KOMMENTAR: Nutzen statt warnen: Gefährlicher Umgang mit Datenlecks

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Redaktor Maurizio Minetti. (Bild: Dominik Wunderli)

Redaktor Maurizio Minetti. (Bild: Dominik Wunderli)

Es ist das grösste Datenleck in der Geschichte der CIA: Die Enthüllungsplattform Wikileaks hat 8761 geheime Dokumente des amerikanischen Geheimdienstes publik gemacht. Die Daten geben detailliert Auskunft darüber, wie die CIA Smartphones, Nachrichten-Apps, Computer und selbst internetfähige Fernseher hackt, um so Zielpersonen überwachen zu können. Gemäss ersten Einschätzungen dürften die Dokumente echt sein.

Die Enthüllung legt einige der intimsten Geheimnisse eines der mächtigsten Länder der Welt offen. Dass die CIA allerlei Gerätschaften überwacht, sollte aber niemanden mehr überraschen. Zu frisch ist die Erinnerung an Edward Snowden. Der ehemalige Mitarbeiter des US-Geheimdienstes NSA hatte ab 2013 über mehrere Jahre ähnliches publik gemacht. Die neuste Enthüllung zeigt vor allem eins: Es hat sich seitdem nichts geändert.

Nun kann man argumentieren, in Zeiten globaler Cyberkriege sei es nur legitim, dass ein Staat wie die USA Cyberspionage betreibt. Das Problem dabei: Mit ihrem Vorgehen setzt die CIA weltweit hunderte Millionen unbescholtene Nutzer einem hohen Risiko aus. Statt Sicherheitslücken den Computer- und Softwareherstellern zu melden, behält sie die Informationen für sich, um die Lücken dann für ihre Spionage auszunutzen. Es sieht ganz danach aus, als diese nun bekannt gewordenen Lücken schon seit längerem in Hackerkreisen kursierten – und entsprechend auch für kriminelle Zwecke verwendet wurden. Das ist sicher nicht im Interesse eines Geheimdienstes, der eigentlich die Bürger seines Landes schützen sollte.

Maurizio Minetti