Kommentar
«Ich bitte alle Bürger um Verzeihung»: Angela Merkels zweiter Satz für die Ewigkeit

Die deutsche Kanzlerin entschuldigt sich bei ihrem Volk. Mit einem Satz, der Nachhallen wird. Folgt jetzt die Kehrtwende in der Coronapolitik?

Fabian Hock
Fabian Hock
Merken
Drucken
Teilen
«Es war mein Fehler» - Angela Merkel bittet die Deutschen um Verzeihung.

«Es war mein Fehler» - Angela Merkel bittet die Deutschen um Verzeihung.

Henning Schacht / Pool / EPA

«Wir schaffen das» - dieser Satz der deutschen Kanzlerin hat jetzt schon einen festen Platz in den Geschichtsbüchern. Gesagt hatte ihn Angela Merkel im Jahr 2015 mit Blick auf die Flüchtlingskrise. An diesem Mittwoch sagte Angela Merkel einen weiteren Satz, der weit über ihre Wirkenszeit als Kanzlerin hinaus nachhallen wird. Zur Rücknahme des zuvor von ihr durchgeboxten Oster-Lockdowns sagte Merkel: «Ich bitte alle Bürgerinnen und Bürger um Verzeihung.» Der Entscheid sei einzig und allein ihr Fehler gewesen.

Eine Regierungschefin, die inmitten der Krise einen Fehler einräumt und dafür um Entschuldigung bittet, verdient Respekt. Dazu ist nicht jeder in Lage. Die Häme, die sich vielerorts nun wegen des Hin und Her über Merkel ergiesst, hat die Kanzlerin daher nicht verdient. Kritik an ihrer Coronapolitik allerdings sehr wohl. Das Stichwort hier: Impfdebakel. Für diesen zentralen Missgriff hat sich Merkel nie entschuldigt – im Gegenteil: Die Impfquote, die übrigens in der Schweiz genau so verheerend tief ist wie in Deutschland, wird nach wie vor schöngeredet.

Kommt jetzt das letzte Aufbäumen der Kanzlerin?

Dabei gibt es eigentlich nichts schönzureden: Die Bevölkerung gegen Covid-19 zu immunisieren ist die wichtigste Aufgabe, die den Regierungen in Bern, Berlin und den jeweiligen Kantonen und Ländern derzeit zukommt. Die beste Figur haben sie alle bislang nicht abgegeben. Um es diplomatisch auszudrücken.

Merkels Bitte um Verzeihung hat es trotzdem in sich. Es ist ein Satz, der bleiben wird. Nutzt die Bundeskanzlerin den Moment für ein letztes politisches Aufbäumen? Wird er zur Initialzündung, um die Fehler bei der Impfstoffbeschaffung und -vergabe, sowie bei den Coronatests vergessen zu machen? Um eine Wende in der Pandemiepolitik hinzulegen, und so ihr Andenken zu bewahren? Man mag es der Langzeit-Kanzlerin zum Ende ihrer Amtszeit wünschen.