Kommentar
Kommunistisches Zuchtprogramm: Warum Chinas 3-Kind-Politik rassistisch ist

Mit der neuen 3-Kind-Politik will China das Bevölkerungswachstum wieder ankurbeln und startet damit das grösste Zuchtprogramm der jüngeren Menschheitsgeschichte. Gleichzeitig aber hindert sie Minderheiten wie die muslimischen Uiguren aktiv am Kinderkriegen.

Samuel Schumacher
Samuel Schumacher
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Keystone

Mit seiner gestern angekündigten Lockerung der Familienpolitik lanciert China das grösste Zuchtprogramm der jüngeren Menschheitsgeschichte. Ab sofort dürfen Chinesen nicht mehr nur zwei, sondern drei Kinder haben. Peking will damit das Bevölkerungswachstum ankurbeln. Das ist verständlich. Denn laut der jüngsten Volkszählung droht das 1,4-Milliarden-Volk demnächst zu schrumpfen.

Global gesehen sind sinkende Geburtenzahlen mit Blick auf den Klimawandel zwar durchaus wünschenswert. Für die chinesischen Zukunftspläne aber wären sie der Horror. Wer soll die überalterte Gesellschaft finanziell tragen? Wer den Motor der bald grössten Volkswirtschaft der Welt am Laufen halten?

Perfid am Entscheid von Pekings Volkslenkern ist der Umstand, dass bestimmte Minderheiten wie etwa die muslimischen Uiguren weiterhin aktiv am Kinderkriegen gehindert werden, während sich der Rest des Landes aus patriotischer Pflicht der Paarung hingeben soll. 2020 sorgten Berichte von Zwangssterilisierungen und forcierten Abtreibungen in der Uiguren-Provinz Xinjiang für Aufsehen. Die Regierung hält dort noch immer schätzungsweise eine Million Menschen in Arbeitslagern gefangen. Die gemeldeten Abtreibungen bei Uigurinnen sind seit 2015 um das Siebenfache gestiegen. Das zeigt: Peking will, dass China wächst – aber bitte reinrassig. Die Vielfalt im Land, die darf in den Augen der Regierung dabei ruhig noch etwas weiter schrumpfen.