Wieso der Wunsch nach Strandferien in der EU für böses Blut sorgen könnte

Bilaterale Tourismusabkommen könnten es möglich machen. Doch die bieten enorme Risiken für den europäischen Zusammenhalt.

Remo Hess aus Brüssel
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Damit wirds diesen Sommer nichts: Spaniens Strände bleiben für ausländische Touristen ein Wunschtraum. Andernorts könnte es aber klappen mit den Ferien am Meer.

Damit wirds diesen Sommer nichts: Spaniens Strände bleiben für ausländische Touristen ein Wunschtraum. Andernorts könnte es aber klappen mit den Ferien am Meer.

Bild: Daniel Perez/AP

Gibt es trotz Corona noch Hoffnung auf ein paar Tage am Strand in diesem Sommer? Hoffen darf man immerhin. Denn mehrere EU-Staaten mit Meerzugang haben angekündigt, ihre Grenzen für Touristen bald wieder öffnen zu wollen. Griechenland zum Beispiel will ab dem 1. Juli Urlauber ins Land lassen. Und auch in Kroatien bereiten sich die Hoteliers auf ausländische Gäste vor. Allerdings möchte sich das Land an der Adria-Küste diese genau aussuchen: Die Kroaten führen bilaterale Gespräche über eine Art «Ferienabkommen» mit verschiedenen Ländern, darunter Deutschland, Österreich und Tschechien.

Doch was ist mit Urlaubswilligen aus anderen Ländern, die nicht über eine bilaterale Vereinbarung verfügen? Können sie nicht kommen?

Die EU-Kommission in Brüssel gibt sich Mühe, Grenzöffnungen und Ferienplanung so gut wie möglich zu koordinieren. Am Mittwoch stellt sie entsprechende Leitlinien für die Mitgliedstaaten vor. In den Urlaubsdestinationen sollen Hotels ein Corona-Schutzkonzept und strenge Hygieneregeln etablieren: eine Art «Corona-Zertifikat» also, die alle erfüllen müssen, bevor die Feriensaison losgehen kann. Airlines sollen die Gesundheit ihrer Passagiere ebenfalls durch spezielle Massnahmen garantieren.

Angst geht um vor einem Zwei-Klassen-Europa

Punkto Grenzöffnungen schlägt Brüssel vor, dass die EU-Mitgliedstaaten vor allem in jenen Grenz-Regionen die Schlagbäume heben, wo eine stabile und vergleichbare Situation in Bezug auf die Virus-Verbreitung vorherrscht. In einem zweiten Schritt soll dann die komplette Freizügigkeit im Schengen-Raum wiederhergestellt werden.

Zahlreiche Entscheidungsträger – etwa CSU-Politiker Manfred Weber, Chef der Christdemokraten im EU-Parlament – fordern, dass es beim europäischen Sommer 2020 nicht zu einem Flickenteppich und zu willkürlicher Diskriminierung kommt. «Wenn der Alltag zurückkommt, wenn es Lockerungen gibt, dann darf es keine Europäer 1. und 2. Klasse geben», sagt Weber in der «Bild»-Zeitung. Alle müssten gleichbehandelt werden. Bilaterale Tourismus-Abkommen, wie sie etwa zwischen Deutschland und Kroatien zur Debatte stünden, dürfe es nicht geben, betont Weber.

Das sieht auch CDU-Kollege Andreas Schwab so: «Man kann sich Touristen nicht à la carte aussuchen. Wenn es die gesundheitlichen Bedingungen erlauben, muss der Urlaub für alle möglich sein», sagt Schwab. Für Karima Delli, Vorsitzende des Transportausschusses im EU-Parlament, wären bilaterale Tourismus-Abkommen ein Skandal. «Das Europäische Recht gilt für alle. Entweder man erlaubt Reisen, oder man erlaubt es nicht», sagt Delli.

Das Problem: Die EU-Kommission kann den Mitgliedstaaten nicht diktieren, für wen sie ihre Grenzen öffnen und für wen nicht. Im Gesundheitsnotstand sind Diskriminierungen also durchaus möglich. Das dürfte auch für eigenständige Ferien-Deals zwischen Regierungen gelten. Bestrebungen von Österreich zur exklusiven Öffnung der Grenzen für deutsche Touristen zum Beispiel sollen schon «sehr konkret» sein, wie in Brüssel zu hören ist.

Kaum möglich wird der Strandurlaub in den Feriendestinationen Italien und Spanien, die von der Pandemie besonders hart getroffen wurden. In Italien gilt bis auf weiteres eine Einreisesperre und in Spanien werde der Tourismus nicht vor Ende Jahr wieder anlaufen, sagt die Regierung in Madrid.