Oktober 2018)

Das Treffen des saudi-arabischen Generalstaatsanwalts Saud al-Muajab mit seinem türkischen Kollegen Irfan Fidan am Montag dauerte eine Stunde und verlief in frostiger Atmosphäre. Auch eine zweite Begegnung des Saudis mit dem leitenden Istanbuler Staatsanwalt am gestrigen Vormittag brachte keine Ergebnisse.

Al-Muajab hat nach türkischen und arabischen Medienberichten «vollständigen Einblick in die türkischen Ermittlungsakten im Mordfall Khashoggi» verlangt, was die türkische Seite entschieden ablehnte. Als Grund dafür wurde die – trotz gegenteiliger Versprechungen – noch immer mangelhafte Kooperation der Saudis bei der Aufklärung des Mordes an dem prominenten Journalisten genannt. Die saudische Staatsanwaltschaft hat den türkischen Behörden inzwischen zwar die schriftlichen Aussagen der 18 saudischen Verdächtigen, deren Auslieferung in die Türkei Riad bekanntlich ablehnt, übergeben. Wirklich «hilfreich», heisst es in Istanbul, seien die Aussagen aber nicht gewesen.

Fehlende Informationen zur Leiche und zu den Helfern

Die saudischen Ermittler, zitieren arabische Medien den türkischen Generalstaatsanwalt Irfan Fidan, hätten die «drei Kardinalfragen» im Mordfall Khashoggi noch immer nicht beantwortet: Wo befindet sich die Leiche des prominenten Journalisten und Regimekritikers? Wer waren die lokalen Helfer der Saudis im ­Istanbuler Generalkonsulat, die angeblich mit der Entsorgung der Leiche beauftragt wurden? Und: Welche saudische Persönlichkeit hat die Ermordung von Jamal Khashoggi angeordnet? Man werde den Druck auf Riad so lange aufrechterhalten, bis die Ermordung von Jamal Khashoggi vollständig aufgeklärt worden sei, betonte der türkische Aussenminister Mevlüt Cavusoglu am Montag. Er warnte Saudi-Arabien ausdrücklich davor, «in dieser Angelegenheit auf Zeit zu spielen oder zur Tagesordnung überzugehen».

Einen solchen Eindruck hatte letztes Wochenende der saudische Aussenminister Abdel al-Jubeir vermittelt. Auf einer Sicherheitskonferenz in Bahrain empörte er sich über das Nachhaken der internationalen Medien im Mordfall Khashoggi. Die Diskussionen um dessen Tod bezeichnete er als «hysterisch». Dennoch, fügte er voller Zynismus hinzu, werde sein Land «die Angelegenheit schon überstehen».

Das Regime in Riad empfindet das Nachbohren der internationalen Staatengemeinschaft im Mordfall Khashoggi nicht nur als lästig, sondern auch als bedrohlich. In der saudischen Hauptstadt weiss man genau, dass der türkische Staatspräsident noch längst nicht alle seine Karten ausgespielt hat. Auch ist bekannt, auf wen es Recep Tayyeb Erdogan «abgesehen» hat, nämlich auf Kronprinz Mohammed bin Salam, dessen Absetzung auch viele Saudis erfreuen würde.

Der grosse Einfluss des «Khashoggi-Clans»

Erdogan werde dem Herrscherhaus in Riad noch viele schlaflose Nächte bereiten, erwarten arabische Diplomaten in Beirut. Für den türkischen Staatspräsidenten habe der Mordfall auch deshalb «erste Priorität», weil Jamal Khashoggi türkische Wurzeln habe. Der türkischstämmige Grossvater des Journalisten war Leibarzt des ersten Saudi-Königs Ibn Saud – was zeigt, wie einflussreich der weitverbreitete «Kha­shoggi-Clan» in Saudi-Arabien war und noch immer ist.

Nach Wochen des Schweigens meldete sich gestern auch die türkische Verlobte von Jamal Khashoggi wieder zu Wort. Hatice Cengiz hatte ihren Liebsten am 2. Oktober zum saudischen Konsulat in Istanbul begleitet, in dem der Journalist am gleichen Tag von einem aus Riad eingeflogenen Killer-Kommando liquidiert wurde. Bei einer Trauerfeier für Khashoggi in London forderte die Türkin Donald Trump dazu auf, «die Wahrheit aufzudecken» und dafür zu sorgen, «dass Gerechtigkeit geschieht». Der amerikanische Präsident dürfe nicht «der Wegbereiter einer Vertuschung des Mordes an meinem Mann sein».

Hatice Cengiz hatte vor drei Wochen von Donald Trump eine Einladung ins Weisse Haus erhalten, diese aber abgelehnt, weil der Amerikaner damit auf ihre Kosten «öffentlich punkten wollte».

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