KOMMENTAR: Kommentar zum Nahostgipfel: Zwei gegen den Rest der Welt

Susanne Knaul/Jerusalem
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Hohe politische Vertreter aus nicht weniger als 75 Staaten sind gestern in Paris zusammengekommen, um sich gegenseitig zu versichern, wie viel ihnen an einer Lösung für den israelisch-palästinensischen Konflikt liegt. Nur Donald Trump ist nicht eingeladen. Dass der Friedensgipfel kaum eine Woche vor seinem Einzug ins Weisse Haus stattfindet, muss er als Affront empfinden. Die Gipfelteilnehmer gehen in Sachen Nahost-Politik auf Konfrontationskurs mit dem desi­gnierten US-Präsidenten, weil er ankündigte, die Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen, und weil er einen Gönner des israelischen Siedlungsprojekts zum Chef des diplomatischen Korps vor Ort ernannte. Stand Israel bislang allein gegen den Rest der Welt, so gesellt sich fortan Amerika auf die Seite der Zionisten.

Den Menschen im Heiligen Land, die sich den Frieden wünschen, nützen weder Trump noch die französische Initiative. 50 Jahre Besatzung und fast 25 Jahre Friedensverhandlungen – der Pariser Gipfel wird in den Geschichtsbüchern unter-gehen wie so viele Nahost-Konferenzen, welche die beiden Völker in ihrem erklärten Ziel der zwei Staaten keinen Schritt weiterbrachten. Israel lässt sich den Frieden weder mit Mahnungen noch mit Versprechungen aufzwingen, und die Palästinenser sind nicht einmal in der Lage zur Versöhnung im eigenen Volk. Ein machtloser Palästinenserpräsident, dem augenscheinlich viele Länder der Welt Rückendeckung versprechen, muss zusehen, wie die neue US-Ad­ministration auf den Kurs der rechtsgerichteten israelischen Regierung einschwenkt und unterstützt, was bisher immer abgelehnt wurde: Jerusalem als ungeteilte ewige Hauptstadt und eine ungezügelte Siedlungspolitik.

Susanne Knaul/Jerusalem

nachrichten@luzernerzeitung.ch