KÖLN: Polizeipräsident muss wegen Silvesterskandal Amt räumen

Polizeipräsident Wolfgang Albers muss nach massiver Kritik im Zusammenhang mit dem Einsatz seiner Beamten in der Silvesternacht abtreten. Er wurde in den einstweiligen Ruhestand versetzt.

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Der Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers wird in den Ruhestand versetzt. (Bild: EPA / Rolf Vennenbernd)

Der Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers wird in den Ruhestand versetzt. (Bild: EPA / Rolf Vennenbernd)

Der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger sagte am Freitag in Düsseldorf, die Entscheidung sei notwendig, um das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Handlungsfähigkeit der Kölner Polizei zurückzugewinnen.

Die Kölner Polizei habe «die wichtige Aufgabe, die Vorfälle in der Silvesternacht vollständig aufzuarbeiten und die notwendigen Konsequenzen zu ziehen», erklärte Jäger. «Die Menschen wollen zurecht wissen, was in dieser Silvesternacht passiert ist, wer die Täter sind und wie solche Vorfälle zukünftig verhindert werden können.» Die Polizei werde ihre Ermittlungsarbeit mit voller Intensität fortführen.

Albers räumte in einer Erklärung ein, die öffentliche Debatte um seine Person sei «dazu angetan», die detaillierte Aufklärung der Vorfälle «zu erschweren und zu verzögern». Deshalb verstehe er die Entscheidung des Innenministers. «Es geht darum, verlorengegangenes Vertrauen wiederherzustellen», erklärte Albers.

Zuvor hatte etwa der stellvertretende Vorsitzende der Unionsbundestagsfraktion, Michael Fuchs, den Rücktritt des Polizeipräsidenten verlangt.

Nach internen Polizeiberichten gelang es den Einsätzkräften nicht, die massenhaften sexuellen Übergriffe auf Frauen am Kölner Dom zu unterbinden. Albers wird zudem vorgeworfen, erst Tage später die Vorfälle eingeräumt zu haben.

Zwei Tatverdächtige festgenommen

Die Polizei hat nach den massiven Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof zwei weitere Tatverdächtige festgenommen. Sie sollen am Samstag dem Haftrichter vorgeführt werden.

Es handle sich um zwei Männer im Alter von 16 und 23 Jahren, die aus nordafrikanischen Ländern stammten, sagte eine Polizeisprecherin am Freitag in Köln weiter. Sie stünden im Verdacht, an den Übergriffen beteiligt gewesen zu sein . Weitere Details wollte sie nicht nennen.

19 Tatverdächtige

Insgesamt habe die Landespolizei 19 Tatverdächtige ermittelt, sagte die Sprecherin. 170 Anzeigen seien im Zusammenhang mit den Vorfällen der Silvesternacht eingegangen, rund 120 davon hätten sexuelle Übergriffe zum Hintergrund.

Die für den Bahnhof zuständige Bundespolizei hat 31 Tatverdächtige namentlich identifiziert. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums sind darunter 18 Asylbewerber. Insgesamt seien unter den Verdächtigen neun Algerier, acht Marokkaner, vier Syrer, fünf Iraner, ein Iraker, ein Serbe, ein Amerikaner und zwei Deutsche.

In der Silvesternacht hatten sich der Polizei zufolge rund 1000 Männer auf dem Bahnhofsvorplatz versammelt, viele davon aggressiv und betrunken. Aus kleineren Gruppen heraus seien dann Frauen sexuell angegriffen, bedroht und bestohlen worden. Zeugen zufolge sahen Verdächtige nordafrikanisch oder arabisch aus.

Aber auch an dem Polizeieinsatz war massive Kritik laut geworden. Bundesinnenminister Thomas de Maiziere hatte gesagt: «So kann die Polizei nicht arbeiten.» Ein Bundespolizist hatte einen kompletten Kontrollverlust der Sicherheitskräfte am Hauptbahnhof geschildert.

sda/afp/reu

Hinweis: Das interne Protokoll der Polizei »

Hier geschahen die Übergriffe auf zahlreiche Frauen: Der Kölner Hauptbahnhof. (Bild: EPA)

Hier geschahen die Übergriffe auf zahlreiche Frauen: Der Kölner Hauptbahnhof. (Bild: EPA)