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Kim Jong Un berät sich mit Peking

Vor einem möglichen zweiten Kim-Trump-Gipfel berät sich Nordkoreas Machthaber Kim mit Chinas Staatsoberhaupt. Ein mögliches Szenario: Nordkorea verlagert seine Interkontinentalraketen nach China.
Felix Lee, Peking
Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un und das chinesische Staatsoberhaupt Xi Jinping. Bild: Ahn Young-Joon/AP (Seoul, 8. Januar 2019)

Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un und das chinesische Staatsoberhaupt Xi Jinping. Bild: Ahn Young-Joon/AP (Seoul, 8. Januar 2019)

Dank der sozialen Medien und anderer moderner Kommunikationsmittel ist es eigentlich kaum mehr möglich, der Öffentlichkeit eine Information vorzuenthalten. Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hat es dennoch mal wieder geschafft, die Welt zu überraschen. Mit dem dunkelgrün gepanzerten Luxuszug, mit dem schon sein Vater und Grossvater einst nach Moskau oder Peking gereist waren, traf Kim Jong Un am Dienstag überraschend in der chinesischen Hauptstadt zu einem insgesamt auf vier Tage terminierten Staatsbesuch ein.

Nordkoreas amtliche Nachrichtenagentur KCNA bestätigte am Morgen, dass Kim gemeinsam mit seiner Frau Ri Sol Ju und anderen ranghohen Funktionären auf Einladung des chinesischen Präsidenten Xi Jinping zu Besuch sei.

Kim fordert Lockerung der Sanktionen

Worüber Kim und Xi am ersten Tag geredet haben, teilten beide Seiten nicht mit. Experten vermuten, dass Kim sich mit Xi strategisch abstimmen möchte. Ein zweiter Gipfel zwischen Kim und US-Präsident Donald Trump könnte unmittelbar bevorstehen. «Es wird möglicherweise in nicht allzu ferner Zukunft verkündet», verkündete am Wochenende US-Präsident Donald Trump. Nur über den Ort werde noch verhandelt. Im Gespräch ist Vietnam, wo sich Unterhändler beider Länder in den vergangenen Tagen bereits getroffen haben.

Ein halbes Jahr nach dem von beiden Seiten euphorisch gefeierten Gipfel in Singapur, dem ersten Treffen eines nordkoreanischen Machthabers mit einem amtierenden US-Präsidenten, ist in deren Beziehung Ernüchterung eingekehrt. In Singapur willigte Kim der «Denuklearisierung» seines Landes ein. Genauere Definitionen oder einen Zeitplan nannte er aber nicht.

In den letzten Monaten stockten die Verhandlungen um Nordkoreas Atomprogramm. Washington fordert von der Führung in Pjöngjang, dass sie unabhängige Kontrolleure ins Land lässt, damit sie sich ein genaues Bild über Nordkoreas Atomarsenal machen können.

Kim hingegen behauptet, sein Land habe bereits die ersten Schritte getan und Anlagen geschlossen. Er fordert im Gegenzug eine Lockerung der Sanktionen gegen sein wirtschaftlich ­angeschlagenes Land. In seiner Neujahrsansprache vergangene Woche schlug Kim wieder sehr viel aggressivere Töne an. Die USA sollten die Geduld der Nordkoreaner nicht mit Sanktionen ausreizen, warnte er. «Ansonsten werden wir keine andere Wahl haben, als einen neuen Weg auszuloten.»

Der chinesischen Führung könnte in dem Konflikt nun eine Schlüsselrolle zukommen. Anders als sein Vater und Grossvater hatte der junge Kim nach seiner Amtsübernahme 2012 fünf Jahre lang den Kontakt zur chinesischen Führung, Nordkoreas offiziell einzigem Verbündeten, gemieden. Das hat sich geändert. Seit Kim vor einem Jahr seine Entspannungspolitik mit Südkorea und den USA einleitete, hat er auch den mächtigen Nachbarn inzwischen dreimal besucht. Keine seiner Reisen waren im Vorfeld angekündigt worden.

Cheong Seong-chang, Nordkorea-Experte am Sejong Institute in Seoul, vermutet, dass Kim und Xi gemeinsam an einer Strategie arbeiten, die Trump zufriedenstellen soll. Ein mögliches Szenario: die Verlegung von Nordkoreas Interkontinentalraketen nach China. Die Atomsprengköpfe sollen aber in Nordkorea bleiben. Die Gefahr eines unmittelbaren nuklearen Angriffs auf US-Territorium wäre auf diese Weise gebannt. Nordkorea könnte sich aber weiter als Atommacht bezeichnen. Offiziell hat sich aber noch niemand zu dieser Möglichkeit geäussert.

Und auch Trump scheint China in die Verhandlungen einbinden zu wollen. Er hat Peking gebeten, Nordkorea von der Aufgabe seiner Waffenprogramme zu überzeugen. Er deutete an, im Gegenzug im Handelsstreit auf China zugehen zu wollen.

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