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Kim Jong Un sucht neue Freunde in Russland

Kim Jong Un ist zu seinem ersten Gipfeltreffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in Russland eingetroffen. Im Mittelpunkt stehen Atomgespräche, UNO-Sanktionen und Wirtschaftshilfe.
Angela Köhler, Tokio
Kim Jong Un bei seiner Ankunft an der Grenzstation in Chassan. Bild: Alexander Safronov/AP (Chassan, 24. April 2019)

Kim Jong Un bei seiner Ankunft an der Grenzstation in Chassan.
Bild: Alexander Safronov/AP (Chassan, 24. April 2019)

Kim Jong Un scheut keine Mühen und Strapazen, um den gescheiterten Hanoi-Gipfel mit US-Präsident Donald Trump vergessen zu machen und dafür Russlands Staatschef Wladimir Putin zu hofieren. Der gepanzerte Regierungszug Nordkoreas ist am Mittwoch in der Grenzstation Chassan eingetroffen, wo Kim notgedrungen einen Zwischenstopp einlegen muss. Die Schienensysteme passen nicht aneinander und so müssen Achsen und Räder getauscht werden. Bis Wladiwostok muss Kim noch einmal aussteigen, weil sein Sonderzug die Transsibirische Eisenbahnroute mit einer deutlich breiteren Spurbreite nutzen will. Insgesamt dauert die Fahrt trotz der geografischen Nähe rund 20 Stunden über teils holprige Gleise.

Der nordkoreanische Führer muss also sehr viel von Wladimir Putin erwarten, der am Mittwochabend für seinen Gast ein festliches Bankett gab. Kaum hatte Kim russischen Boden betreten, kündigte der Gast an, dass dies nicht sein letzter Besuch beim grossen Nachbarn sein werde. «Das ist nur der erste Schritt» verkündete er vielsagend. Am Donnerstagmorgen (Ortszeit) treffen sich Kim und Putin zum eigentlichen Gipfel auf der kleinen Insel Russkij, die zum Gelände der lokalen Universität gehört.

Verhandlungen mit Washington sind blockiert

Zunächst ist ein Vier-Augen-Gespräch geplant, ehe dann auch die Delegationen hinzugezogen werden. Allein in dem nordkoreanischen Sonderzug, der Kim und Genossen in Wladiwostok auch als Hotel dienen wird, sind etwa 230 Nordkoreaner mitgereist, darunter Vizeaussenminister Choe Son Hui, der für Abrüstungsfragen zuständig ist. Weil die Verhandlungen zwischen Washington und Pjöngjang festgefahren sind, soll der Gipfel Putin-Kim nun die Blockade durchbrechen und Druck auf US-Präsident Donald Trump ausüben. Es solle in Wladiwostok eine politische und diplomatische Lösung gesucht werden, sagte Putins Berater Juri Uschakow der Nachrichtenagentur Tass.

Der Diktator aus Pjöngjang verspricht sich von Russland nicht nur eine massive Rückendeckung im UNO-Sicherheitsrat, wo über die Sanktionen gegen sein Regime – und deren mögliche Lockerungen – beraten und entschieden wird. Er hofft auch auf eine intensive ökonomische Zusammenarbeit mit Russland, besonders auf Lieferungen von Zivilflugzeugen und Bergbauausrüstungen. Südkorea hat ermittelt, dass Pjöngjang plant, den bilateralen Handel mit Moskau bis 2020 auf eine Milliarde Dollar zu verzehnfachen. Kim Jong Un braucht nach dem Gipfel-Desaster von Hanoi unbedingt einen politischen Etappensieg.

Zugleich drängt die Zeit, denn die UNO-Sanktionen verlangen von Russland, die noch verbliebenen 10000 nordkoreanischen Lohnarbeiter Ende des Jahres aus dem Land zu verweisen. Früher waren es sogar 50000 Nordkoreaner, die in der sibirischen Forstindustrie arbeiteten und ihrem Land Hunderte Millionen Dollar Devisen einbrachten. Pjöngjang wünscht auch eine Fortsetzung der humanitären Hilfe aus Russland, vor allem Weizen und andere Lebensmittel, die bisher von den Sanktionen ausgenommen waren.

Letzte Begegnung fand 2011 statt

Leichtes Spiel wird Kim allerdings in Wladiwostok kaum erwarten können. Auch Präsident Putin ist an einer nuklearen Abrüstung Pjöngjangs interessiert. Bereits vor einer Woche hatte der für Nordkorea zuständige US-Sondergesandte Stephen Biegung in Moskau die Positionen sondiert. Beide Länder sollen dabei ihr Ziel einer vollständigen und kontrollierbaren Denuklearisierung bekräftigt haben, liess die US-Botschaft verlauten.

Um seinen Einfluss auch in Ostasien zu demonstrieren, drängt Moskau zurück an den Verhandlungstisch. Russland hatte vor zehn Jahren gleichberechtigt mit den USA, China, Japan und beiden Koreas an den Sechs-Parteien-Gespräche zur atomaren Entwaffnung Pjöngjangs teilgenommen, bevor diese im Streit platzten. Seither hat Moskau in der Nordkorea-Frage deutlich an Einfluss verloren, vor allem an Peking. Vermutlich wird Wladimir Putin auch jetzt nicht versuchen, Nordkorea direkt zur Abrüstung aufzufordern oder die Amerikaner durch einen Vorstoss auszumanövrieren.

Dem Kreml geht es eher dar­um, den Status quo zu erhalten und eine weitere Aufrüstung des auch aus seiner Sicht unbe­rechenbaren Kim-Regimes zu vermeiden. Allenfalls könnte Putin – vor allem, wenn er von Kim dazu aufgefordert würde – versuchen, sich als Vermittler zu Trump ins Spiel zu bringen. Russland hatte den nordkoreanischen Führer bereits im Mai vergangenen Jahres eingeladen. Damals zog Kim aber den von ihm höher bewerteten Gipfel mit Trump vor. Die letzte Begegnung beider Staaten auf Topebene war 2011 ein Treffen des mittler- weile verstorbenen Führers Kim Jong Il mit dem damaligen Kremlchef Dmitri Medwedew am Baikalsee.

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