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Kleine Geschichte der Ausbeutung

KongoSuchte man einen Begriff, der die Geschichte des riesigen afrikanischen Flächenstaates auf den Punkt brächte, er hiesse: Ausbeutung. Das Kongobecken war vor der Kolonialisierung kein kulturloses Ödland. Es bestanden mehrere ­Königreiche. Europäische Begehrlichkeiten wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit der Erforschung des Gebietes durch die Briten Henry Morton Stanley und David Livingstone geweckt. Reiche Vorkommen von Edelmetallen, Diamanten und anderen lukrativen Rohstoffen warteten.

Ausbeutung unter belgischer Knute

Mit Hunderten Verträgen mit Stammesfürsten sicherte sich dann der belgische König Leopold II. den Zugriff auf diese Schätze. Mit einer Kongo-Konferenz 1884 vereinbarten die europäischen Mächte in Berlin zudem «freien Handel» im Kongobecken. Dies war die Vorausetzung zur Anerkennung des «Freistaates Kongo», einer zynischen Umschreibung dafür, dass die Region damit zum Privatbesitz des belgischen Königs wurde.

Erst 1908 wurde der Kongo dann zur Kolonie des belgischen Staates. Während der belgischen Herrschaft verloren Millionen Kongolesen ihr Leben; wer überlebte, wurde versklavt. Erst als nach dem Zweiten Weltkrieg die Kolonialherrschaft ins Wanken geriet, zeigten sich die Schäden, welche die Kolonisation angerichtet hatte – nicht nur wirtschaftlicher Art.

Mit der Unabhängigkeit ins Chaos

Bis zur Unabhängigkeit am 30. Juni 1960 war es den kongolesischen Kräften nicht gelungen, ein Bildungssystem oder eine tragfähige politische Struktur aufzubauen. Dies hatten die belgischen Besatzer bewusst verhindert. 1960 wurden im Kongo neben Kautschuk und Kupfer immerhin 70 Prozent der Industriediamanten gefördert, welche die wachsende Weltwirtschaft benötigte. Der Reichtum des Landes wurde zum Fluch, der dafür sorgte, dass auch die Geschichte des unabhängigen Kongo bis heute vor allem mit Blut geschrieben wird.

Patrice Lumumba, erster Premier von Kongo, wurde 1961 von der Soldateska seines Armeechefs Joseph Mobutu ermordet. Der linke Nationalist passte im Kalten Krieg nicht zu den Interessen westlicher Mächte. Dies tat der Antikommunist Mobutu. Dabei befand sich der junge Staat bereits am Rande des Zerfalls. Unter dem prowestlichen Politiker Moise Tschombé betrieb die Bergbau-Provinz Katanga in einem von Belgien mit Söldnertruppen geschürten Krieg die Abspaltung vom Kongo.

Die kongolesischen Ausbeuter Mobutu und Kabila

Es war der Beginn einer bis heute andauernden Serie von Rebellionen und Kriegen, die das Land, seine Menschen und seine Möglichkeiten zerstören. Die drei Jahrzehnte Mobutu-Diktatur, während der das Land Zaire hiess, mündeten in die von Ruanda geförderte Diktatur des Laurent-Desirée Kabila, des Vaters des heutigen Machthabers Joseph Kabila.

Das Land bekam unter den Kabilas seinen ursprünglichen Namen Demokratische Republik Kongo zurück, doch blieb dieser reine Fassade. Heute klebt Joseph Kabila verfassungswidrig an der Macht. Den Preis dafür bezahlen einmal mehr die Kongolesen – im seit Jahrzehnten andauernden Kampf um die Ostprovinzen Nord- und Süd-Kivu und seit vergangenem Jahr auch um die Kasai-Region.

Walter Brehm

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